Menschengerechte Arbeits­gestal­tung – Grundlagen und Modell

Optimale Gesundheiterhaltung: persönlichkeitsfördernde Arbeit

Persönlichkeitsfördernd sind Arbeitsaufgaben, die Aufgabenorientierung und eine aus der Aufgabe und Anforderung selbst entstehende Motivation bewirken. Das Konzept wurde von handlungstheoretisch ausgerichteten Arbeitspsychologen entwickelt und ist allgemein anerkannt. Dem liegt zugrunde, dass sich Menschen auch in ihrer Arbeitstätigkeit verwirklichen und gut gestaltete Arbeit ein Mittel zur Entwicklung der Persönlichkeit ist. Deshalb gehört zur menschengerechten Arbeitsgestaltung auch die Berücksichtigung von Geschlecht, Alter, Kultur und der Lebenssituationen.

Normen wie die DIN EN ISO 9241 Teil 2 und die DIN EN ISO 10075-2 beschreiben die Anforderungen an menschengerecht gestaltete Arbeitsbedingungen mit dem Ziel, überfordernde oder unterfordernde psychische Belastungen im Arbeitsalltag zu vermeiden.

Das arbeitspsychologische Konzept der persönlichkeitsförderlichen Arbeit umfasst sieben Kriterien (Humankriterien).

Die sieben Kriterien der menschengerechten Arbeitsgestaltung nach Norm DIN EN ISO 9241 Teil 2

  • Benutzerorientierung: Die Aufgaben berücksichtigt Erfahrungen und Fähigkeiten.
  • Vielseitigkeit: Eine angemessene Vielfalt von Aktivitäten und Fertigkeiten sind anwendbar.
  • Ganzheitlichkeit: Es gibt planende, ausführende und kontrollierende Anteile statt Bruchstücken.
  • Bedeutsamkeit/Eindeutigkeit: Die Aufgaben sind bedeutsam für das Gesamte und eindeutig.
  • Handlungsspielraum: Spielräume für Arbeitstempo und Ausführung sind vorhanden. Ein gewisses Maß an Kontrolle über die Arbeitsschritte ist möglich.
  • Rückmeldung/soziale Rückendeckung: Es erfolgt eine Rückmeldung über die Aufgabenerfüllung, sozialer Kontakt ist möglich.
  • Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten: Die Aufgabe ermöglicht die Entwicklung der Fähigkeiten durch ein gewisses Maß an Herausforderung.

Das Arbeitsschutzgesetz, das die Gestaltung menschengerechter Arbeit als eine der zentralen Maßnahmen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes definiert, fordert dazu ebenso die Beachtung der gesicherte arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse, und das sind beispielsweise die Normen und weitere Veröffentlichungen der Unfallversicherungsträger und der staatlichen Arbeitsschutzinstitutionen.

Das Prinzip der vollständigen Tätigkeit

Vollständige Tätigkeiten enthalten planende, steuernde, ausführende und kontrollierende Elemente. Sie entsprechen dem Merkmal Ganzheitlichkeit der menschengerechten Arbeit. Untersuchungen in der Industrie haben gezeigt, dass hochgradig zerstückelte Arbeit mit genauestens vorgeschriebenen Handlungen, wie am Fließband, zu Unzufriedenheit, Desinteresse und Leistungsrückgang führen.

Nur vollständige Aufgaben erfüllen die Merkmale der persönlichkeitsförderlichen Arbeit. Eine Arbeitsaufgabe ist vollständig, wenn sie

  • eigenständiges Zielsetzen und die Entwicklung geeigneter Vorgehensweisen (planen),
  • selbstständige Handlungsvorbereitung und Entscheiden innerhalb eines gegebenen Rahmens bei der Abstimmung neben-, vor- und nachgelagerter Tätigkeiten (organisieren),
  • die Entwicklung individueller Arbeitsstile bei der Ausführung der Tätigkeit (ausführen),
  • ausreichende Rückmeldungen über die Kontrolle der Resultate anhand der Ziele ermöglicht (kontrollieren, steuern).

Das Modell der lernenden Organisation stellt eine Konsequenz aus den Anforderungen der menschengerechten Arbeitsgestaltung und der Ausrichtung eines Unternehmens auf die Steigerung der Flexibilität, Zukunfts- und Innovationsfähigkeit dar. Es beinhaltet kontinuierliche Weiterbildung, Wissensmanagement ebenso wie Partizipation der Beschäftigten, motivierende Arbeitsbedingungen und ausreichende Handlungs- und Zeitspielräume.