Alternative und Sonder-Sitzmöbel

Mindestanforderungen nicht erfüllt – keine Daueralternative

Ergonomische Hocker, Kniestühle oder Pendelstühle bringen Vorteile. Allerdings sind sie ohne Rückenlehne immer nur für wenige Stunden am Tag eine sinnvolle Sitzalternative. Sonst besteht die Gefahr, dass eine untrainierte Haltemuskulatur im Rücken überfordert wird. „Alternative Sitzmöbel können in Einzelfällen sinnvolle Ergänzungen, nicht aber Ersatz für Bürodrehstühle sein.“ schreibt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Für die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft liefern sie keinen „ausschlaggebenden Beitrag zur Prävention von Muskel- und Skelettbeschwerden.“

Entscheidend für den Dauereinsatz eines Sitzmöbels sind:

  • Stand- und Kippsicherheit
  • Schutz vor unbeabsichtigtem Wegrollen
  • fünf Rollen
  • ergonomische Maße
  • ausreichende Einstellmöglichkeiten von Höhe und Bewegungswiderstand
  • ausreichend hohe Rückenlehne
  • ausreichende Sitzflächengröße
  • unterstützende anliegende Rückenlehne in allen Sitzpositionen mit Beckenkontakt beim Zurücklehnen

Der Stuhl ist nicht alles

Es ist nicht das Sitzmöbel allein, was den Gesundheitseffekt ausmacht, so der Tenor der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in der Broschüre "Sitzlust statt Sitzfrust". Entscheidend ist es, das Ganze der Arbeitssituation in den Blick zu nehmen und zu verbessern. Auch auf einem ergonomischen Hocker kann man in Anspannung erstarren. Es kommt also entscheidend auf das persönliche Verhalten an.

Untersuchungen des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswissenschaft und Organisation (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin Forschungsbericht 878, Wittig 2000) zeigen, dass alternative Sitzmöbel wie Kniestühle oder Pendelstühle von den meisten Nutzern/Nutzerinnen nach kurzer Zeit nicht mehr akzeptiert und in der Folge auch nicht mehr genutzt wurden. Günstige Effekte auf Muskulatur und Rücken fielen deshalb aus.

Wichtig für eine wirksame Verbesserung für Rücken und Muskulatur ist eine sinnvolle Verteilung der Arbeitsaufgaben in sitzende, stehende Tätigkeiten und Bewegung und eine gezielte Motivation zur Nutzung von Steh-Sitz-Kombinationen und alternativen Sitzmöbeln. Auch das Raumkonzept mit Teamzonen, Konzentrationsbereichen und Technikecke oder die regelmäßigen bewegten Kurzpausen spielen eine Rolle.

Inhalt dieses Artikels

  1. Dynamisch Sitzen statt Haltungsmonotonie
  2. Sattelstühle
  3. Mindestanforderungen nicht erfüllt – keine Daueralternative
  4. Sitzen und Bewegen auf dem Ball