Ergonomische Anforderungen an die Tastatur

Bedienung hat immer noch Tücken

Die heute übliche Tastatur orientiert sich noch immer an der Form der Schreibmaschine. Die ergonomische Qualität einer brettartig konstruierten Tastatur wird schon länger angezweifelt: Die Bedienung der Tastatur ist nicht der natürlichen Stellung der Hände angepasst. Die gerade Form begünstigt verdrehte Zwangshaltungen der Hände und Arme sowie als Folge Verspannungen im Schulter-Nackenbereich. Häufig treten dort und in den Fingern und Unterarmen Schmerzen durch Überlastung auf. Nicht Krafteinsatz, sondern die extrem hohe Häufigkeit kleiner leichter und schneller Bewegungen wirkt hier gesundheitsgefährdend.

Wichtig zur Prävention von Sehenscheidentzündungen, Karpaltunnelsyndrom, Repetive Strain Injury RSI oder Schulter-Arm-Syndrom ist, dass die Gestaltung der Eingabemittel und ihre Aufstellung möglichst weitgehende neutrale Körperhaltungen mit geringer Muskelaktivität ermöglicht.

Ergonomische Tastatur: positive Effekte nachgewiesen

Unter einer ergonomischen Tastatur versteht man gemeinhin eine Tastatur mit Anordnung der Tastenfelder in einem Winkel oder in geschwungener Form.

Die Anordnung der rechten und linken Tastenfeldbereiche in einem nach außen gedrehten Winkel entlastet die Hände und Arme, eine Verdrehung im Unterarm wird vermieden. Winkeltastaturen sorgen für eine natürliche Handhaltung. Auch eine geschwungene Tastenanordnung kann schon hilfreich sein. Modelle mit einstellbarem Winkel sind optimal zur individuellen Anpassung, z.B. für Mehrfachnutzer einer Tastatur in Call Centern.

Bild 1: Geteilte Tastatur. Modell einer alternativen ergonomischen Tastatur mit gewölbter Winkelanordnung der Tasten. (Quelle: Microsoft Natural Keyboard Elite) dachförmig und negativ nach vorne geneigt.

Wird die Tastatur dazu noch gewölbt, dachförmig gestaltet, können weitere vorbeugende Effekte erreicht werden, so diskutieren es Experten.

Auch die negativ nach vorne geneigte Tastatur empfehlen die Experten des berufsgenossenschaftlichen Instituts BGIA in einer Literaturstudie als entlastend – und das entgegen der üblichen Aufstellungsanforderung der Normen. Ist die Tastatur negativ nach vorne geneigt, sind positive Effekte nur mit einer entsprechenden Abstützung durch Hand- und Armauflagen möglich, damit Handgelenk und Ellenbogen auf einer Höhe bleiben.

Umstellung ist angesagt

Nutzer nehmen die ergonomischen Winkel- und Dach-Tastaturen in der Regel positiv an. Sie erfordern allerdings eine Eingewöhnungszeit von einigen Tagen. Akzeptanzuntersuchungen ergaben, dass sich diese ganz wesentlich verkürzt, wenn die Tastenbelegung der herkömmlichen Tastatur weitgehend beibehalten wird.

Der positive ergonomische Effekt der abgewinkelten Form setzt voraus, dass die Nutzer-/innen das Zehn-Finger-System beherrschen. Dann wird auch die Schreibleistung nicht eingeschränkt. Wer allerdings mit der rechten Hand auch das linke Tastaturfeld bedient oder umgekehrt, hat bei Tastaturen mit großer Abwinklung erheblich längere Wege und erhöhte Muskelaktivitäten.

Was an gesundheitsschonendem Effekt bei Händen und Armen erreicht wird, darf nicht zur Verschlechterung im Schulterbereich führen – darauf ist bei der Wahl und Anordnung des alternativen Modells zu achten.

Stabilität erforderlich

Für ergonomische Tastaturen gelten im Grundsatz dieselben Gestaltungsregeln wie für herkömmliche Bretttastaturen. Geteilte Keyboards müssen über eine ausreichende Stabilität gegen unbeabsichtigtes Verstellen und Kippen verfügen.

Weitere Qualitätsmerkmale

Geräusche beim Tastenanschlag, weicher oder harter Anschlag und die Lage aller wichtigen Sondertasten sollten bei der Auswahl der Tastatur bzw. bei der Beschaffungsentscheidung beachtet werden. Das gilt insbesondere für Vielschreiber-/ innen. Leise Tastaturen sind besonders in Großraumbüros erwünscht.

Bild 2: Geteilte Tastatur mit verstellbarem Neigungswinkel und integrierter Handballenauflagen. Gut geeignet für unterschiedliche Nutzer. Das Modell kann zu einer Bretttastatur zusammengeklappt werden. Ohne Zahlblock hat es Vorteile für die Mausführung. (Quelle: Fujitsu Siemens Ergo Delta Tastatur www.ergo2work.de)