Großraumbüros

Soziale Bedürfnisse achten

Soziale Bedürfnisse achten: Individualität, Territorialität, Rückzug, Gerechtigkeit

Auch sozial gesehen wird ein gewisser Abstand zwischen den Arbeitsplätzen benötigt, er ist durch kulturelle Gewohnheiten definiert. Tisch an Tisch mit einem halben Meter Zwischenraum ohne Trennelemente sitzen zu müssen, das wird im allgemeinen von einem Mitteleuropäer als störend empfunden. Es sei denn ein hochmotiviertes Team arbeitet zusammen an einem Projekt. Für eine angemessene Privatsphäre rechnet man mit einer soziale Distanz von 1,3 bis 4 m (vgl. BGI 5050). Nebeneinander gestellt Arbeitsplätze müssen eine Mindestbreite von 1,20 m haben, so fordert es die ASR A1.2 .

Positiv wirken Zonierungen mit Trennelementen in kürzeren Abständen, der Durchblick über Großflächen von vielen Hundert Quadratmetern ist dagegen psychologisch ungünstig.

Der Rücken sollte freigehalten werden, Arbeitsplätze benötigen nach hinten eine Grenze. Wer mit dem Rücken zum Verkehrsweg oder zur Tür sitzt, empfindet das als unangenehm.

Wird die Standardisierung der Arbeitsplatzausstattung zementiert und Individualität nicht zugelassen, kann das kontraproduktiv sein. Eine gewisse individuelle Gestaltbarkeit des Arbeitsplatzes im Rahmen eines Möblierungskonzeptes trägt zur Zufriedenheit bei. Grundsätzlich sollten Abteilungen oder Teams über ihren passenden „Möblierungsstandard“ selbst entscheiden.

Rückzug oder sichtbar sein - beides sollte möglich sein, beides sind menschliche Bedürfnisse. Allerdings: Die ständige soziale Kontrolle, das arbeiten wie auf dem "Präsentierteller", der Einblick in Arbeitsergebnisse am Bildschirm durch Vorbeigehende - all das behindert das menschliche Bedürfnis nach selbstbestimmter Regulierung von Privatheit und Öffentlichkeit. Vollkommen offene Großräume sind deshalb nicht zu empfehlen. Trennelemente bieten Sichtschutz.

Es lässt sich ein Hierarchiegefälle von der Peripherie eines großen Büroraumes nach innen feststellen. Innen ist weniger Tageslicht, keine Sichtverbindung nach außen und die Abschirmung geringer. So entstehen vom Status her ungleichwertige Arbeitsplätze. Andererseits kann außen am Fenster die Blendung unangenehmer sein oder es können beim Blick in die Tiefe Schwindelgefühle auftreten. Manche Unternehmen führen zur Stärkung des Gerechtigkeitsgefühls in gewissen Abständen die Rotation der Arbeitsplatzbelegung durch oder statten die innenliegenden Plätze zum „Ausgleich“ etwas besser aus.

Das enge Miteinander kann es notwendig machen, Regeln der gegenseitigen Rücksichtnahme und Konfliktbarbeitung zu entwickeln. Gemeinsam geht das besser.

Individuell regelbare Beleuchtung

Die Beleuchtungsstärke am Arbeitsplatz muss mindestens 500 Lux betragen und soll individuell je nach Tätigkeit und Alter bis 1000 oder mehr Lux regelbar sein, am besten durch eine Arbeitsplatzleuchte. Ein professionelles und ergonomisches Beleuchtungskonzept ist zu empfehlen, Sonnenschutz und Blendschutz gehören dazu.

Behagliches Raumklima und frische Luft

Große Raumtiefen müssen künstlich belüftet werden, weil die freie Lüftung über Fenster keine ausreichende Frischluft garantieren würde. Raumlufttechnische Anlagen, die mit Klimatisierung kombiniert sein können, sollten so angeordnet, dass kalte Luftausströmungen oder Zugluft nicht gefährden. Es kommt also sehr auf die Anordnung der Luftaustritte und die Qualität der Verteilung der zugeführten Luft an. Die Reinigung der Zuluft und Umluft sowie die Befeuchtung sind zentrale Komponenten für die Luftqualität im Raum. Eine künstliche Befeuchtung in Call Centern mit Dauersprechtätigkeit beugt Stimmerkrankungen vor.

Vollklimatisierung wird heute nur noch selten gewählt. Alternativen sind in Decken verlegte Elemente zur Spitzenlastkühlung, Kühlsegel und Lüftungsanlagen mit Teilklimatisierung. Fassadenlüftungselemente können nachträglich an Fensterbrüstungen angebracht werden. Damit kann auch bei Sommerhitze die Temperatur bei maximal 26 ° C gehalten werden.

Moderne raumlufttechnische Anlagen bieten zumindest in begrenztem Maße die Möglichkeit, die Luft zonenweise zu regeln. Dies kommt dem unterschiedlichen subjektiven Empfinden zur optimalen Raumtemperatur entgegen.

Pflanzen können zur Luftqualität und zum Wohlbefinden beitragen, sie sollten allerdings professionell gepflegt werden.

Schutz vor Störungen durch Gespräche

Ohne umfangreiche akustische Maßnahmen geht es in großen Büros nicht. Es empfiehlt sich dazu eine schalldämpfende Ausführung von Decken, Wänden, Fußböden und Möbeloberflächen. Auch Akustik-Stellwände sorgen für weniger Störung und bieten Sichtschutz.

üros mit guter akustischer Qualität haben Schalldruckpegel von 40-45 dB(A), so die gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Der Richtwert ist kaum zu verwirklichen, wenn viel gesprochen wird und Arbeitsplätze dicht und ohne akustische Abtrennungen der stehen. Getrennte Räume bzw. Zonen für ruhiges Arbeiten/Rückzugsräume und Zonen für Besprechungen können hier ein Lösungsansatz sein.

Vorteil im Großraumbüro ist der überdeckende Effekt des erhöhten Hintergrundgeräuschpegels. Störend wirken vor allem verstehbare Gesprächsinhalte. Das wird durch das „Hintergrundrauschen“ teilweise überdeckt ("Masking-Effekt"). Vollkommen leise sollten große Räume deshalb nicht sein. Künstliches Hintergrundrauschen mit geringem Pegel (bspw. 30 dB (A)) ist ein Ansatz zur Lärmbekämpfung im Büro, der allerdings mit Beschäftigten getestet werden sollte.

Auf Ansteckungsgefahr vorbereitet sein

In dicht belegten Großräumen ist die Ansteckungsgefahr bei Erkältungskrankheiten höher als in kleinen Büros. Besonders kritisch wird es, wenn die Gefahr einer Pandemie droht. Unternehmen mit Großraumbüros sollten deshalb einen Pandemieplan ausarbeiten, um schnell reagieren zu können.

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