Flächenbedarf Büro: Raum und Arbeits­platz

Mindestanforderungen

Flächenarten: rot = Benutzerfläche, grün = Möbelfunktionsfläche , blau = Verkehrswegefläche, grau = Möbelstellfächen (Quelle: DGUV-Information 215-441)

Mindestanforderungen an Flächen

Die Größe und Anzahl der Möbel wird durch die Arbeitsaufgabe bestimmt. Tätigkeiten in Call Centern benötigen meist keine Ablageregale, bei anderen Aufgaben müssen größere Tischflächen für mehrere Bildschirme plus Dockinstation oder Besprechungstische für Teams berücksichtigt werden. Nicht vergessen werden sollten Flächen für abschließbare Wertfächer für die persönlichen Gegenstände, Stellflächen für Aktenwagen und Kleiderablagen.

Freie Bewegungsmöglichkeiten und Haltungswechsel am Arbeitsplatz sind zentrale ergonomische Forderungen. Einengungen fördern Fehlhaltungen und starres Sitzen, was auf Dauer zu Rückenschmerzen führen kann. Es werden auch Flächen für eine ungehinderte Benutzung von Möbeln benötigt, denn die Arbeit soll flüssig und ohne eingeschränkte Körperhaltungen vonstatten gehen können und ein sich gegenseitiges Behindern soll vermieden werden.

Es gibt unterschiedliche Flächen bei der Planung und Möblierung eines Büroraums zu berücksichtigen: die Stellflächen für Möbel, die Benutzerflächen z.B. am Tisch, vor Schränken oder dem Kopierer, die Verkehrsflächen und die Bewegungsflächen am Arbeitsplatz zum Rollen mit dem Stuhl.

Anforderungen an Flächen

Schutzziele Bildschirmarbeitsverordnung Anhang 14:
Am Bildschirmarbeitsplatz muss ausreichender Raum für wechselnde Arbeitshaltungen und -bewegungen vorhanden sein.

Mindest-Richtwerte Bewegungs- und Benutzerflächen (ASR A1.2 sowie auch DIN 4543, DGUV I-215-441) Arbeitstisch sitzende Tätigkeit:

100 cm tief und breit und mindestens 1,5 m² groß (ASR A1.2) Stehtisch für stehende Tätigkeit: 80 cm tief Schränke und Regale: vor Schränken mindestens 80 cm tief, bei Schränken mit Auszügen ist die Auszugtiefe zzgl. der Sicherheitsabstand von 50 cm einzukalkulieren (ASR A1.2) Mindestbreite Bewegungsfläche bei nebeneinander angeordneten Büroarbeitsplätzen: 1,20 m (ASR A1.2)

Flächenüberlagerungen:
Die freie Bewegungsfläche am Arbeitsplatz und die Benutzerflächen von Schränken oder Stehtischen dürfen sich nur bei persönlich zugeordneten Möbeln überlagern. Verkehrswege dürfen sich nicht mit Benutzerflächen von Arbeitsplätzen oder Möbeln überlagern. Ausnahmen gelten für nur gelegentlich und allgemein genutzte Schränke am Verkehrsweg. 

Flächenoptimierung

Im Trend sind offene Bürokonzepte, die die Zusammenarbeit und Produktivität verbessern sollen. In der Regel wird damit eine Flächenoptimierung mit dem Ziel der Kostensenkung angestrebt. Die Absenkung von Flächenstandards auf 6 m² oder gar bis 4,5 m² pro Arbeitsplatz ist heute keine Seltenheit mehr. Ob sich dabei alle Richtwerte für einzelne Flächen und Flächenüberlagerungen einhalten lassen, bleibt offen - den Anforderungen der ASR A1.2 entspricht das nicht. Bei einer solch dichten Anordnung von Arbeitsplätzen sind gegenseitige Störungen und ein erhöhter Lärmpegel programmiert. Gesundheitsprobleme und der Rückgang der Arbeitsmotivation sind in der Regel die Folge.

Bei Planungen wird das oft nicht berücksichtigt; die Leistungsqualität oder der Krankenstand werden bei betriebswirtschaftlichen Produktivitätsbetrachtungen außen vorgelassen. Eine derartige Absenkung der Flächenstandards weit unter die von Fachleuten empfohlenen und mit allen politischen Akteuren abgestimmten Richtwerte der Technischen Regel ist im Sinne einer wirksamen Prävention arbeitsbedingter Erkrankungen nicht akzeptabel. Der Mindestflächenstandard im Arbeitsraum von 8 m² ist als Grenzwert zu verstehen. Offene Raumkonzepte (Kombibüro, Bürolandschaften, Open Space) lassen sich durchaus ergonomisch gestalten, letztlich dann aber kaum Flächenkosten einsparen. Zu beachten ist auch, dass Flächenkosten nur ca. 15 % der Gesamtkosten der Büroarbeit ausmachen.

Kooperation und Kommunikation

Am Arbeitsplatz sollen Kooperation und Kommunikation möglich sein. Es ist für das Teamklima und die Arbeitsaufgaben sehr förderlich, wenn Blickkontakt mit den Kollegen oder Kolleginnen möglich ist und auch mal ein kurzer Austausch. Gleichzeitig soll auch ungestört konzentriertes Arbeiten möglich sein. Das genau steht laut Schweizerische Bürobefragung bei den Beschäftigten als Anforderung an erster Stelle, und zwar in allen Bürogrößen.

Die durchaus widersprüchlichen Anforderungen an die Gestaltung eines Büroraums lassen sich durch angepasste Raumgrößen und Konzepte, durch gute Möblierung und Nutzung von Trennelementen ausbalancieren. Neue offene Bürokonzepte gehen von unterschiedlichen Flächen für Konzentration und Kommunikation aus und ermöglichen flexible Nutzungen von Raumstrukturen. Ausgangspunkt muss dabei immer die jeweilige Tätigkeit sein: Konzentrierte Einzelarbeit in der Programmierung oder Buchhaltung erfordert eine andere räumliche Gestaltung als Tätigkeiten mit Publikumsverkehr oder Team- und Projektarbeit. Einheitsbüroformen für alle Abteilungen sind zwar verbreitet, allerdings nur sinnvoll, wenn sich die Aufgaben und die technische Ausstattung nur in geringem Maß unterscheiden.

Farben und Licht

Farben bestimmen den Gesamteindruck des Raumes, das Ambiente und haben Einfluss auf sicheres Verhalten und auf Wohlbefinden. Helle und freundliche Farben von Wänden, Decke und Möbeln sind zu empfehlen. Ganz wichtig für Wohlbefinden im Büro ist ausreichend Tageslicht, es ist ein bedeutsamer gesunderhaltender Faktor. Sichtverbindung ins Freie sind normalerweise über Fenster garantiert. In Großraumbüros ist es schwierig, an allen Arbeitsplätzen diese Forderung zu realisieren und deshalb sind dort Fensterplätze sehr begehrt. Tageslichtlenkungssysteme können zusätzlich zur guten Beleuchtung beitragen. Für kleine Räume sind Sichtverbindungen ins Freie unabdingbar, um psychologisch ungünstige Folgen, wie das „Bunkergefühl“, zu vermeiden.

Beteiligungsorientierte Planung

Die aktive Beteiligung der Beschäftigten bei der Büroraumplanung ist eine wichtige Voraussetzung für gute Qualität und die spätere Akzeptanz. Büroraumplanungen sind Mitbestimmungsangelegenheiten der Interessenvertretung.

Gefährdungsbeurteilung

Eine tätigkeits- und ablaufbezogene vorausschauende Gefährdungsbeurteilung vor dem Einzug in die Arbeitsstätte unter Einbezug der fachkundigen Beratung der Fachkraft für Arbeitssicherheit und des Betriebsarztes/ der Betriebsärztin gehören dazu. Das fordert die Arbeitsstättenverordnung.

Mehr erfahren und aktiv werden