Corona-Angst nimmt wieder zu

Beschäftigte fürchten sich vor Ansteckung

Besonders verbreitet ist die Sorge vor einer Ansteckung unter Beschäftigten, die in ihrem Beruf regelmäßig engen Kontakt zu anderen Menschen haben und deshalb besonders exponiert sind. So gaben seit Beginn der Befragung insgesamt 55 Prozent der Befragten im Bereich Erziehung, Sozialarbeit und Heilerziehungspflege an, sich Sorgen vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu machen. Es folgen Beschäftigte in der Altenpflege, der Gesundheits- und Krankenpflege, Ärztinnen und Ärzte sowie Verkäuferinnen und Verkäufer. In diesen Gruppen sorgen sorgen sich jeweils mehr als 40 Prozent. Die Fertigungsberufe bieten ein uneinheitliches Bild: Während sich in der Lebensmittelherstellung jeder dritte Befragte Sorgen macht, sind es in den Maschinen- und Fahrzeugtechnikberufen sowie den Metallbauberufen mit jeweils 24 Prozent deutlich weniger.

Seltener Sorgen um ihre Gesundheit machen sich auch Befragte mit klassischen Bürotätigkeiten. Eine entscheidende Erklärung hierfür ist die Nutzung des Homeoffice, die seit Ausbruch der Pandemie stark gestiegen ist. Persönlicher Kontakt zu Kunden und Kollegen sowie das Risiko auf dem Weg zur Arbeit entfallen hier komplett. Unter den Befragten, die teilweise oder vollständig im Homeoffice arbeiten, machen sich deshalb nur 17 Prozent berufsbedingt Sorgen um die eigene Gesundheit. Entsprechend hoch ist in dieser Gruppe auch die Zufriedenheit mit dem Arbeitgeber: 82 Prozent bescheinigen ihrem Arbeitgeber uneingeschränkt, bereits ausreichende Schutzmaßnahmen umgesetzt zu haben. 

Die Verbreitung des Homeoffice oder die Ausstattung mit Schutzausrüstung in besonders gefährdeten Berufen tragen dazu bei, dass insgesamt gut die Hälfte aller Befragten die Maßnahmen ihres Arbeitgebers für ausreichend halten; ein weiteres Drittel sieht dies mit Einschränkungen so. Trotz der langen Vorlaufzeit beklagt aber auch aktuell noch jeder achte Beschäftigte unzureichende Maßnahmen des Arbeitgebers. Auffällige Häufungen gibt es bei den Bauberufen, da auf Baustellen nach Angaben der Befragten nach wie vor oft eng beieinander und ohne Mund-Nasen-Schutz gearbeitet wird. Besonders unzufrieden sind auch Erzieherinnen und Erzieher, die beispielsweise davon berichten, dass in ihrer Einrichtung behördliche Vorgaben aus Personalmangel oder Raumnot nicht eingehalten werden.

„Wenn Arbeitgeber die berechtigten Sorgen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einfach ignorieren, kann dies das Vertrauensverhältnis im Betrieb dauerhaft zerstören“, sagt Elke Ahlers, Expertin für Arbeit und Gesundheit am WSI. „Gefragt sind klare und offene Kommunikation sowie eine enge Einbindung der Beschäftigten in die Entwicklung und Umsetzung von effektiven Hygienekonzepten.“ Erster Ansprechpartner hierfür sollte der Betriebsrat sein, der im Bereich des Arbeits- und Gesundheitsschutzes gesetzlich verbriefte Mitbestimmungsrechte hat. Die endgültige Verantwortung für die Einhaltung des Gesundheitsschutzes im Betrieb liegt in Deutschland nach dem Arbeitsschutzgesetz aber beim Arbeitgeber und könne von diesem auch nicht auf die Beschäftigten abgewälzt werden.

Quelle: Hans-Böckler-Stiftung