Gebrauchs­tauglich­keit (Usability)

Gestaltungsfelder und -ziele

Zentrale Gestaltungsfelder von Software sind zum einen der Dialog, d.h. die Interaktion des Benutzers mit dem Programm zur Erledigung der Aufgabe mit seinen Menüs und Befehlen und zum anderen die Darstellung der Information, z.B. der Anordnung der Informationen, Farben und Zeichengröße.

Informationen:
Die Gestaltung von Informationen auf dem Bildschirm ist eine der wesentlichen Bereiche der Softwareergonomie, um die Usability einer Anwendung zu erhöhen. Dazu gehören Farben, Schrift und grafische Elemente wie Schaltflächen, Icons, etc. Dieser Bereich bezieht sich auf die speziellen Mechanismen der menschlichen Wahrnehmung.

Menüs:
Ein weiterer Gestaltungsbereich sind Menüs. Dieser Bereich setzt besonderes Wissen über die Erwartungen und Denkweisen der Benutzer voraus.

Dialoge:
Ein dritter Gestaltungsbereich ist der Dialog mit dem System. Dies betrifft z.B. Tastenkombinationen, Tabwege, Schaltflächenanordnungen. Hier ist die Ökonomie der Bedienung wichtig.

Gebrauchstauglichkeit beschreibt eine in bestimmter Weise festgestellte Einschätzung der Nutzungsqualität von Software. Dazu werden u.a. Experten herangezogen, Fragebögen genutzt oder sogenannte Usability-Tests durchgeführt. In solchen Tests werden typische Benutzer mit repräsentativen Aufgaben bei der Nutzung von Software methodisch beobachtet.  Es ist davon auszugehen, dass ein solcher Test bereits mit 5-7 Probanden etwa 80% der in einem Produkt enthaltenen Usability-Probleme identifizieren kann.

Um Gebrauchstauglichkeit zu erlangen, ist die Analyse des Nutzungskontext von essentieller Bedeutung.

Nutzungskontext

Der Nutzungskontext ist ein Kernbegriff bei der Definition der Gebrauchstauglichkeit. Er umfasst u.a. die (Eigenschaften der) Benutzer, deren Ziele und Aufgaben, das Softwaresystem am Arbeitsplatz, sowie die physische und soziale Umgebung und die verfügbaren Resourcen.

Die folgenden Beispiele sollen zeigen, wie wichtig die Kenntnis des Nutzungskontextes für die Gestaltung der Benutzungsschnittstelle ist.

Beispiel 1 - Kenntnis der Arbeitsaufgabe
Herr Müller ist Sachbearbeiter in der Verwaltung eines großen Versicherungsunternehmens. Zu seinen Aufgaben gehört es, Daten von Formularen der Außendienstmitarbeiter in das Computersystem einzugeben. Ferner erhält Herr Müller Telefonanrufe von den Außendienstmitarbeitern, die bestimmte Informationen aus der Kundendatenbank benötigen.

Wenn Herr Müller eine Anfrage per Telefon bekommt, muss er das Datenerfassungsprogramm verlassen und die Kundendaten aufrufen. Die eingegebenen Daten können erst gespeichert werden, wenn die Eingabemaske komplett ausgefüllt wurde. Zusätzlich kann die Kundendatenbank nicht gestartet werden, wenn das Datenerfassungsprogramm nicht geschlossen ist. Ein Schließen des Datenerfassungsprogramms führt aber dazu, dass nicht komplett ausgefüllte Eingabemasken gelöscht werden. Das setzt Herrn Müller richtig unter Stress: Am Telefon wartet der ungeduldige Außendienstmitarbeiter und mehr als zwei Drittel des Formulars sind bereits in die Eingabemaske eingetragen. Schließt er jetzt das Datenerfassungsprogramm, ist die Arbeit von einer halben Stunde verloren.

Der Nutzungskontext erfordert es, dass der Benutzer das Datenerfassungsprogramm aufgrund der Kommunikation mit anderen Mitarbeitern jederzeit unterbrechen kann. Dabei dürfen keine Daten verloren gehen. Diese Anforderung wird von der beschrieben Software nicht erfüllt.

Beispiel 2 – Kenntnis der Arbeitsumgebung
Herr Huber arbeitet in einen Betonwerk. Jedes Bauteil wird in einer Datenbank erfasst. Die Umgebung ist sehr staubig. Der aufgestellte Computer bietet eine Standardtastatur und eine Maus an. Das Positionieren mit der Maus ist kaum möglich, da der grobe Staub auf dem Tisch ständig die Funktion der Maus stört. Das führt dazu, dass die Eingabefelder von Herrn Huber nur sehr schwer für die Eingabe der Bauteilnummern markiert werden können.

Die physikalische Umgebung in der Herr Huber arbeitet erfordert Zeigegeräte, die nicht von einer staubfreien Tischoberfläche abhängen. Beispielsweise wäre das Positionieren mit den Pfeiltasten der Tastatur oder mit einem berührungsempfindlichen Bildschirm für diese Arbeitsumgebung angemessener.

Beispiel 3
Herr Schulz möchte in einer Jobbörse Jobs aus einer Liste mit hundert und mehr Jobs suchen. Die Liste bietet ihm Sortiermöglichkeiten pro Spalte an. Voreingestellt ist eine Sortierung nach Relevanz bzw. fachlichen Kriterien. So bekommt er per Voreinstellung zwar eine fachlich passende Liste, sie zeigt jedoch auch ältere nicht aktuelle Jobs an. Als Alternative bietet ihm das System eine aktuell sortierte Liste an, jedoch kommen dort auch nicht fachlich passende Jobs vor. Dadurch wird das Suchen in der Liste erheblich aufwendiger, weil Jobangebote immer entweder nach Aktualität oder nach fachlicher Relevanz geprüft werden müssen, egal, welche Sortierung eingestellt ist.

Aus dem Bedarf von Herrn Schulz ist daher abzuleiten, dass eine Jobliste sowohl nach Aktualität als auch nach fachlicher Relevanz sortierbar sein sollte.

Dabei handelt es sich bei den vorgenannten Fällen nicht um besonders extreme Beispiele. Die Beispiele basieren auf Erfahrungen aus der Beratungspraxis. Solche oder ähnliche Beispiele, bei denen die Gestaltung der Software nicht dem Nutzungskontext angepasst wurde, finden sich sehr häufig. 

Inhalt dieses Artikels

  1. Definition
  2. Gestaltungsfelder und -ziele
  3. Vorteile der Berücksichtigung von Gebrauchstauglichkeit