Regelbetreuung nach DGUV Vorschrift 2: Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeits­sicher­heit

Chancen und Risiken

Aus berufsgenossenschaftlicher Perspektive wird auf die notwendige Modernisierung der Aufgaben des Betriebsarztes und der Fachkraft für Arbeitssicherheit für einen aktuell angemessenen Arbeits- und Gesundheitsschutz verwiesen. Die Formulierungen aus dem Arbeitssicherheitsgesetz stammen schließlich aus dem Jahr 1974. Mit der DGUV Vorschrift 2 wird die Gefährdungsbeurteilung in den Mittelpunkt gerückt und aktuelle Themen wie psychische Belastungen am Arbeitsplatz, Sicherung der Beschäftigungsfähigkeit oder der demografische Wandel beim Leistungsspektrum berücksichtigt. Es kann sehr viel besser als mit der vorherigen pauschalen starren Vorgabe von Mindesteinsatzzeiten auf die jeweils besonderen Gefährdungen in den Betrieben eingegangen werden. Und es geht nicht mehr um den Nachweis von Einsatzzeiten, sondern um definierte und transparente Leistungen.

Durch die Mitbestimmung der Interessenvertretung greift auch die Arbeitnehmerperspektive in den systematischen Aufbau der Arbeitsschutzorganisation und Prozesse ein. Letztlich bietet die Vorschrift den Unternehmen die Chance, ihren Arbeits- und Gesundheitsschutz systematisch und zielorientiert aufzustellen.

Kritische Stimmen, beispielsweise von Betriebsärzte-Verbänden, verweisen auf die Gefahr, dass die deutliche teurere arbeitsmedizinische Betreuung im betriebsspezifischen Teil klein gehalten wird. Auch können vor allem kleinere Betriebe in der Beurteilung der Auslösekriterien und in der Aufwandsschätzung überfordert sein. Offen bleibt ebenso, ob ausreichend zukunftsorientiert vorgegangen wird und nicht nur die Erfahrungen der Vergangenheit übersetzt werden. Einige Unfallversicherungsträger machen pauschale Vorschläge für Einsatzzeiten, um den Unternehmen Aufwand zu ersparen.

Erste Anwendungen haben gezeigt, dass mehr Einsatzzeiten als vorher notwendig waren. Betrieblicher Arbeitsschutz kann also teurer werden, allerdings bei mehr Leistung und nicht unbedingt auf Dauer. Funktioniert das Arbeitsschutzsystem erst einmal, verringert sich der Aufwand. Wichtig ist, dass die Umsetzung nicht zum innerbetrieblichen politischen Spiel missbraucht wird, sondern bewusst mit dem Verfahren die gemeinsame vertrauensvolle Zusammenarbeit aller Akteure gestärkt wird.

Durch die Evaluierung der Vorschrift wurde aufgezeigt, dass viele kleine Betriebe sie noch nicht zur Kenntnis genommen haben, und wenn, dann bewerten sie sie häufig als zu komplex. Andererseits finden die meisten befragten Betriebe die Veränderungen durch die neue Vorschrift positiv.

Das Verfahren und Eckpunkte von Aufteilung, Aufgaben und Einsatzzeiten lassen sich in einer Betriebsvereinbarung oder Dienstvereinbarung absichern.

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