Regelbetreuung nach DGUV Vorschrift 2: Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeits­sicher­heit

Grundbetreuung – Aufgaben und Einsatzzeiten

Aufgaben und Einsatzzeiten der Grundbetreuung sind fest vorgegeben. Sie betreffen alle Betriebe. Damit wird der Arbeitgeber darin unterstützt, seine Pflichten aus dem Arbeitsschutzgesetz zu erfüllen, die unabhängig von der Art und Größe des Betriebs kontinuierlich anfallen.

Bild 1: Grundschema der Regelbetreuung. (Bildquelle: DGUV: Hintergrundmaterial für die Beratungspraxis )

Zur Berechnung der Einsatzzeiten werden alle Arten von Betrieben drei Betreuungsgruppen je nach ihrem Gefährdungspotential zugeordnet. Daraus ergeben sich die Einsatzzeiten der Grundbetreuung je nach Anzahl der Beschäftigten.

Definition Betriebe

Das Verständnis für Betriebe ist für größere Unternehmen und Verwaltungen wichtig: Betriebe sind organisatorisch eigenständige Einheiten mit eigener Entscheidungscharakteristik. Ihre Zuordnung nach der Klassifikation der Wirtschaftszweige orientiert sich am Betriebszweck (Steuerberatung, Bank, Kommunalverwaltung/Rathaus, Krankenhaus oder Kfz-Teile-Herstellung und nicht an der Tätigkeit, wie Produktion, Vertrieb oder Sekretariat). Ein Unternehmen kann unterschiedliche eigenständige organisatorische Einheiten mit spezifischem Betriebszweck beinhalten. Eine Kommune kann aus Betriebshof, Kindergarten und Museum bestehen, jeder „Betrieb“ wird gesondert eingeordnet und berechnet.

Definition Beschäftigte

Bei der Feststellung der Zahl der Beschäftigten ist zu beachten, dass die jährliche durchschnittliche Zahl zugrunde zu legen ist. Teilzeitbeschäftigte sind Beschäftigte; unabhängig von ihrer Arbeitszeit fällt Betreuungsaufwand an. Der Hinweis im nicht rechtsverbindlichen Anhang 1 der Vorschrift, wonach zur Feststellung der Zuordnung des Betreuungsmodells Teilzeitbeschäftigte mit einer regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit von nicht mehr als 20 Stunden mit 0,5 und mit nicht mehr als 30 Stunden mit 0,75 zu veranschlagen sind (Schwellenwert), ist zur die Berechnung der Grundbetreuung nicht übertragbar. Dies allerdings legen Unfallversicherungsträger unterschiedlich aus. Eine Klärung mit der zuständen Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse ist zu empfehlen.

Als Beschäftigte zählen auch Leiharbeiter nach dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz. Nicht berücksichtigt werden Heimarbeiter, Fremdfirmenmitarbeiter und Personen mit Werkverträgen.

Einsatzzeiten der Grundbetreuung

Die Einsatzzeiten sind als Summe für Fachkraft für Arbeitssicherheit (SiFa) und Betriebsarzt (BA) je nach Betreuungsgruppe und pro Beschäftigte (AN) definiert. Betreuungsgruppen liegen nach Gefährdungspotential eines Betriebes fest.

Aufteilung der Einsatzzeiten

Die Aufteilung der Einsatzzeiten zwischen Fachkraft für Arbeitssicherheit und Betriebsarzt muss im Betrieb entscheiden werden. Unfallversicherungsträger können hier für bestimmte Betriebsarten Empfehlungen geben. Generell gelten als Regeln:

  • Mindestanteil von 20 % der Grundbetreuung für jeden Leistungserbringer
  • jedoch nicht weniger als 0,2 Std./Jahr pro Beschäftigten

Wegezeiten gehören nicht zu den Gesamteinsatzzeiten.

Aufgabenfelder der Grundbetreuung

Die Aufgaben des betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutzes, die die Fachkraft für Arbeitssicherheit und der Betriebsarzt innerhalb der Grundbetreuungseinsatzzeiten zu erledigen haben, sind in einem neun Punkte umfassenden Katalog festgeschrieben.

Aufgabenbereiche und Aufgabenfelder der Grundbetreuung

  1. Unterstützung bei der Gefährdungsbeurteilung Unterstützung zu Gesamtkonzept, Implementierung, Beobachtung der Praxis
  2.  Unterstützung bei grundlegenden Maßnahmen der Arbeitsgestaltung –Verhältnisprävention Eigeninitiatives Handeln in Bezug auf bestehende Arbeitssysteme und Veränderung von Arbeitsbedingungen
  3. Unterstützung bei grundlegenden Maßnahmen der Arbeitsgestaltung –Verhaltensprävention Unterstützung bei Unterweisungen, Betriebsanweisungen, Motivation, Aufklärung, kollektive arbeitsmedizinische Beratung
  4. Unterstützung bei der Schaffung einer geeigneten Organisation und Integration in die Führungstätigkeit Unterstützung bei Aufbauorganisation, Unternehmensführung, betrieblichen Prozesse, notwendigen Ressourcen, ständiger Verbesserung
  5. Untersuchung nach Ereignissen  Untersuchung von Unfällen, arbeitsbedingten Erkrankungen
  6. Allgemeine Beratung von Arbeitgebern und Führungskräften, betrieblichen Interessenvertretungen, Beschäftigten Beratung zu Rechtsgrundlagen, Stand der Technik und Arbeitsmedizin, wissenschaftliche Erkenntnisse
  7. Unterstützung bei der Erstellung von Dokumentationen und Erfüllung von Meldepflichten Dokumentationen, Meldepflichten bei Unfallversicherungsträgern und Behörden, Dokumentation der eigenen Tätigkeiten wie technische Prüfungen, Unterweisungen, Vorsorgeuntersuchungen
  8. Mitwirken in betrieblichen Besprechungen direkte Beratung, Besprechungen mit Führungskräften, betriebliche Beauftragten, Teilnahme am Arbeitsschutzausschuss
  9. Selbstorganisation ständige Fortbildung, Wissensmanagement, Erfassung Hinweise Beschäftigte, Erfahrungsaustausch Unfallversicherungsträger

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