Damit das Homeoffice nicht zur Falle wird

Im Wechsel zwischen Arbeitsstätte und zu Hause

Nach aktuellen Studien würden 40 Prozent der Erwerbstätigen gerne zumindest zeitweise von zu Hause aus arbeiten, tatsächlich waren es vor der Corona-Pandemie nur etwa 12 Prozent.

Alternierende Formen von Telearbeit haben im Gegensatz zu Dauer-Homeoffice erhebliche Vorteile: Konzentrationsintensive und kommunikationsintensive Aufgaben lassen sich besser trennen, Fahrzeiten werden reduziert.

Manchmal bietet das Homeoffice auch eine Möglichkeit, hohen Geräuschpegeln in Großraumbüros zumindest zeitweise zu entkommen. Die daneben bestehende regelmäßige Anwesenheit im Büro gewährt, dass der Kontakt zu Vorgesetzten und Kolleg*innen erhalten bleibt.

Bessere Arbeitsergebnisse und mehr Zufriedenheit könnten Arbeitgeber*innen dazu motivieren, ihren Beschäftigten mehr Optionen bei der Nutzung von Telearbeit zu geben.

Damit die Arbeit im Homeoffice gesund und produktiv von statten gehen kann, ist neben einer optimalen technischen Ausstattung vor allem auch Gestaltungskompetenz von Arbeitgebern und Beschäftigten gefragt: „Unsere Studien zeigen, dass Regelungen zur Erreichbarkeit einen wichtigen Erfolgsfaktor darstellen, damit Mitarbeitende nicht das Gefühl haben, rund um die Uhr erreichbar sein zu müssen“, betont die IAQ-Forscherin Angelika Kümmerling.

Dazu gehören transparente Regeln für den Umgang mit E-Mails, die Festlegung einer Zeitspanne, innerhalb der reagiert werden muss, die Dokumentation von Arbeitszeiten und Lösungen zum Freizeitausgleich. Auch Blockzeiten für störungsfreies Arbeiten durch „angekündigte Nichterreichbarkeit“ sind sinnvoll.

Betrieblich organisierte Schulungsmaßnahmen und abteilungsübergreifende Arbeitsgruppen stellen hilfreiche Präventionsinstrumente dar, damit Beschäftigte, aber auch Arbeitgeber auf die neue Form flexiblen Arbeitens optimal vorbereitet werden: Ansonsten können schnell Stress und familiäre Konflikte drohen, weil etwa das Homeoffice als Lösung für Kinderbetreuungsprobleme angesehen wird.

Durch die verschwindenden Grenzen von Arbeiten und Leben besteht auch ein erhöhtes Risiko von Mehrarbeit: Menschen im Homeoffice arbeiten im Schnitt bis zu vier Stunden in der Woche mehr als solche, die im Büro sitzen. Oft wird im Homeoffice auch die Arbeit schnell intensiver, die Pause kürzer oder bleibt ganz weg, was zu vorzeitigen Ermüdungszuständen und Schlafproblemen führen kann.

„Dabei ist vor allem das bewusste Einplanen vom Arbeitsenden und regelmäßigen Kurzpausen wichtig, um sich zu erholen“, rät Gerlmaier. Alle 90 Minuten sollte etwa eine fünf bis zehnminütige Pause eingelegt werden, in der man bewusst das Büro zu Hause verlässt und einfach etwas Anderes tut. Homeoffice kann insbesondere bei alleinlebenden Personen Gefühle von Einsamkeit verursachen. Es besteht die Gefahr, dass man seine – wegen Corona ohnehin eingeschränkten Kontakte – vernachlässigt.

Umso wichtiger ist es jetzt, die Verbindung nicht zu verlieren. „Man sollte seinen Kolleg*innen bewusst nicht nur Mails schreiben, sondern sie anrufen und mit ihnen ohne schlechtes Gewissen auch über Privates reden. Das würde man im Büro bei einem Kaffee sonst auch tun“, rät Gerlmaier. Auch über die digitalen Medien lässt sich der Kontakt halten, zum Beispiel über virtuelle Kaffeepausen, zu festen Terminen.

Vor der Corona-Pandemie haben sich viele Arbeitgeber mit Formen von Teleheimarbeit schwergetan, weil hierdurch Informations-und Kommunikationsflüsse in Teams schwieriger werden: Vom Team kollektiv festgelegte Teamzeiten, etwa für Teambesprechungen oder Kundenkontakte vor Ort, haben sich als erfolgreiches Instrument erwiesen, den persönlichen Kontakt zum Team und Vorgesetzten zu halten und das Auftreten von Informationslücken bei einzelnen Teammitgliedern zu verhindern.

Die Corona-Pandemie hat das Arbeitsleben der Menschen in Deutschland grundlegend verändert. Viele Eltern mussten ihre Arbeitszeiten wegen der Betreuung der Kinder reduzieren, Mütter sind davon stärker betroffen und daher mit ihrer Arbeitssituation unzufriedener als Väter. Die Krise verstärkt zudem soziale Ungleichheiten, denn Selbstständige und Geringverdiener*innen trifft die Pandemie besonders hart. Das zeigen die ersten Auswertungen der Ende März gestarteten Online-Umfrage corona-alltag.de der Sozialwissenschaftler*innen Mareike Bünning, Lena Hipp und Stefan Munnes vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB).

Quelle: IAQ, WZB