Rückkehr ins Büro gut vorbereiten

Ende der Homeoffice-Pflicht

War Homeoffice vor der Corona-Krise für viele Unternehmen und ihre Mitarbeitenden noch ein Fremdwort, ist der Schreibtisch zu Hause mittlerweile vertrauter als das Büro. Auch wenn die gesetzliche Homeoffice-Pflicht erst im April als Teil des Infektionsschutzgesetzes beschlossen wurde, arbeiten viele bereits seit über einem Jahr in den eigenen vier Wänden. Die Rückkehr ins Büro bedeutet somit eine erneute Umstellung, die bei vielen Menschen von gemischten Gefühlen begleitet wird. Die Tübinger Wissenschaftler PD Dr. Annika Scholl und Prof. Dr. Kai Sassenberg betrachten diesen Wechsel und die damit verbundene Angst oder Vorfreude aus psychologischer Sicht.

Während sich die einen auf mehr Möglichkeiten zum persönlichen Austausch und weniger Screentime freuen, befürchten andere den Verlust des selbständigen Arbeitens. „Eine große Sorge etwa ist, dass mit der Rückkehr ins Büro die Flexibilität und Selbstbestimmung aus dem Homeoffice wieder eingeschränkt werden könnten“, berichtet PD Dr. Annika Scholl und verweist auf aktuelle Umfragen, wonach viele gerne auch in Zukunft zumindest einige Zeit im Homeoffice arbeiten möchten.

Hinzu kommt, dass sich die Menschen und die Unternehmen im Laufe der Pandemie in Arbeitsweise und Arbeitsorganisation verändert haben. „Die Summe dieser Veränderungen allein legt nahe, dass die Rückkehr nicht selbstverständlich reibungslos verlaufen muss. Wenn dann die Erwartung hinzukommt, dass alles wieder so ist wie vor der Pandemie, können unangenehme Überraschungen und Enttäuschungen hinzukommen“, so Prof. Dr. Kai Sassenberg, der am IWM die Arbeitsgruppe Soziale Prozesse leitet.

Der Schritt vom Homeoffice zurück ins Büro lässt sich mit der Erfahrung von Mitarbeitenden, die nach einem Auslandsaufenthalt zurück in ihre „alte“ Kultur kommen, vergleichen. Viele erleben dabei den sogenannten umgekehrten Kulturschock. „Sie erwarten, dass sie in der alten Arbeitsumgebung nahtlos wieder anschließen können. Zwischenzeitlich haben sich aber die Mitarbeitenden und die Organisation verändert. Deshalb werden diese Erwartungen oft enttäuscht. So ähnlich kann es auch nach der Rückkehr aus dem Homeoffice sein“, sagt Prof. Dr. Kai Sassenberg.

Gemeinsam haben er und PD Dr. Annika Scholl zu diesem Thema einen Artikel im Onlinemagazin wissensdialoge.de, deren Leitende Herausgeberin und Mitgründerin Scholl ist, veröffentlicht. Das Wichtigste aus der Sicht der beiden Forschenden ist eine gute Vorbereitung der Übergangsphase. „Workshops oder Events können den Start für die Arbeit im Büro bedeutungsvoll gestalten. Auch explizite und revidierbare Absprachen helfen, Konflikte und Enttäuschungen zu vermeiden, wenn es um neue Normen in der Zusammenarbeit wie den Wegfall des Händeschüttelns geht“, empfiehlt PD Dr. Annika Scholl. Nichtsdestotrotz wird das Ende der Homeoffice-Pflicht nicht mit der Rückkehr zur alten Normalität einher gehen. Um diese Situation gut zu meistern, brauchen Menschen vor allem eins: Zeit, um wieder zusammenzufinden.

Quelle: Pressemitteilung des Leibniz-Instituts für Wissensmedien (IWM)
Weitere Informationen: Zurück ins Büro