Psychische Belastungen und Stress

Formen psychischer Fehlbeanspruchung

1. Was ist Stress?

Stress ist ein Ungleichgewicht von Anforderung und verfügbaren Mitteln, um sie zu bewältigen. Körper und Geist reagieren darauf mit der Bereitstellung eines Höchstmaßes an Energie, je nachdem wie der auslösende Stressor und die individuellen Bewältigungsmöglichkeiten in der Stresssituation bewertet wird. Die durch das vegetative Nervensystem gesteuerten Veränderungen der Körperfunktionen (Hormone, Energieumsatz, Blutdruck, Muskeltonus, Immunsystem etc.) benötigen immer eine Erholungsphase - auch dann wenn der Stress anregend erlebt wird. Chronischer Stress führt zu körperlichen oder seelischen Erkrankungen.

2. Was ist psychische Ermüdung?

Die Betroffenen müssen sich immer mehr anstrengen, um die geforderte Leistung zu erbringen. Sie fühlen sich müde und erschöpft. Fehler nehmen zu und die Qualität der Arbeit leidet darunter. Ermüdung entsteht bspw. durch überlange Arbeitszeiten, Nacht- und Schichtarbeit und zu wenig Pausen. Auch hoher Verantwortungsdruck und Informationsüberflutung kann dazu führen. Wenn sich Belastung und Erholung über längere Zeit nicht die Waage halten, kommt es zu chronischer Ermüdung. Wer ständig am Rand der Erschöpfung lebt, riskiert ernsthaft und chronisch krank zu werden.

Gegenstrategien zur Verminderung der Ermüdung:

  • Die Intensität und Dauer der Arbeitsbelastung reduzieren
  • Die Verteilung der Arbeitszeit z.B. durch die Einführung von Kurzpausen verändern
  • Mehrarbeit bzw. Überstunden durch Freizeitausgleich kompensieren
  • Nacht- und Schichtarbeit nach arbeitswissenschaftlich gesicherten Erkenntnissen gestalten

 

3. Was sind ermüdungsähnliche Zustände?

Darunter leiden Menschen, die abwechslungsarme Tätigkeiten ausführen. Die o. g. Norm unterscheidet drei Arten: Monotonie herabgesetzte Wachsamkeit und psychische Sättigung.

3.1. Monotonie

Der Zustand der Monotonie entsteht durch langandauernde, einförmige und sich wiederholende Arbeitsaufgaben. Das menschliche Arbeitsvermögen ist qualitativ unterfordert. Monotonie geht häufig mit Schläfrigkeit, Müdigkeit, Leistungsabfall und -schwankungen einher.

Beispiele für Gegenmaßnahmen:

  • Mehr Abwechslung in die Tätigkeit bringen (z. B. durch Job Rotation)
  • Arbeitsinhalte erweitern (z. B. durch "Job Enlargement") oder anreichern (z.B. durch "Job Enrichment")
  • Kommunikations- und Partizipationsmöglichkeiten der Beschäftigten fördern
  • Arbeitsumgebung ergonomisch gestalten

3.2. Herabgesetzte Wachsamkeit (Vigilanz)

Sie tritt vorwiegend bei abwechslungsarmen Beobachtungstätigkeiten (z. B. Anlagenüberwachung) auf. Je länger diese Arbeit dauert und je seltener aktive Eingriffe verlangt werden, desto massiver entsteht dieser Zustand.

Beispiele für Gegenmaßnahmen:

  • Passive Beobachtungstätigkeiten zeitlich begrenzen
  • Erholungspausen einführen oder andere Aufgaben zuteilen, die Aktivität erfordern
  • Technische Arbeitmittel ergonomisch gestalten

3.3. Psychische Sättigung

Dies kennzeichnet einen Zustand der Nervosität und Unruhe sowie der Ablehnung einer sich wiederholenden Tätigkeit oder Situation. Es herrscht das Gefühl des "Auf-der-Stelle-Tretens" oder des "Nicht-weiter-Kommens". Weitere Symptome sind Empfindungen von Ärger und Überdruss sowie die Tendenz sich zurückzuziehen. Deutlicher Leistungsabfall ist die Folge.

Beispiele für Gegenmaßnahmen:

  • Möglichkeiten zur Rückmeldung über die geleistete Arbeit schaffen
  • Transparenz in den Arbeitsablauf bringen, um so das Bewusstsein für den Sinn der eigenen Tätigkeit im Gesamtzusammenhang zu stärken
  • Für mehr Chancen zu Mitsprache und Beteiligung der Beschäftigten sorgen

Langfristige Folgen psychischer Fehlbeanspruchung

Häufig beeinträchtigende Beanspruchungen im Arbeitsprozess können langfristig zu gesundheitlichen Beschwerden und Krankheiten führen. Auftreten können bspw.

  • Herz-/Kreislauferkrankungen
  • Magen- und Darmbeschwerden und - erkrankungen
  • Muskel- und Skeletterkrankungen
  • psychische Störungen (z.B. Depressionen, Neurosen, Nervosität, Angstzustände, Konzentrationsstörungen, Suchtverhalten u. a.)
  • Hörsturz ein schwaches Immunsystem (begünstigt Infektionskrankheiten wie Erkältungen aber auch Krebs)
  • Auch Kopf- und Migräneattacken sowie Rückenschmerzen können auf psychische Fehlbelastung zurückgehen

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