Was das Arbeiten im Home Office mit uns macht

Die meisten sind zufrieden

Die Deutschen sind mit dem Arbeiten von zu Hause bisher nicht übermäßig vertraut: Für rund ein Drittel (35 Prozent) der Befragten das Arbeiten im Homeoffice eine völlig neue Situation und weitere 50 Prozent haben bisher nur wenig Erfahrung mit dieser Arbeitsform. Immerhin geben die meisten an, mit der Arbeitssituation wie auch mit den vorhandenen Ressourcen – ausreichend Platz, ein ungestörter Arbeitsplatz, eine gute Internetverbindung – zufrieden zu sein; das bestätigen zwei Drittel der Studienteilnehmer.
Durch die fortschreitende Corona-Epidemie hat sich auch die Erwerbssituation in Deutschland für viele Beschäftigte schlagartig geändert. Von jetzt auf gleich arbeiten Millionen Erwerbstätige plötzlich von zu Hause aus. Wie wirkt sich diese für die Betroffenen teils ungewohnte Arbeitssituation auf die Arbeitsleistung und die psychische Verfassung aus? Was können Führungskräfte und Arbeitgeber tun, um eine produktive und gesunde Arbeitsatmosphäre im Homeoffice zu fördern? Zu diesen Fragen haben die Konstanzer Organisationsforscher Prof. Dr. Florian Kunze und Sophia Zimmermann eine empirische Längsschnittstudie gestartet. Am 30. März 2020 führten sie dazu eine Onlinebefragung mit einer repräsentativen Stichprobe der deutschen Erwerbsbevölkerung durch. Rund 700 Beschäftigte, die zurzeit im Homeoffice arbeiten, beantworteten dazu einen detaillierten Fragebogen mit 83 Fragen. Um die Entwicklung ihrer Arbeitssituation besser einschätzen zu können, beantworten die Befragten in den kommenden zwei Wochen weiterhin täglich ausgewählte Fragen.

Die Ergebnisse der Eingangsbefragung sind nun ausgewertet. Anders als manche und mancher befürchtet haben mag, scheint die Leistung der Beschäftigten nicht zu leiden – zumindest in der Eigenwahrnehmung geben 45 Prozent an, dass sie im Homeoffice sehr produktiv arbeiten. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, traditionell ein wichtiges Argument für die Nutzung von Telearbeit, sehen gut drei Viertel der Befragten (77 Prozent) durch die Arbeit von zu Hause erleichtert. Allerdings fühlt sich ein Drittel der Befragten im Homeoffice sozial isoliert.
Ein hohes Engagement der Mitarbeitenden ist für jeden Arbeitgeber wünschenswert. Gleichzeitig gilt es, emotionale Erschöpfung zu verhindern. Arbeitgeber mit vielen Mitarbeitenden im Homeoffice stehen durch die neue Arbeitssituation womöglich vor besonders schwierigen Herausforderungen. „Deshalb interessiert uns besonders, welche Faktoren mit dem Engagement und der emotionalen Gesundheit der Angestellten im Homeoffice zusammenhängen“, sagt Kunze. „Unsere ersten Ergebnisse deuten darauf hin, dass für das Engagement der Beschäftigten das Verhalten der Vorgesetzten besonders wichtig ist“, fügt seine Mitarbeiterin Sophia Zimmermann hinzu. „Führungsverhalten sollte sowohl auf Struktur, individuelle Beachtung und ein gutes Selbstmanagement als auch auf gute Ausstattung und alle nötigen Ressourcen am Heimarbeitsplatz achten.“ Um zu verhindern, dass bei ihren Mitarbeitenden im Homeoffice emotionale Erschöpfungserscheinungen auftreten, sollten Führungskräfte sich vor allem individuell um sie kümmern. Konflikte zwischen Arbeits- und Familienleben gilt es dabei zu vermeiden. „Etwas überraschend kam für uns auch der Befund, dass möglichst nicht zu viel Kommunikation über Videokanäle stattfinden sollte“, sagt Kunze, und ergänzt: „Das sind jetzt allerdings erst einmal Ergebnisse, die nur auf einer Querschnittsanalyse basieren – es ist also eine Momentaufnahme.“ Im weiteren Studienverlauf sind weitere acht Messzeitpunkte vorgesehen.

Quelle: Universität Konstanz
Die wichtigsten Ergebnisse haben die Forschenden in einem Merkblatt/Fact Sheet zusammengefasst.