Grundsatz Erwar­tungs­konformität

Definition

"Ein Dialog ist erwartungskonform, wenn er den aus dem Nutzungskontext heraus vorhersehbaren Benutzerbelangen sowie allgemein anerkannten Konventionen entspricht."

Erläuterung
Grundsätzlich sollte eine Anwendung so funktionieren, wie es der Benutzer in Bezug auf seine Erfahrung bei der Bedienung einer anderen Anwendung erwartet. Weil Erwartungskonformität so sehr von der Erfahrung des Benutzers mit Systemen oder Anwendungen abhängt, und diese Erwartung so prägend ist, sind hieraus Benutzerbelange und Anforderungen abzuleiten. Eine wichtige abzuleitende Anforderung wäre somit die konsistente Gestaltung der Benutzungsschnittstelle sowohl innerhalb einer Anwendung als auch zwischen vergleichbarer Anwendungen.

Dementsprechend sollten die Erfahrungen des Benutzers unbedingt ermittelt werden und in die Gestaltung des Systems einfließen.

Beispiel für fehlende Konsistenz zwischen Programmen

Bei diesem Beispiel geht es um das Verhalten der Drucken-Symbolschaltfläche im häufig genutzten Adobe-Reader und der externen Konsistenz zu anderen Programmen.

Bild 1: Ausschnitt aus der Adobe-Reader-Symbolleiste mit dem Druckensymbol (Quelle: Adobe Systems)

    Was passiert nach dem Aktivieren der Drucken-Symbolschaltfläche? Was kann erwartet werden? Wird die Funktion sofort ausgeführt oder öffnet sich erst ein Unterfenster, wo Druckeinstellungen ausgewählt werden können? Dieser Aspekt kann wichtig sein. Denn aus Versehen ein Druck angestoßen wird, kann eine Menge Papier vergeudet werden, bevor man in der Lage ist, den Druck zu stoppen.

    Im Vergleich, die Haupt-Symbolleiste von Opera:

    Bild 2: Symbolleiste von Opera (Quelle: Opera Software)

      Es ist zu erkennen, dass beide Symbole (vom Adobe Reader und von Opera) sich zwar vom Aussehen her unterscheiden, jedoch keinen visuellen Hinweis darauf geben, ob die Funktion gleich ausgeführt wird oder zunächst ein Einstellungsdialog angezeigt wird. So wird bei Opera und beim Adobe Reader der Druck nicht gleich ausgeführt, bei anderen Programmen besteht die Möglichkeit schon, z.B. bei WordPad mit einem zwar intern unterschiedlichen Symbol zum Sofortdrucken (welches einen zusätzlichen Haken auf dem Druckersymbol hat). Doch das Symbol transportiert nicht direkt diesen Unterschied.

      Als Benutzer ist es jedoch trotzdem notwendig, sich jedes mal zu erinnern (oder zuprüfen), ob im aktuellen Programm die Funktion sofort ausgeführt wird oder nicht, was zu erhöhtem mentalen Aufwand führt. Dies gilt auch für den Unterschied "Speichern" und "Speichern unter".

      Erwartungskonform wäre es zum Beispiel, einen einheitlichen visuellen Hinweis als Bestandteil des Symbols anwendungsübergreifend einzuführen, der den Benutzer klar erkennen lässt, ob die Funktion gleich ausgeführt wird oder ein Einstellungsdialog angezeigt wird.