Wohlbefinden, Gesundheit und Prävention arbeits­bedingter Erkrankungen

Der Wandel der Arbeit hat Folgen

Rückenerkrankungen in allen Branchen an erster Stelle

Unabhängig von der Berufsgruppe stehen die Muskel- und Skeletterkrankungen an erster Stelle der Krankheitsarten. Das gilt auch für alle Angestellte und Berufe die im Büro ausgeübt werden. In Angestelltenberufen bestehen zwar keine schweren körperlichen Anforderungen, es sind allerdings auch Berufe, die unter Bewegungsmangel und einseitiger Haltung, wie Dauersitzen, sowie hoher psychischer Anspannung leiden.

Die Muskel-Skelett-Erkrankungen MSE (in Büroberufen vor allem Rückenerkrankungen) stehen nicht nur an erster Stelle, sie haben auch den herausragend größten Anteil an den Erkrankungsarten erlangt – und das trotz des Rückgangs der körperlichen Arbeit in der Gesellschaft.

Der Wandel der Arbeit mit seinen neuen Arbeitsanforderungen und damit einem veränderten Spektrum an Belastungen hat deutlich nachweisbare Folgen für die gesundheitliche Situation der Beschäftigten.

Daten der Krankenkassen zeigen Trends

Informationen zu Erkrankungen finden sich in den Statistiken der gesetzlichen Krankenkassen. Danach entfallen sich rund 70 Prozent der krankheitsbedingten Fehlzeiten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf fünf Krankheitsgruppen: Muskel- und Skeletterkrankungen, Psychische Erkrankungen, Atemwegserkrankungen, Verletzungen.

Bild 3: AU-Tage der Mitglieder der DAK nach Krankheitsgruppen. (Quelle: Deutsche Angestellten-Krankenkasse DAK: Gesundheitsreport 2015)

Im Durchschnitt betragen die Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund einer ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung 2015 bei den knapp zwölf Millionen Pflichtversicherten der AOK 19,5 Tage (Wissenschaftliches Institut der AOK WiDo: Fehlzeitenreport 2016), sie steigen wieder an, wie Bild 3 zeigt. Das gesamte Ausmaß der Arbeitsunfähigkeitstage wird wesentlich vor allem von Langzeiterkrankungen über 6 Wochen Dauer bestimmt, sie machten im Jahr 2014 bei den Versicherten der Betriebskrankenkassen ca. 43 % der Gesamtausfalltage aus (Wissenschaftliches Institut der AOK: Fehlzeitenreport 2015).

Steigender Anteil psychischer Erkrankungen als Folge ständiger Arbeitsverdichtung

Psychische Erkrankungen sind die einzige Erkrankungsart, die in den letzten Jahrzehnten absolut und anteilsmäßig zugenommen hat, alle andere Erkrankungen außer Muskel-Skelett-Erkrankungen nahmen anteilsmäßig ab. Die AOK berichtet von einer Zunahme der durch psychische Störungen bedingter Krankheitsfälle um 100 Prozent in den Jahren 1994 bis 2012, in anderen Krankenkassen liegen die Werte noch höher. Bei der DAK steht diese Gruppe mittlerweile an zweiter Stelle. Frauen sind davon häufiger betroffen als Männer - zu bedenken ist dabei unter anderem, dass sie andere Berufe ausüben.

Beschleunigung und Kostendruck verdichten die Arbeit, Internet, Email und Smartphone sowie die steigenden Renditevorgaben im globalen Wettbewerb haben Auswirkungen auf jeden Arbeitsplatz. Angestiegen sind  aus diesen Gründen Zeitdruck, Arbeitsverdichtung, ausufernde Arbeitszeiten, flexible Arbeitszeiten oder mobiles Arbeit. Umstrukturierungen, Outsourcing, Unternehmensverkauf und Standortoptimierungen haben im letzten Jahrzehnt ein hohes Maß an Umfang und eine Beschleunigung angenommen.  Beschäftigten müssen mit einer permanente Restrukturierung in Unternehmen und Konzern zurechtkommen, mit einer grundlegenden sozialen Unsicherheit. Das bedeutet in der Regel Personalabbau und führt zur weiteren Intensivierung der Arbeit und höheren Leistungsvorgaben. Der Anstieg der psychischen Belastungen bedingt durch die Restrukturierungstendenzen der Unternehmen mit den Folgen erhöhter Erkrankungen und steigender Arbeitsunfälle wurde bereits europaweit im Hires-Projekt nachgewiesen.

Körperliche Gefährdungen noch verbreitet

Eine automatische Abnahme der Gesundheitsgefährdung bei der Arbeit durch den technischen Fortschritt hat sich  allerdings nicht  für alle ergeben. Immer noch gibt es die klassischen Gefährdungen z. B. durch schwere körperliche Arbeit, durch Gefahrstoffe, durch Lärm, durch Dauerstehen,  Dauersitzen oder Hitze und Kälte. Ausgedehnt haben sich körperliche Gefährdungen durch die Zunahme des Warenverkehrs  und im Bereich der Gesundheits- und Sozialwirtschaft durch mehr gesellschaftliche Nachfrage an Pflege oder Betreuung.

Einfluss von Beruf, Alter, Betriebsgröße und Geschlecht

Berufe, Alter, Geschlecht und auch die Betriebsgröße haben Einfluss auf die Krankenstände. Im Alter nimmt die Dauer der Erkrankungen zu, Junge sind dagegen häufiger kurzzeitig krank. Frauen sind häufiger krank als Männer. Sie haben allerdings, bedingt durch ihre Berufe auch andere Erkrankungen als Männer und sie übernehmen in der Regel in hohem Maß die Sorge für Kinder und Ältere in der Familie, oft zusätzlich zum Beruf.

In sehr kleinen Betrieben und in sehr großen sind die Krankenstände am geringsten. Der zentrale Einflussfaktor ist allerdings der Beruf und die damit verbundenen Gefährdungen und Fehlbelastungen.

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