Wohlbefinden, Gesundheit und Prävention arbeits­bedingter Erkrankungen

Arbeitsbedingte Anteile der Arbeitsunfähigkeit

Experten gehen davon aus, dass ca. 30 % des Erkrankungsgeschehens arbeitsbedingt ist. Der Anteil hängt deutlich vom Geschlecht und der Erkrankungsart ab. So berichtet die Studie des Bundesverbandes der Betriebskrankenkassen zu den Kosten arbeitsbedingter Erkrankungen aus dem Jahr 2008, dass der arbeitsbedingte Anteil bei den Muskel-Skelett-Erkrankungen bei Männern bei 45 % liegt, bei Frauen dagegen nur bei 30 %. Bei den psychischen Erkrankungen/Verhaltensstörungen wird der arbeitsbedingte Anteil bei Männern mit 43 % angegeben und bei den Frauen mit 25 %.

Arbeitsschwere und psychische Faktoren

Deutlich wird in den Forschungen zum Zusammenhang von Erkrankung und arbeitsbedingter Belastung auch, dass nicht nur die Arbeitsschwere sondern gleichzeitig weitere Faktoren, wie z. B. psychischen Fehlbelastungen durch geringen Handlungsspielraum am Erkrankungsrisiko mitwirken oder das Betriebsklima (siehe oben).

Anteil der arbeitsbedingten Risiken bei Muskel-Skelett-Erkrankungen bei Männern (Bundesverband der Betriebskrankenkassen BKK 2008)

  • Faktor Arbeitsschwere gesamt 45 %
  • Faktor geringer Handlungsspielraum 21 %

Berufliche Risiken

Bezogen auf die Berufe lassen sich unterschiedlich hohe und niedrige Risiken für Erkrankungen nachweisen, das ist ein deutlicher Hinweis auf die Wirkung der Arbeitsbedingungen. So liegen die Krankenstände bei Arbeitern sehr viel höher als bei Angestellten oder freiwillig Versicherten.

Die höchsten Erkrankungsrisiken (die meisten AU-Tage) haben Berufe im Verkehrswesen, Postdienst, Straßenreinigung, Abfallbeseitigung, Metallverarbeitung, Bauwesen, in der Alten- und Krankenpflege und im Call Center. Die geringsten Risiken haben Hochschullehrer, Sozialwissenschaftler und Rechtsvertreter.

Bild 5: Fehlzeiten bei Berufsgruppen der AOK-Mitglieder. (Quelle: Wissenschaftliches Institut der AOK WiDo: Fehlzeitenreport 2015)

Kosten arbeitsbedingter Erkrankungen

Die Krankheitskosten für arbeitsbedingte Erkrankungen übernehmen die Krankenversicherungen. Die Kosten der Krankenversicherungsbeiträge werden zu einem kleineren Teil durch Arbeitgeber finanziert, zum größeren Teil durch die Beschäftigten. Die Kosten der Erkrankung und Entschädigung bei Berufskrankheiten übernimmt die Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), die Versicherungskosten werden hier vollständig durch Arbeitgeber übernommen. 

Nicht nur für den Erhalt der Leistungsfähigkeit der Beschäftigten ist Prävention wichtig, sondern sie rechnet sich auch für die Betriebe: Ausgehend von durchschnittlichen 14,4 Erkrankungstagen von Arbeitnehmern im Jahr 2014 schätzt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin die volkswirtschaftlichen Produktionsausfälle auf insgesamt 57 Milliarden Euro bzw. den Ausfall an Bruttowertschöpfung auf 90 Milliarden Euro ( Volkswirtschaftliche Kosten durch Arbeitsunfähigkeit 2014, www.baua.de).

Nicht alle Erkrankungen sind arbeitsbedingt. Verschiedene Forschungsprojekte haben die Kosten der arbeitsbedingter Erkrankungen herausgerechnet. Grundlage ist dabei die Stärke des Zusammenhangs zwischen dem Auftreten einer Belastung und  einer Erkrankung. Der Anteil der Erwerbstätigen, die diesem Belastungsfaktor ausgesetzt sind und die direkten Kosten für die  Krankenkassen (Behandlungskosten) sowie die indirekten Kosten für die Gesellschaft (Kosten der ausgefallenen Erwerbsjahre und damit Produktivitätsausfall durch die Arbeitsunfähigkeit) gehen in solche Berechnungen ein.

Die direkten und indirekten Kosten für arbeitsbedingte Erkrankungen werden laut der Studie des Bundesverbands der Betriebskrankenkassen BKK aus dem Jahr 2008 auf jährlich 33 Mrd EUR geschätzt. An erster Stelle der Folgekosten stehen die MSE (Muskel-Skelett), an zweiter Stelle die psychischen Erkrankungen, beide mit längeren Erkrankungszeiten durch Chronifizierung. Die indirekten Kosten der arbeitsbedingten Erkrankungen durch den Verlust an Erwerbsjahren und Produktionsausfall betragen laut dieser Studie 15,7 Mrd. EUR.

Bild 6: Indirekte Kosten arbeitsbedingter Erkrankung und Frühverrentung – verlorene Erwerbszeiten und Produktionsausfälle. (Quelle: Bundesverband der Betriebskrankenkassen BKK: Kosten arbeitsbedingter Erkrankungen und Frühberentung in Deutschland 2008)

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