Ergonomie gegen Mausarm

Was bieten Mausalternativen?

Alternative Eingabemittel müssen im Idealfall die gleiche Funktionalität wie eine Maus aufweisen, aber möglichst viele ergonomische Probleme umgehen helfen. Im Folgenden werden einige Abhilfen beschrieben, die vom einfachsten bis zum aufwändigsten Mittel sortiert sind.

Besser arbeiten ohne Maus!

Die vermutlich preiswerteste Lösung benötigt gar kein Gerät – und häufig nicht einmal eine Änderung an der Software, denn jede halbwegs ergonomisch gestaltete Software sollte bereits „von Haus aus“ eine Bedienung mit sehr seltener Benutzung der Maus ermöglichen. Das Hilfsmittel sind die sogenannten Shortcuts – die Kürzel, die üblicherweise hinter den Menüpunkten angezeigt werden. Da, wo sie fehlen, kann man selbst welche festlegen, notfalls mit Hilfe von (meist kostenloser) Zusatzsoftware. Ziel ist, den Wechsel zwischen Maus und Tastatur möglichst selten vollziehen zu müssen.

Selbst in der Mausbenutzung versierte Grafiker schwören auf dieses Mittel. Eine ausgiebige Benutzung von Shortcuts entlastet nicht nur den Arm und die
Hand, sondern auch das Gehirn, das sonst bei jedem Wechsel „umschalten“ muss. Die Wirkung der „Kurzbefehle“ kann man unschwer auch an den dafür üblichen Namen ablesen: „Accelerator Keys“ (Tastenbeschleuniger) oder „Hotkeys“.

Beidhändig zu benutzende Maus

Eine Maus, die man alternativ mit der linken und rechten Hand benutzen kann, kann die wiederholten Bewegungen für jeden Arm und jede Hand ebenfalls reduzieren. So simpel die Methode ist, so wirksam kann sie in der Vorbeugung sein. Allerdings muss man das Benutzen der Maus mit der „falschen“ Hand zunächst trainieren.

Es gibt Mäuse, die man einfach mit der Software umstellen kann. Bestimmte Mäuse muss man nur auf der anderen Seite der Tastatur platzieren und die umgekehrte Reihenfolge der Tasten im Kopf behalten. Wenn eine Maus für die Nutzung mit der rechten Hand gestaltet ist, muss ein entsprechendes Design für die linke Hand vorhanden sein.

Die „Hochkant“-Maus

Zur Vermeidung einer Armdrehung kann man Mäuse einsetzen, die man mit der etwa senkrecht („neutral“) gestellten Hand bedienen kann (Abb. 3). Hierdurch wird der Arm entlastet. Ob dies in gleichem Maße für das Handgelenk gilt, ist bisher nicht untersucht worden. Die Wirkung ist aber überzeugend. Daher kaufen viele Beschäftigte die Maus selber, wenn das Unternehmen sie nicht zur Verfügung stellt.

Die „Roll“-Maus

Die sogenannte „Roll“-Maus ist ein Zeigegerät, das die Mausbewegung in zwei Teile zerlegt: die Auf- und Ab- und die Hin- und Her-Bewegung. Anstelle des optischen Sensors der Maus durch die die Bewegungen der Maus auf dem Tisch erfasst werden, enthält die Roll-Maus ein drehbares Rohr, das sich in seinem Gehäuse zugleich auch nach links und rechts verschieben lässt. Die Drehbewegung steuert den Bildschirmzeiger in der Senkrechten, während die Schiebebewegung in der Rechts-Links-Richtung wirksam ist.

Ergänzt wird die „Rollstange” durch mehrere (programmierbare) Tasten sowie durch ein Rollrad, um längere Dokumente/Seiten über den Bildschirm zu „scrollen”. Eine Roll-Maus wird so platziert (meist vor der Tastatur), dass sie abwechselnd mit beiden Händen bedient werden kann. Die Breite der Tastatur spielt hier keine Rolle.

Die Roll-Maus ist nicht so präzise wie die Maus und das Tablett. Sie sollte daher nicht für feine grafische Arbeiten eingesetzt werden.

Abb. 4: Roll-Maus an der Tastatur. (Fotos: Ahmet Çakir)

    Das Trackpad

    Das Trackpad ist ein mehr oder weniger kleines, berührungsempfindliches Plättchen, über das der Bildschirmzeiger durch Fingerbewegungen gesteuert wird. Trackpads (manchmal auch Touchpads genannt) gibt es im eigenen Gehäuse oder eingebaut in Tastaturen. Bei mobilen Computern ist es seit mehr als 20 Jahren Standard. Nicht aber auf dem Schreibtisch, was vermutlich damit zusammen hängt, dass die meisten Menschen den Umgang mit der Maus zuerst lernen. Außerdem ist die Maus für diffizile Ansteuerungs- und Zeichenaufgaben präziser. Allerdings wird diese Präzision für typische Büroaufgaben nicht unbedingt benötigt. Wie die Roller-Maus kann das Trackpad abwechselnd beidhändig benutzt werden.

    Um den Umgang mit einem Trackpad so zu erlernen, dass es für Büroarbeiten allgemeiner Art ausreicht, müssen etwa drei bis vier Stunden Übungszeit gerechnet werden.

    Es gibt auch Mäuse, die als Trackpad dienen können. In diesem Fall reagiert das Gerät als Maus, wenn man es anfasst und bewegt, und als Trackpad, wenn der Finger darauf bewegt wird. Ein solches Gerät ist bei sehr beengten Verhältnissen sehr praktisch.

    Abb. 5: Kompakttastatur mit Trackpad (Apple).

      Das Grafiktablett

      Das Grafiktablett, das mit einem Stift bedient wird, so wie man auf einen Notizblock schreibt, stellt die vermutlich beste Lösung für viele der hier besprochenen Probleme dar. Dies hängt zum einen mit seiner Funktionsweise zusammen. Das Grafiktablett bietet gegenüber der Maus eine absolute Positionierung. D.h., der auf dem Tablett gewählte Punkt entspricht genau einem Punkt auf dem Bildschirm. Da die Bedienfläche dem (verkleinerten) Bildschirm entspricht, können mit etwas Übung bestimmte Bildschirmbereiche direkt angesteuert werden. Die wiederholten (repetitiven) Bewegungen, die bei der Benutzung der Maus erforderlich sind, erübrigen sich also. Das ist, physiologisch gesehen, ein großer Vorteil, weil der „Mausarm“ durch solche Bewegungen verursacht werden kann bzw. bei bereits vorhandenen Beschwerden sich eine Bewegung schmerzhaft auswirkt.

      Grafiktabletts lassen sich mit beiden Händen alternierend bedienen. Es gibt auch solche, bei der man mit einem Stift oder mit dem Finger abwechselnd oder gleichzeitig arbeiten kann.

      Bei bestimmten Grafiktabletts ist deren aktive Fläche ein Bildschirm. Diese entspricht dem Computerdisplay und lässt sich auch mit einer virtuellen Tastatur belegen, z.B. um eine Zeichnung zu erstellen und zu beschriften.

      Abb. 6: Kompakttastatur und Grafiktablett für Büroaufgaben. (Quelle: Computer und Arbeit, Apple/Wacom).

        Abb. 6: Kompakttastatur und Grafiktablett für Büroaufgaben. (Quelle: Computer und Arbeit, Apple/Wacom).

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