Grundsatz Aufgaben­ange­messenheit

Definition

"Ein interaktives System ist aufgabenangemessen, wenn es den Benutzer unterstützt, seine Arbeitsaufgabe zu erledigen, d. h., wenn Funktionalität und Dialog auf den charakteristischen Eigenschaften der Arbeitsaufgabe basieren, anstatt auf der zur Aufgabenerledigung eingesetzten Technologie."

Erläuterung
Dialoge und Bedienabläufe sollten so auf die Aufgabe zugeschnitten sein, dass das Arbeitsziel möglichst gut erreicht werden kann, wobei der Zeitaufwand und die mentale Anstrengung so gering wie möglich und die Anzahl benötigter Arbeitsschritte so klein wie möglich sein sollten.

Ein gutes Beispiel stellt der mittlerweile in die Jahre gekommene Standard-Drucken-Dialog (z.B. MS Paint) dar. Die dortige Anordnung der Elemente entspricht zwar einer möglichen Bedienungsabfolge (erst den Drucker auswählen, dann die Druckeinstellungen vornehmen). Doch die dürfte in der Regel in dieser Form selten verwendet werden:

Bild 1: Standard-Drucken-Dialog (Quelle: Microsoft)

Im Fenster sind die Elemente somit nicht nach der Häufigkeit der Benutzung bzw. der üblichen Arbeitsaufgabe angeordnet. Ein durchschnittlicher Benutzer wird den Drucker sicherlich nicht immer wieder aufs Neue auswählen müssen.

Die Aufgabenangemessenheit in diesem Dialog würde besser eingehalten, wenn die Elemente anders angeordnet wären, nämlich die am häufigsten benutzten zuerst:

Bild 2: Abgeänderter Drucken-Dialog entsprechend der Häufigkeit der Nutzung

Wie zu sehen ist, sind die häufig genutzten Druckeinstellungen nun an die erste Stelle gerückt, wobei die Einstellung "Alles" damit unverändert an erster Stelle steht. Beim Öffnen des Dialogs stehen der Fokus (rechteckiger Rahmen, hier nicht zu sehen) und die Vorbelegung (der grüne Punkt des "Radio button") auf dieser ersten Auswahl. "Aktuelle Seite" und "Markierung" sind hier deaktiv dargestellt, weil sie kontextabhängig (d.h. aufgabenbezogen) in dieser Situation nicht wählbar sind.

Die Liste der Drucker ist jetzt weiter unten platziert, zusammen mit der Information zum Status in Lesrichtung rechts daneben inkl. der dazugehörigen Schaltflächen. Damit sind diese Informationen rechts unten platziert und so aus dem häufig genutzten oberen Dialogbereich.

Die Tabtaste führt vom ersten Radiobutton gleich zur Anzahl der Exemplare. Dadurch können die ersten beiden Schritte ohne zusätzlichen Aufwand mit der Tastatur bedient werden. Innerhalb der Radiobuttons wird mit den Pfeiltasten navigiert, die Anzahl der Exemplare wird ebenfalls mit den Pfeiltasten verändert.

Der Druck kann jederzeit über die Returntaste angestoßen werden, da der blaue Rahmen (als Vorbelegung für die aktuell aktive Schaltfläche) um die Schaltfläche "Drucken" gelegt ist.

Die aufgabenangemessene Standardbelegung einer Schaltfläche für die Aktivierung über die Returntaste ist für die Tastaturbedienung essentiell. Welche Taste über Return ausgelöst werden kann, kann individuell variieren, je nach dem, welches Feld gerade im Dialog bearbeitet wird.

Wenn z.B. der Subdialog "Einstellungen" mit OK geschlossen wurde, wird der blaue Rahmen als Hinweis auf die aktive Schaltfläche sofort wieder auf "Drucken" gesetzt, da dies die logische/ häufigste Reihenfolge sein dürfte. So können zwei Schritte (Dialog schließen und Einstellungen übernehmen plus Ausführen der Funktion Drucken) bequem mit der Returntaste erledigt werden, ohne erst auf eine Schaltfläche mit Tab navigieren zu müssen.

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