Wohlbefinden, Gesundheit und Prävention arbeits­bedingter Erkrankungen

Ganzheitliches Gesundheitsverständnis und Gesundheitsförderung

Gesundheitsverständnis

Gesundheit als Voraussetzung für die tägliche berufliche Leistung ist mehr als nicht krank sein. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat in den 1940er Jahren einen umfassenden Gesundheitsbegriff entwickelt, der den Menschen als physisch-psychisches und soziales Wesen begreift, das seine Arbeits- und Lebensbedingungen mitgestaltet.

Definition Gesundheit der Weltgesundheitsorganisation WHO

"Gesundheit ist der Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur des Freiseins von Krankheiten und Gebrechen.“ (Verfassung der Weltgesundheitsorganisation WHO, unterzeichnet in New York am 22. Juli 1946)

Im Jahr 1987 wurde in der Ottawa-Charta der ersten internationalen Konferenz zur Gesundheitsförderung der WHO die wichtige Bedeutung der Arbeit für die Gesundheit und die gesundheitsfördernde Gestaltung von Arbeits- und Lebensbedingungen betont:

Ottawa Charta der Weltgesundheitsorganisation WHO

„Die sich verändernden Lebens-, Arbeits- und Freizeitbedingungen haben entscheidenden Einfluss auf die Gesundheit. Die Art und Weise, wie eine Gesellschaft die Arbeit, die Arbeitsbedingungen und die Freizeit organisiert, sollte eine Quelle der Gesundheit und nicht der Krankheit sein. Gesundheitsförderung schafft sichere, anregende, befriedigende und angenehme Arbeits- und Lebensbedingungen."

"Gesundheit [ist] als wesentlicher Bestandteil des alltäglichen Lebens zu verstehen und nicht als vorrangiges Lebensziel. Gesundheit steht für ein positives Konzept, das die Bedeutung sozialer und individueller Ressourcen für die Gesundheit ebenso betont wie die körperlichen Fähigkeiten." (Ottawa Charta der Weltgesundheitsorganisation WHO 1987)

Damit wurde ein modernes Verständnis des betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutzes eingeleitet, es geht nun nicht mehr allein um die Vermeidung krankmachender Faktoren am Arbeitsplatz, sondern auch um die gesundheitsförderliche Gestaltung der Arbeit.

Gesundheitsfördernde Ressourcen bei der Arbeit

Gesundheitsfördernde (salutogene) Arbeitsbedingungen schaffen Sinn und Übereinstimmung mit der Arbeit, soziale Unterstützung, die Möglichkeit zur individuellen Situationskontrolle und sorgen für gesundes Verhalten bei der Arbeit. Damit puffern sie die Wirkungen von Überlastungen ab.

Gesundheitsförderliche Faktoren bei der Arbeit werden auch als Ressourcen oder Kraftquellen bezeichnet. Es sind die Kriterien der menschengerechten persönlichkeitsförderlichen Arbeit. Hinzu kommen die individuellen Ressourcen einer Person.

Ressourcen bei der Arbeit
Handlungsspielraum, Ganzheitlichkeit, Abwechslung und Vielseitigkeit, soziale Rückendeckung durch Kollegen und Führungskräfte, Entwicklungsmöglichkeiten, Sinngebung, Partizipation

Ressourcen in der Person
Fitness, Gesundheitsverhalten, Qualifikation, Erfahrung, Selbstvertrauen, soziale Vernetzung

Vor diesem Hintergrund sind die Aktivitäten zur Gesundheitsförderung in Betrieben zu verstehen. Betriebliche Gesundheitsförderung hat sich daran zu orientieren, unter welchen Bedingungen Menschen nicht nur gesund bleiben, sondern auch ihre Persönlichkeit und sozialen Fähigkeiten sowie lebenspraktische Fertigkeiten entwickeln können. Solche eine persönlichkeitsförderliche Arbeit schafft Wohlbefinden. Auch die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen und den Arbeits- und Lebensalltag zu verändern (Partizipation), zählt die Ottawa-Charta ausdrücklich dazu.

Im Gesundheitsmanagement werden die Aktivitäten des Arbeitsschutzes zur Vermeidung von krankmachenden Faktoren bei der Arbeit mit der Gesundheitsförderung im Betrieb zusammengeführt und systematisch organisiert.

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