Mitdenken 4.0

Neue Präventionsansätze für die Büro- und Wissensarbeit

Die Initiative »Mitdenken 4.0 – Neue Präventionsansätze für Arbeitsprozesse in der Büro- und Wissensarbeit« hat zum Ziel, auf Basis aktueller Forschungsergebnisse Handlungshilfen für die betriebliche Praxis bereitzustellen.

Schwerpunktthemen sind agiles Arbeiten, gesund Arbeiten im Homeoffice und Indirekte Steuerung - Führen durch Ziele.

Agiles Arbeiten, heißt es auf dem Certo-Portal, biete die Chance, diese Herausforderungen zu meistern, indem Prozesse, Produkte und Leistungen in kurzen Zyklen iterativ und inkrementell entwickelt werden. Dadurch werden sukzessive Vorstufen des eigentlichen Endprodukts erreicht. Es ist möglich, zeitnah auf sich verändernde Bedingungen (z.B. Kundenwünsche) zu reagieren, indem Prozesse und Entwicklungsschritte angepasst werden. Auch in Branchen und Mitgliedsunternehmen der VBG wird agil gearbeitet oder geplant, agiles Arbeiten einzuführen. Neben IT-Unternehmen sind dies häufig Banken und Versicherungen. Zudem gewinnt agiles Arbeiten auch in der Produktion, Unternehmensberatungen, Personal- und Marketingabteilungen sowie Schulen und im Ehrenamt an Bedeutung.
Zu diesem Schwerpunktthema gibt es ein Factsheet »Agiles Arbeiten - gemeinsam gesund gestalten«.

Zum Homeoffice: Die Erfahrungen während der Corona-Pandemie zeigen, dass Homeoffice für weitaus mehr Beschäftigten­grup­pen möglich ist. Damit dürfte sich das Ausmaß der Arbeit von zu Hause dauer­haft auf einem höheren Niveau bewegen. Umso wichtiger ist es, die Arbeit im Homeoffice gesundheits­gerecht zu gestalten. Wie das gelingt, haben Unter­nehmen und Beschäftigte selbst in der Hand. Anders als bei auf Dauer eingerichte­ten Tele­arbeits­plätzen hat die Arbeit im Homeoffice viel­fältige Ausprä­gungen. Daraus ergeben sich viele praktische und rechtliche Fragen, mit denen sich Unternehmen bei der Ein­führung oder der Ausweitung von Ar­beit im Homeoffice befassen sollten. Erste Hinweise und Gestaltungs­emp­fehlungen finden sich im Factsheet Homeoffice.

Indirekte Steuerung - Führen durch Ziele: Seit gut zwei Jahrzehnten wandelt sich Führung in Unternehmen. Ursachen sind vor allem die Globalisierung und Digitalisierung der Arbeitswelt, die diese Veränderungen in den vergangenen Jahren stark beschleunigt haben. Das Resultat sind flexible, jedoch teilweise sehr komplexe Arbeitsabläufe sowie ein Wandel von der direkten zur indirekten Steuerung. Diese konzentriert sich vor allem auf das Erreichen von gesetzten Zielen und Kennzahlen. Hierfür übertragen Führungskräfte stärker als bisher Verantwortung auf ihre Beschäftigten. Kernmerkmale indirekter Steuerung sind: Vorgesetzte führen über Ziele; Vorgesetzte übertragen die Verantwortung für die Zielerreichung auf Beschäftigte aller Hierarchieebenen. Zugleich räumen sie den Beschäftigten Freiheiten ein, auf welchem Weg sie ihre Ziele erreichen (z.B. Einteilung von Arbeitspaketen). Ziele sind Indikatoren für unternehmerischen Erfolg; Beschäftigte erhalten systematische Rückmeldungen zum Zielerreichungsgrad. Vorgesetzte betreiben Benchmarking anhand von Kennzahlen.

Die VBG hat zu diesem Thema ein Team der Fachhochschule Nordwestschweiz mit einer Studie beauftragt. Die Leitung hatte Prof. Dr. Andreas Krause, Professor und Dozent für Angewandte Psychologie, Studiengangsleiter CAS Betriebliches Gesundheitsmanagement. Dr. Susanne Roscher, Projektleiterin von „Mitdenken 4.0“ und leitende Arbeitspsychologin der VBG, fasst das Ergebnis zusammen: „Gute indirekte Steuerung mit Führung über Ziele bietet viele Chancen und erhöht die Zufriedenheit der Beschäftigten durch eine hohe Autonomie in der eigenen Arbeit. In unserer Beratung erleben wir immer wieder, dass Führung über Ziele auch unerwünschte Nebenwirkungen haben kann. Wenn diese zu starr gesetzt werden und Kennzahlensysteme zu wenige Handlungsspielräume bieten, sinken Produktivität, Arbeitsqualität und Motivation.“ Dazu gibt es einen Auszug der empirischen Ergebnisse.