Softwareergonomie und die Verordnung als gesetzliche Grund­lage

Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV) vs. Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV)

Mit dem europäischen Binnenmarkt wurden in der Europäischen Bildschirmrichtlinie 90/270/EWG Mindestanforderungen für den Arbeits- und Gesundheitsschutz für Arbeitnehmer an Bildschirmarbeitsplätzen definiert. Die Richtlinie wurde 1996 als Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV) in deutsches Recht umgesetzt. Im Anhang dieser Richtlinie werden im Teil "Zusammenwirken von Mensch und Arbeitsmittel" Anforderungen an die ergonomische Qualität der eingesetzten Software gestellt.

Die BildscharbV soll durch eine neue Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) ersetzt werden. Dort werden im Abschnitt "Anforderungen an die Benutzerfreundlichkeit von Bildschirmarbeitsplätzen" die Anforderungen aufgeführt, die auch in der BildscharbV zu finden sind. In Bezug auf die Anforderungen ändert sich also nur wenig, da auch die europäische Richtlinie als Vorlage zur nationalen Umsetzung nicht geändert wurde. Die neue Verordnung wurde seit Dezember 2016 als Arbeitsstättenverordnung Anhang 6 wirksam.

Die Unterschiede werden im folgenden deutlich gemacht (die Nummerierung entspricht nicht der in der Verordnung verwendeten).

1) BildscharbV: Die Grundsätze der Ergonomie sind insbesondere auf die Verarbeitung von Informationen durch den Menschen anzuwenden.

ArbStättV: Dieser Abschnitt entfällt

2) BildscharbV: Bei der Entwicklung, Auswahl, Erwerb und Änderung von Software sowie bei der Gestaltung der Tätigkeit an Bildschirmgeräten, hat der Arbeitgeber den folgenden Grundsätzen insbesondere im Hinblick auf die Benutzerfreundlichkeit Rechnung zu tragen:

ArbStättV: Dieser einleitende Satz entfällt ebenfalls.

3) BildscharbV: Die Software muss an die auszuführenden Aufgaben angepasst sein.

ArbStättV: Beim Betreiben der Bildschirmarbeitsplätze hat der Arbeitgeber dafür zu sorgen, dass der Arbeitsplatz den Arbeitsaufgaben angemessen gestaltet ist. Er hat insbesondere geeignete Softwaresysteme bereitzustellen.

Hier hat sich wenig geändert. Diese Anforderung entspricht dem Grundsatz Aufgabenangemessenheit der Norm ISO 9241-110.

4) BildscharbV: Die Systeme müssen den Benutzern Angaben über die jeweiligen Dialogabläufe unmittelbar oder auf Verlangen machen.

ArbStättV: Das Softwaresystem muss den Beschäftigten Angaben über die jeweiligen Dialogabläufe machen.

Diese Anforderung bezieht sich auf den Grundsatz Selbstbeschreibungsfähigkeit der Norm ISO 9241-110.

Dieser Passus hat sich praktisch nicht geändert bis auf die Passage "unmittelbar oder auf Verlangen", die herausgenommen wurde. Ohne die Passage ist es nun dem Hersteller oder Entwickler überlassen, wann und wie er dem Benutzer Hilfestellung anbietet.

5) BildscharbV: Die Systeme müssen den Benutzern die Beeinflussung der jeweiligen Dialogabläufe ermöglichen sowie eventuelle Fehler bei der Handhabung beschreiben und deren Beseitigung mit minimalen Arbeitsaufwand erlauben.

ArbStättV: Die Bildschirmgeräte und die Software müssen es den Beschäftigten ermöglichen, die Dialogabläufe zu beeinflussen. Sie müssen eventuelle Fehler bei der Handhabung beschreiben und eine Fehlerbeseitigung mit begrenztem Arbeitsaufwand erlauben.

Diese Anforderung bezieht sich auf die Grundsätze Steuerbarkeit und Fehlertoleranz der Norm ISO 9241-110.

5) BildscharbV: Die Software muss entsprechend den Kenntnissen und Erfahrungen der Benutzer im Hinblick auf die auszuführende Aufgabe angepasst werden können.

ArbStättV: Die Bildschirmgeräte und die Software müssen entsprechend den Kenntnissen und Erfahrungen der Beschäftigten im Hinblick auf die jeweilige Arbeitsaufgabe angepasst werden können.

Neu ist, dass hier nun die Bildschirmgeräte mit eingeschlossen sind. Diese Anforderung bezieht sich auf den Grundsatz Individualisierbarkeit der Norm ISO 9241-110.

5) BildscharbV: Ohne Wissen der Benutzer darf keine Vorrichtung zur qualitativen oder quantitativen Kontrolle verwendet werden.

ArbStättV: Eine Kontrolle der Arbeit hinsichtlich der qualitativen oder quantitativen Ergebnisse darf ohne Wissen der Beschäftigten nicht durchgeführt werden.

Hier hat sich ebenfalls nichts geändert. In Bezug auf die Norm DIN EN ISO 9241-110 fehlen die Grundsätze Erwartungskonformität und Lernförderlichkeit. Zu diesen Grundsätzen lässt sich in der Verordnung keinen Bezug herstellen.

Inhalt dieses Artikels

  1. Definition von Softwareergonomie
  2. Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV) vs. Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV)