Alternative und Sonder-Sitzmöbel

Sitzen und Bewegen auf dem Ball

Der Sitzball ist vor allem zur Pausengymnastik zu empfehlen. Zu einer professionelle Büroarbeitsplatzausstattung gehört er nicht.

Der Ball fördert das Aufrichten des Beckens und erzwingt quasi aufrechtes und dynamisches Sitzen, man ist dauernd in Bewegung. Die Haltemuskulatur ist ständig gefordert. Der Sitzball ermöglicht allerdings kein sicheres Sitzen, weil er durch Wegrollen Unfallgefahren birgt. Um diese Risiken zu verringern, lässt sich zwar ein Gummiring unterlegen. Jedoch kann eine länger andauernde Muskelarbeit, wie es das "Ballsitzen" bedeutet, auch eine Fehlbeanspruchung bewirken. Zudem wird aus arbeitsmedizinischer Sicht die fehlende Höheneinstellbarkeit sowie die nicht vorhandene Abstützungsmöglichkeit für die Wirbelsäule kritisiert.

„Sitzbälle sind für den Büroeinsatz nicht geeignet“ schreibt die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft in ihrer Broschüre zur Auswahl von Bürostühlen („Die Qual der Wahl“ VBG Praxis kompakt 2015)

Der Bandscheibenstuhl

Sogenannte Bandscheiben-Stühle oder orthopädische Stühle werden in Unternehmen in der Regel dann beschafft, wenn der Rücken bereits erkrankt ist und um weiterer Verschlechterung vorzubeugen. Ganz im Sinne der Prävention ist dieses Vorgehen nicht, Ergonomie sollte grundsätzlich groß geschrieben werden.

Es gibt keine festgelegten Kriterien für den Bandscheibenstuhl, er soll über die komplette ergonomische Ausstattung eines Büro-Arbeitsstuhls verfügen um optimale Rücken-, Arm- und Nackenunterstützung und viel Bewegung zu ermöglichen. Darüber hinaus ist eine geteilte Rückenlehne und Pendel- oder motorbetriebene Bewegungsdynamik empfehlenswert. Entscheidend ist es, dass die betroffene Person den Stuhl testen und auswählen kann.

ergonomische Anforderungen an orthopädische Stühle

  • anatomisch gestaltete Sitzfläche, die das Herausrutschen verhindert
  • leichte Höhenverstellbarkeit
  • anatomisch geformte, hohe bzw. regulierbare Rückenlehne mit Lendenbausch/Lordosestütze in passender Höhe
  • Synchronmechanik mit großem Neigungswinkel 30 °
  • leicht verstellbarer Gegendruck für die Sitzdynamik in aufrechter Sitzhaltung oder automatische Gewichtsverstellung
  • arretierbare Rückenlehne in unterschiedlicher Position oder stufenlos
  • verstellbare Armstützen in der Höhe, möglichst in Breite und Tiefe zur Entlastung des Schultergürtels und Erleichterung beim Aufstehen und Hinsetzen
  • Sitztiefenverstellbarkeit zur Anpassung an unterschiedlichen Beinlängen und Vermeidung von Druck im Kniekehlenbereich
  • Sitzneigungsverstellbarkeit für unterschiedliche Sitzwinkel und Körperhaltungen
  • atmungsaktive, antistatische Polsterung und Materialien
  • leichte Bedienbarkeit
  • Sitztiefenfederung zum Abfangen des Belastungsstoß beim Hinsetzen
  • Standsicherheit

Finanzielle Zuschüsse sind unter bestimmten Bedingungen von der Deutschen Rentenversicherung zu erhalten. Unfallversicherungsträger leisten Unterstützung bei Unfallfolgen und für Schwerbehinderte können die Versorgungsämter die Finanzierung übernehmen. Viele Hersteller bieten entsprechend „anerkannte“ Modelle an, gute Ergonomie bieten allerdings auch viele Qualitätsprodukte z.B. mit dem Prüfsiegel "Quality Office".

Modelle für Sondernutzungen

Sondermodelle werden für große Körpergrößen und –gewichte oder für Körperbehinderte angeboten. Schwergewichtige Personen benötigen eine größere Härte der Polsterung. Größere benötigen eine höhere Rückenlehne und einen anderen Verstellbereich der Sitzfläche mit einer längeren Gasdruckfeder.

Es gibt auch Sondermodelle für bestimmte Nutzungen, z.B. für Leitwarten oder Call-Center mit hoher Stabilietät und guter Einstellbarkeit, Stühle mit sehr viel Bewegungsfreiraum wie Sattelstühle für alle sitzaktive Arbeitsbereiche wie bspw. Zahnarztpraxen und Labore oder Stühle, die sich auf Kinderhöhe verstellen lassen.

Bilder 6-9 von links nach rechts: Sondermodelle - 6: für sehr viel Bewegungsfreiheit, mit Sattelsitz und Kopfstütze für viel Bewegungsfreiraum (Quelle: HAG Capisco); 7: 24-Stunden-Stuhl mit verstärkter Mechanik, Kopfstütze, wegklappbaren Armstützen und pneumatisch verstellbarer Lordosenstütze. (Quelle: bma ergonomics, Modell bma Controller); 8: Stuhl mit Arthrodesenausführung für Nutzer mit Einschränkungen im Hüft- und Kniebereich (Quelle: RHODE & GRAHL GmbH); 9: Modell mit visueller und akustischer Abschottung für unruhige Arbeitsumgebungen. (Quelle: Workbay von vitra)
Bild 10: Erzieherinnen-Stuhl mit Niedrig-Sitzhöheneinstellung 31-45 cm, stabilen Armlehnen als Aufstehunterstützung und vollwertiger neigbarer Rückenabstützung. (Quelle: EZ von org delta)