Wie Digitalisierung die Arbeit in Büros verändert

Interview mit der IG Metall

Digitalisierung kann als Potenzierung der Automatisierung verstanden werden, erklärt Professor Andreas Boes in einem Interview mit der IG Metall. Man könne Digitalisierung jedoch auch anders auffassen: als Möglichkeit für eine neue Art von Arbeit. »Informationen, Datenfluss, digitale Technik: Das alles kann genutzt werden zum Beispiel für intensive Kooperation und Kommunikation, für verstärkte Beteiligungsprozesse oder um den Beschäftigten eine größere Zeitsouveränität zu ermöglichen. So gesehen hat Digitalisierung ein emanzipatorisches Potential, das alternative Formen von Arbeit möglich macht und, nur um ein Beispiel zu nennen, in neuen Bürokonzepten umgesetzt werden kann.« In der gesellschaftlichen Diskussion aber werde zumeist nur die erste Variante, also Digitalisierung als verschärfte Automatisierung, diskutiert.

Boes ist überzeugt, dass es Zeit ist, »einen starken und nachhaltigen Gegenentwurf zu den Rationalisierungserzählungen der Unternehmen und ihrer Logik der Automatisierung zu entwickeln«. Ein Gegenentwurf könnte sein, das Büro quasi als Keimzelle der Zukunft zu etablieren. Boes will das Büro als Zentrum der Wertschöpfung der modernen Industrie verstanden wissen. »Was wir in Zukunft brauchen, das sind schlussendlich nicht Daten, die von Maschinen abgeschöpft und von Algorithmen zu Mustern und Korrelationen angeordnet werden. Wir brauchen vielmehr kreative Menschen, die aus Daten Informationen machen – und so neue Geschäftsmodelle entwickeln und Arbeitsprozesse perfektionieren. Kurz: Wir brauchen Beschäftigte, die neue, innovative Ideen haben. Big Data allein ist nicht die Lösung. Big Data allein sieht nur Daten und Muster. Damit ist noch nichts gewonnen.«

Professor Dr. Andreas Boes befasst sich seit mehr als dreißig Jahren mit der Informatisierung der Gesellschaft und der Zukunft der Arbeit. Er ist im Vorstand des ISF München (Institut für sozialwissenschaftliche Forschung) und Direktor des neu gegründeten Bayerischen Forschungsinstituts für Digitale Transformation sowie außerplanmäßiger Professor an der TU Darmstadt.

Das volllständige Interview ist auf der Seite der IG Metall zu lesen.

Quelle: IG Metall