Neues zum Homeoffice

Was Arbeitgeber tun müssen

Oft vermischt sich das: Mal wird von mobilem Arbeiten gesprochen, mal von Homeoffice. Doch besonders Arbeitgeber reden fast ausschließlich von mobilem Arbeiten. Was steckt dahinter? Das erklärt Andreas Stephan von der gesetzlichen Unfallversicherung: "Bei einem Telearbeitsplatz handelt es sich um einen fest eingerichteten Bildschirmarbeitsplatz im häuslichen Umfeld. Der Arbeitgeber ist für die Einrichtung dieses Arbeitsplatzes verantwortlich. Grundlage dafür sind die Regelungen der Arbeitsstättenverordnung. Idealerweise sollte ein Telearbeitsplatz vergleichbar eingerichtet sein wie ein Bildschirmarbeitsplatz im Unternehmen. Für die mobile Arbeit gilt die Arbeitsstättenverordnung nicht. Aber natürlich müssen die Regelungen des Arbeitszeitgesetzes und des Arbeitsschutzgesetzes beachtet werden. Das heißt zum Beispiel, auch für mobile Arbeitsplätze muss eine Gefährdungsbeurteilung gemacht werden."
Das komplette Interview mit der Überschrift "Auch für mobile Arbeitsplätze muss eine Gefährdungsbeurteilung gemacht werden" ist bei der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) zu lesen.

Gesunde Arbeitsbedingungen im Homeoffice
Was zum guten Homeoffice gehört, erläutert Prof. Dr. Dirk Windemuth, Arbeitspsychologe und Experte für Gesundheitsschutz, bei INQA (Initiatve Neue Qualität der Arbeit). "Die wenigsten Menschen, die nun ins Homeoffice gehen, werden ein eigenes Arbeitszimmer haben oder gar einen passenden Bürostuhl. Es ist deshalb wichtig, sich von Anfang an feste Regeln zu geben: Arbeits- und Pausenzeiten, ein regelmäßiges virtuelles Treffen mit Kolleg*innen oder mit den Vorgesetzten. Außerdem sollten sich Beschäftigte einen Arbeitsplatz schaffen, an dem sie sich wohlfühlen, ungestört sind und an dem nach Möglichkeit nur gearbeitet wird. Das führt zu sogenannten Konditionierungen. Das heißt: Jemand lernt ganz automatisch, dass er an diesem Platz nur arbeitet. Entsprechend sollten sich dort auch keine Gegenstände befinden, die zur Ablenkung verleiten können. Diese Regeln sollte man auch der Familie und den Mitbewohner*innen mitteilen, damit sie sich daran halten können – sonst gibt es untereinander schnell Stress. Je klarer die Regeln sind, desto schneller und selbstverständlicher werden sie eingehalten."
Das komplette Interview mit dem Titel „Schaffen Sie sich einen Arbeitsplatz zum Wohlfühlen“ hat INQA veröffentlicht.

Weitere Informationen mit Tipps für Homeoffice für Beschäftigte, Leitfäden für Betriebs- und Personalräte sowie Personalverantwortliche und Geschäftsleitungen, Praxishilfe zur Arbeitszeitgestaltung hat das INQA zusammengestellt.

Verbreitung und Auswirkungen von mobiler Arbeit und Homeoffice
Dazu hat das Bundesarbeitsministerium im Oktober 2020 eine Kurzexpertise vorgelegt.

Sommer 2020: 14,6 Mio. Arbeitnehmer*innen im Homeoffice

14,6 Mio. Arbeitnehmer*innen im Homeoffice – so viele Menschen arbeiteten im Juli und August 2020 laut dem Bundesarbeitsministerium von zu Hause aus. Das entspricht mehr als einem Drittel (36 Prozent) der abhängig Beschäftigten hierzulande. Laut dem Branchenverband der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche BITKOM war im März 2020 sogar jede*r zweite Arbeitnehmer*in ganz oder teilweise im Homeoffice beschäftigt

Nach sechs Monaten: Wie lief es im Homeoffice?
Konstanzer Organisationsforscher*innen führen eine Langzeitstudie mit Beschäftigten durch, die infolge der COVID-19-Pandemie ins Homeoffice geschickt wurden. Sie fragten nach deren Produktivität, nach ihrer psychischen und organisatorischen Belastung und nach den Möglichkeiten der Betriebe, die neue Situation bestmöglich zu steuern.

Die Organisationsforscher Prof. Dr. Florian Kunze und Sophia Zimmermann (Exzellenzcluster „The Politics of Inequality“, Universität Konstanz) starteten eine empirische Längsschnittstudie und fragten nach der Produktivität der Homeoffice-Beschäftigten, nach ihrer psychischen und organisatorischen Belastung und nach den Möglichkeiten der Betriebe, die neue Situation bestmöglich zu steuern.
Über den Sommer und Frühherbst des Jahres sind viele Beschäftigte in Präsenzarbeit zurückgekehrt; für andere ist das Homeoffice zur neuen Normalsituation geworden. Kunze und Zimmermann führten ihre Erhebung unter den rund 700 bereits im Frühjahr Befragten fort, um die Auswirkungen der Arbeit im Homeoffice von März bis Oktober 2020 nachverfolgen zu können.
Die Ergebnisse: Beschäftigte, die im Sommer oder Herbst aus dem Homeoffice in volle Präsenzarbeit zurückgekehrt sind, beklagen höhere emotionale Erschöpfung und sinkende Produktivität. Die überwältigende Mehrheit der Beschäftigten wünscht sich einige Tage Homeoffice in der Woche; im Frühjahr tendierten die meisten zu drei Tagen wöchentlich, inzwischen liegt die größte Präferenz bei zwei Tagen. Arbeitgeber könnten mehr tun, um ihre Beschäftigten im Homeoffice zu unterstützen, sowohl was Mitspracherechte, aber auch was Ausstattung und Schulungen angeht. Homeoffice-Optionen sind für Bewerber auf dem Arbeitsmarkt attraktiv, nicht zuletzt deshalb, weil ungeliebte Pendelwege entfallen. An der Präsenzarbeit schätzen Beschäftigte dagegen besonders den persönlichen Austausch mit Mitarbeitenden und halten ihn für zentral für kreatives Arbeiten.

Ein Fact Sheet der Universität Konstanz fasst die wichtigsten Ergebnisse der Befragung grafisch aufbereitet zusammen.
Informationen und Empfehlungen zum Umgang mit dem Arbeiten im Homeoffice in Zeiten der COVID-19-Pandemie liefert ein Policy Paper der Autor*innen.

Was ist besser? Die Arbeit im Büro oder im Homeoffice?
Welche Erkenntnisse für unser zukünftiges Arbeiten haben sich aus der Sondersituation des Lockdowns ergeben? Die webbasierte Befragung »Homeoffice Experience« des Fraunhofer IAO zeigt die Ergebnisse der Arbeitssituation im Homeoffice auf. Dem Homeoffice wird etwa für die konzentrierte Einzelarbeit eine deutlich bessere Eignung zugesprochen als dem Büro. Im Büro müssen folglich mehr Möglichkeiten zur Konzentration angeboten werden, ist eine Erkenntnis.

Schon vor der Corona-Pandemie war das Arbeiten von zu Hause aus in der Organisationskultur einiger Unternehmen fest verankert. Für andere Unternehmen stellte es jedoch ein Novum dar. Ob in der digitalen Transformation schon vorangeschritten oder nicht – für alle Unternehmen stellte der Lockdown und der damit verbundene flächendeckende Einsatz des Homeoffice eine große Herausforderung dar. Aus dieser Ausnahmesituation haben die Wissenschaftler*innen des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO in der neuen Studie »Homeoffice Experience – Eine empirische Untersuchung aus Nutzersicht während der Corona-Pandemie« Schlüsse für die Gestaltung der zukünftigen Arbeitswelt ziehen können.

Durch das Homeoffice bieten sich nicht nur den Unternehmen, sondern auch den Mitarbeiter*innen neue Möglichkeiten der räumlichen und zeitlichen Flexibilität. Vor allem die räumliche Unabhängigkeit fördert dabei die Kreativität und Produktivität. Schaut man sich diese Erfolgsfaktoren jedoch im Zeitverlauf an, zeigt sich Folgendes: In den ersten vier Wochen im Homeoffice scheint es einen Mangel an ausreichenden Informationen und eine geringere Arbeitsleistung gegeben zu haben. Im weiteren Verlauf der Pandemie steigen beide Faktoren zunächst an und nehmen dann wieder konstant ab. Die langfristige Aufrechterhaltung der beiden Erfolgsfaktoren im Homeoffice weist also noch Verbesserungspotenzial auf.

Die Arbeitnehmer*innen können nach eigener Einschätzung im Homeoffice und im Büro ähnlich produktiv arbeiten. Trotzdem ist nicht jeder Arbeitsort für jede Tätigkeit gleich gut geeignet. »Vor allem die konzentrierte Einzelarbeit kann im Homeoffice deutlich besser durchgeführt werden, was auf einen Mangel an Möglichkeiten zur Konzentration im Büro hinweist. Hier gibt es also einen konkreten Handlungsbedarf«, sagt Milena Bockstahler, Wissenschaftlerin am Fraunhofer IAO.

Die Rolle des Büros – die bereits vor der Pandemie in einem Wandel war - hat sich durch den flächendeckenden Einsatz des Homeoffice noch stärker verändert. Bereits existierende Anforderungen an das Büro werden somit noch einmal durch vollkommen neu entstandene Bedürfnisse ergänzt. Gleichzeitig wurden auch neue Bedürfnisse im Zuge der schlagartigen Veränderung der Arbeitswelt identifiziert, die die Anforderung an das Büro noch vielschichtiger werden lässt. Nur wenn diese Anforderungen erfüllt werden, dann stellt das Büro eine geeignete Alternative zum Homeoffice dar. Es müssen also sowohl in den eigenen vier Wänden als auch im Büro die besten Voraussetzungen für unterschiedliche Tätigkeiten geschaffen und die jeweiligen Vorteile der Arbeitsmodelle stärker herausgearbeitet werden.

Für eine gute Konzentration sind jedoch noch weitere Faktoren im Homeoffice relevant. So zeigt sich vor allem ein Unterschied in der Arbeitsleistung zwischen Personen, die Familienangehörige betreuen und denen, die keine Betreuungsaufgabe haben. Die Personen mit zusätzlicher Belastung sind dabei nicht nur weniger produktiv, sondern arbeiten auch deutlich häufiger außerhalb der geregelten Arbeitszeit.

Quelle: Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO