Bildschirm­auf­stel­lung

Kopfdrehung vermeiden: im zentralen Blickfeld

Eine ergonomische Sitzposition am Bildschirmarbeitsplatz ermöglicht eine entspannte Haltung von Kopf, Nacken, Schultern und Armen. Die optimale Höhe des Arbeitstisches und des Arbeitsstuhls und die Aufstellung der Eingabegeräte sind dafür wichtig. Ebenso entscheidend ist die Positionierung des Bildschirms.

Wenn der Bildschirm häufig gebraucht wird, sollte er so stehen, dass man, ohne den Kopf drehen zu müssen, direkt auf den Monitor blickt.

Entspannte Kopfhaltung ohne Verdrehung sichern: die optimale Aufstellung

1. Häufig genutzter Bildschirm: im zentralen Blickfeld

Bild 1: Ergonomische Anordnung von Arbeitsmitteln und Aufstellung des Bildschirms in Bezug zu Fensterflächen und Leuchten. links: Arbeitsplatz mit einem Monitor, Tastatur, Maus und Konzeptvorlage und rechts: Arbeitsplatz mit zwei Bildschirmen und Arbeitstisch mit Rundung für den Wechsel der Blickrichtung. (Quelle: Computer und Arbeit, Heft 5/95, Verlag Arbeitsrecht im Betrieb, ergänzt)

Fast alles wird heute per EDV erledigt; deshalb ist es für die meisten Arbeitsaufgaben die beste Lösung, den Monitor zentral aufzustellen.

2. Selten genutzter Bildschirm: Körperdrehung und Schwenkarm

Bildschirme, die selten genutzt werden, können seitlich stehen. Frontal richtet sich der Blick also zum Kunden oder auf Schriftstücke.

LCD-Bildschirme erlauben in der Regel nur eine sehr begrenzte Seiteneinsicht, denn im Unterschied zu den alten Röhrenmonitoren ermöglicht die LCD-Technologie bei Seiteneinblicken keine ausreichende Bildqualität. Mittlerweile gibt es zwar Geräte mit guter seitlicher Einsicht (häufig als Blickwinkel angegeben oder bezeichnet als Sehrichtungsklasse 1), die für die Nutzung durch mehrere Personen geeignet sind. Trotzdem: Auch diese LCD-Bildschirme sollte man am besten mit einem Blickwinkel von maximal 15 Grad nach rechts oder links aufstellen.

Die Drehung zum seitlich aufgestellten Bildschirm erfolgt dann möglichst oft mit dem ganzen Körper über den Arbeitsstuhl und nicht durch Kopfdrehung. Ein Bildschirmschwenkarm unterstützt eine flexible Aufstellung des Monitors.

3. Arbeiten mit mehreren Monitoren: enge Aufstellung im Halbrund

Wenn viele Informationen parallel bearbeitet werden sollen und mehrere Anwendungen gleichzeitig geöffnet sein müssen, stellt sich die Frage, ob ein großer Monitor, zwei oder mehrere einzelne Monitore ergonomisch besser sind und damit entlastender für den Kopf und den oberen Rücken.

Das Arbeiten mit mehreren Bildschirmen ist um rund 35 Prozent produktiver als nur mit einem, argumentierte das Fraunhofer-Institut IAO 2009 aufgrund einer Studie. Voraussetzung für das Ergebnis war, dass bei einer Tätigkeit, die das Arbeiten mit unterschiedlichen Informationsquellen erforderte, zwei oder drei Bildschirme in gleicher Sehentfernung, also in einem Halbrund aufgestellt wurden. Ebenso war eine wichtige Voraussetzung, dass die Auflösung bei allen Monitoren gleich war. Der Wechsel zwischen Anwendungen auf nur einem und zum Zeitpunkt der Studie üblichen 19 Zoll-Bildschirm, führte dagegen zu Brüchen, Zeitverlust durch Umschalten und Scrollen und zu einer hohen mentalen Anforderung. Dagegen brachte eine weitere Umfrage zutage, dass der zweite Bildschirm ablenkt, wenn dort beispielsweise nur die Mails ankommen (Computerwoche 20.3.2014).

Heute ermöglichen große Breitformat-Monitore das bequeme Nebeneinander von mehreren Programmen oder Textseiten. Allerdings kann ein sehr großer und breiter Monitor mit nicht ausreichendem Sehabstand zu Ablesefehlern durch eine schräge Blickführung auf die seitlichen Bereiche führen. Andererseits vermeidet ein homogenes Gesamtbild mit gleicher Qualität bei nur einem Monitor Brüche im Sehen, Kopfdrehung und die Anforderungen an die Augen, ständig neu zu fokussieren. Denn das ist die Folge einer unergonomischen Ausstattung mit mehreren unterschiedlichen Bildschirmen. Ein einzelner ausreichend großer Bildschirm bietet vor dem Hintergrund automatisch mehr Komfort für das Auge und zwar dann, wenn es sinnvoll für die Arbeitsaufgabe ist und er nicht zu breit ist. Denn das führt zu erhöhter Kopfdrehung.

Oft aber reicht die Benutzeroberfläche eines Bildschirms nicht mehr aus, zwei Bildschirme sind notwendig. Eine Laborstudie mit mehreren Versuchspersonen des Instituts für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) in 2016 zeigt auf, dass die Nutzung von zwei Bildschirmen von 22 Zoll Größe nebeneinander keinen physiologischen Nachteil ergibt und von den Nutzern vorgezogen wird. Viel mehr Einfluss als die Bildschirmaufstellung hat der Aufgabentyp auf die Muskelaktivitäten im Schulter-Nackenbereich.

Empfehlung der DGUV:
Die Unfallversicherungsträger empfehlen die Doppelbildschirmausstattung in waagrechter Position bei Einhaltung der Empfehlungen für Sehabstand und Zeichengröße für jeden Bildschirm (siehe unten). Bedingungen für das ergonomische Arbeiten an Bildschirmarbeitsplätzen können weitgehend auf die Tätigkeit an zwei Bildschirmen übertragen werden. Die Leistung ist hier besser als bei einem Bildschirm.

Diese Empfehlung gilt nicht für Bildschirmarbeitsplätze mit mehr als zwei Monitoren.

In der Arbeitsstättenverordnung 2016 ist die Ergonomie bei Verwendung von mehreren Bildschirmen neu geregelt worden:

Anforderungen der Arbeitsstättenverordnung:
Anhang 6.1 (9) Werden an einem Arbeitsplatz mehrere Bildschirmgeräte oder Bildschirme betrieben, müssen diese ergonomisch angeordnet sein. Die Eingabegeräte müssen sich eindeutig dem jeweiligen Bildschirmgerät zuordnen lassen.

Wenn zwei Bildschirme erforderlich sind und beide häufig benutzt werden, dann ist zu beachten, dass möglichst annähernd eine Gesamtsehfläche entsteht. Das erleichtert die Seharbeit wesentlich. Folgende Anforderungen sind notwendig:

Anforderungen an die Verwendung von mehreren Bildschirmen am Arbeitsplatz

  • Bildschirme haben schmalen Gehäusekanten und helle Gehäusefarben.
  • Gleiche Bildschirmqualität und Auflösung ist gegeben, am besten wählt man den gleichen Monitor-Typ.
  • Enge Aufstellung nebeneinander ist notwendig, um Kopfbewegungen zu minimieren. Eine seitliche Kopfbewegung von mehr als 20 Grad zu Mitte ist ungünstig und überschreitet den neutralen Bereich der Beanspruchung der Hals- und Nackenmuskulatur.
  • Aufstellung im Halbrund ist wichtig, damit wird eine jeweils senkrechte Blicklinie auf jeden Monitor ermöglicht.
  • Aufstellung erfolgt innerhalb des maximalen horizontalen Betrachtungswinkels von 30 bis 35 Grad rechts und links der zentralen Sehachse. Mit zwei sehr großen Bildschirmen lässt sich das eventuell nicht umsetzen und Kopfdrehungen würden provoziert. Die Lösung ist ein größerer Sehabstand bei ausreichender Zeichengröße.
  • Gleicher Sehabstand zu den Monitoren ist zu beachten, insbesondere wenn die Benutzer/innen Brillen bei Alterssichtigkeit tragen, weil diese Brillen für einen bestimmten engeren Bereich des Sehabstands ausgelegt sind. Ungleiche Sehabstände auf die Monitore sind für jüngere Benutzer mit gutem Akkommodationsvermögen nicht unbedingt nachteilig. Wissenschaftler verweisen darauf, dass durch den Wechsel eine gewisse natürliche Dynamik des Sehens ermöglicht wird. (Quellen: Jaschinski 1990, 2012, Haner IAO 2012)
  • Mehr als vier Bildschirme nebeneinander lassen sich nicht gleichzeitig nutzen. Eine genaue Aufgabenanalyse muss über die Anzahl der notwendigen Bildschirme entscheiden.
  • Für Leitwarten sind die ergonomischen Grundregeln anzupassen. Die hier oft übereinander angeordneten Bildschirme erfordern den Blick nach oben und führen auf Dauer zur Überbelastung der Nackenmuskulatur und der Augen. Wenn das nicht vermieden werden kann, müssen die Höhen für den maximalen vertikalen Blickwinkel von 60 Grad optimiert werden. Weniger kritisch ist es, wenn der zweite Bildschirm nur gelegentlich genutzt wird.

Passend geformte Büroarbeitstische erleichtern die optimale Aufstellung und das Arbeiten mit zwei im leichten Halbrund aufgestellten Bildschirmen. Die Tiefe des Arbeitstisches muss allerdings dementsprechend sein. Das gilt es während der Planung zu bedenken - die Standardtiefe von 800 mm reicht bei großer Sehentfernung nicht mehr aus.

Inhalt dieses Artikels

  1. Kopfdrehung vermeiden: im zentralen Blickfeld
  2. Blendungen vermeiden: den richtigen Standort wählen
  3. Aufstellung eines Notebooks bei mobiler Arbeit

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