Grundsätze der Dia­log­gestaltung nach DIN EN ISO 9241-110

Grundsätze der Dialoggestaltung nach DIN EN ISO 9241-110

Die Bildschirmarbeitsverordnung fordert die Berücksichtigung ergonomischer Grundsätze bei der Entwicklung von Software. Sie sind in der Norm DIN EN ISO 9241-110 aufgeführt. Moderne grafische Datenbankanwendungen müssen ebenso wie Internetseiten diese Anforderungen erfüllen.

Der Geltungsbereich der Norm umfasst praktisch alle Benutzungsoberflächen, unabhängig von der Art des Displays (z.B. Smartphone-Touchscreen), der Eingabe (z.B. Maus), der Hardware (stationär, mobil), oder des Betriebssystems. Auch der Grund der Beschäftigung mit dem Gerät ist letztlich nicht entscheidend.

Deutlich wird dies an dem allgemeinen Titel der Norm, der lautet: "Ergonomie der Mensch-System-Interaktion". So kann die Norm auch zur Gestaltung und Bewertung des Softwaredialogs bzw. der Benutzungsschnittstelle von Kassen oder Automaten mit komplexeren Displays herangezogen werden, wie zum Beispiel Fahrkartenautomaten.

Beispiele für die sieben Grundsätze der Norm:

Dialogwege sowie die dargestellten Informationen sollten die Arbeitsschritte zur Erledigung der Arbeitsaufgabe genau abbilden und daher aufgabenangemessen sein (s. auch Verordnung).

Alle Texte wie Labels und Meldungen sollten selbstbeschreibungsfähig ein, damit dem Benutzer auf Anhieb verständlich ist, wo er sich befindet und welche Schritte er im Dialog unternehmen kann (s. auch Verordnung).

Bedienungsabläufe, Symbole und die Anordnung von Informationen sollten innerhalb der Anwendung konsistent sein, dem erworbenen Wissen der Benutzer entsprechen und daher erwartungskonform sein.

Alle Bedienungsschritte, Tastenkürzel und Stellen, an denen bestimmte Informationen, Menüeinträge oder Funktionen zu finden sind, sollten einem leicht zu verstehenden und erlernbaren Prinzip folgen und daher lernförderlich sein.

Mit Hilfe von Schaltflächen, Icons und Menüeinträgen sollte der Benutzer mit einfachen und flexiblen Dialogwegen zum Ziel der Aufgabe geführt werden. Zudem sollten Bedienungsschritte aufhebbar oder rückgängig zu machen sein und damit die Anwendung steuerbar machen (s. auch Verordnung).

In allen Situationen sollte das System Fehler vermeiden helfen und Korrekturmöglichkeiten anbieten und dadurch das Programm fehlertolerant machen (s. auch Verordnung).

Fenstereinstellungen, Spaltenanordnungen in Listen, Sortierungen, Symbolleisten, Menüs, Tastenkürzel, Funktionstasten etc. sollten individuell eingestellt und gespeichert werden können und somit individualisierbar sein (s. auch Verordnung).

Die genauen Definitionen der sieben Gestaltungsgrundsätze der Norm

Die einzelnen Grundsätze werden in separaten Kapiteln näher erläutert. Hier ist eine Zusammenfassung der Definitionen aus der Norm.

Aufgabenangemessenheit
Ein interaktives System ist aufgabenangemessen, wenn es den Benutzer unterstützt, seine Arbeitsaufgabe zu erledigen, d. h., wenn Funktionalität und Dialog auf den charakteristischen Eigenschaften der Arbeitsaufgabe basieren, anstatt auf der zur Aufgabenerledigung eingesetzten Technologie.

Zum Beispiel:
Aufgabenangemessene Vorbelegung von Standardwerten in Eingabefeldern.

Selbstbeschreibungsfähigkeit
Ein Dialog ist in dem Maße selbstbeschreibungsfähig, in dem für den Benutzer zu jeder Zeit offensichtlich ist, in welchem Dialog, an welcher Stelle im Dialog er sich befindet, welche Handlungen unternommen werden können und wie diese ausgeführt werden können.

Zum Beispiel:
Wann wird eine Eingabe erwartet, in welchem Format, und was sind die nächsten Schritte bzw. mit welcher Funktion können diese bewerkstelligt werden?

Erwartungskonformität
Ein Dialog ist erwartungskonform, wenn er den aus dem Nutzungskontext heraus vorhersehbaren Benutzerbelangen sowie allgemein anerkannten Konventionen entspricht.

Zum Beispiel:
Labels von Funktionen und Tastenbelegungen werden konsistent in allen Masken und Menüs verwendet.

Lernförderlichkeit
Ein Dialog ist lernförderlich, wenn er den Benutzer beim Erlernen der Nutzung des interaktiven Systems unterstützt und anleitet.

Zum Beispiel:
Es wird ein durchgängiges Konzept bei der Strukturierung von Dialogen verwendet, z.B. unter der horizontalen Menüebene werden immer nur zwei weitere Ebenen benötigt. Es wird immer der Anfangsbuchstabe bei Shortcuts mit der Strg-Taste verwendet.

Steuerbarkeit
Ein Dialog ist steuerbar, wenn der Benutzer in der Lage ist, den Dialogablauf zu starten sowie seine Richtung und Geschwindigkeit zu beeinflussen, bis das Ziel erreicht ist.

Zum Beispiel:
In jedem Eingabefeld gibt es eine Möglichkeit, die letzte Eingabe rückgängig zu machen. Der Benutzer hat jederzeit die Möglichkeit, den Dialog zu verlassen und zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufzunehmen.

Fehlertoleranz
Ein Dialog ist fehlertolerant, wenn das beabsichtigte Arbeitsergebnis trotz erkennbar fehlerhafter Eingaben entweder mit keinem oder mit minimalem Korrekturaufwand seitens des Benutzers erreicht werden kann.

Fehlertoleranz wird mit den Mitteln erreicht: Fehlererkennung und -vermeidung, Fehlerkorrektur, Fehlermanagement.

Zum Beispiel:
Ein Eingabefeld erkennt eine fehlerhafte Eingabe automatisch und teilt dies dem Benutzer mit. Trotzdem kann der Benutzer seine Arbeit erst einmal fortsetzen.

Individualisierbarkeit
Ein Dialog ist individualisierbar, wenn Benutzer die Mensch-System-Interaktion und die Darstellung von Informationen ändern können, um diese an ihre individuellen Fähigkeiten und Bedürfnisse anzupassen.

ANMERKUNG: Obwohl es oft wünschenswert ist, dem Benutzer Möglichkeiten zu individuellen Einstellungen zur Verfügung zu stellen, ist dies kein Ersatz für ergonomisch gestaltete Dialoge.

Zum Beispiel:
Menüs, Symbolleisten (Toolbars) können individuell angezeigt und eingerichtet werden.

Inhalt dieses Artikels

  1. Grundsätze der Dialoggestaltung nach DIN EN ISO 9241-110