Betriebsrat – Auf­ga­ben im Arbeits- und Ge­sund­heits­schutz

Systematisches Vorgehen

Systematisches und gut durchdachtes Vorgehen trägt zum Erfolg der Betriebsratsarbeit bei. Die Handlungshilfe zeigt dafür sieben allgemeine Schritte. Für die Verbesserung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes bedeutet das konkret:

1. Aufgreifen des Themas, Informationsbeschaffung

  • Überblick über die mit dem Arbeits- und Gesundheitsschutz betrauten Personen (Fachkraft für Arbeitssicherheit, Betriebsarzt, Sicherheitsbeauftragte, Ersthelfer, Führungskräfte mit Arbeitsschutz-Verantwortung) verschaffen
  • Dokumente (Unfallstatistiken, Krankenstände, Beschwerden und auch Fehler- und Mängellisten sowie Begehungsprotokolle) auswerten
  • Hinweise, Beschwerden, Überlastungsanzeigen sichten
  • Planungsunterlagen sichten bei Neubau und Beschaffung oder Umorganisation

2. Ziele setzen und erste Abstimmungen im Betrieb

  • Informationen auswerten und Thema eingrenzen
  • Ziele zum Arbeitsschutz und zur Förderung von Sicherheit und Gesundheit formulieren
  • Erste Verständigung mit allen Beteiligten und Verantwortlichen, Prüfen eines möglichen Vorgehens für das Gremium
  • Schulung und Beratung nutzen
  • hierzu auch den Arbeitsschutzausschuss nutzen

⇒ Ziel:
Im ersten Schritt geht es darum, die Ausgangsposition im Betrieb zu erfassen und zu beurteilen sowie eine eigene Position zu beziehen und diese möglichst breit im Betrieb verankern.

Anlass für aktives Handeln kann auch eine bauliche Veränderung sein, die Planung eines Neubaus, eines Umzugs oder grundlegende Veränderungen von Technik oder Organisation.

3. Beteiligung der Beschäftigten

  • durch Informationen die Ziele und Vorgehensweise den Beschäftigten nahe bringen und die Mitarbeit und Unterstützung der Beschäftigten anregen
  • konkretes Wissen über Belastungen und Gefährdungen am Arbeitsplatz aufgreifen. Dies kann durch Arbeitsplatzbegehungen und Fragebogenaktionen geschehen. Der Betriebsrat sollte vor Ort, also direkt am Arbeitsplatz der Beschäftigten, Einblick nehmen und Informationen einholen.

⇒ Ziel:
Bewusstsein in der Belegschaft schaffen und Eigeninitiative und Engagement der Beschäftigten anregen und Stärkung der Arbeit des Gremiums

4. Gefährdungsbeurteilung vereinbaren und durchführen oder aktualisieren

  • Methode der Analyse der Arbeitsbedingungen, der vorausschauenden Beurteilung einer Planung, der Aktualisierung oder Durchführung der Gefährdungsbeurteilung für die betroffenen Bereichen festlegen (Analysemethoden, Bewertungskriterien)
  • Personen und Verfahren mit dem Arbeitgeber festlegen
  • Art und Weise der Beschäftigtenbeteiligung festlegen (zum Beispiel Mitarbeitergespräche oder Fragebögen).

5. Auswertung und Maßnahmen

  • Analyseergebnisse im Betriebsrat bewerten
  • Konkrete Verbesserungen aus den festgestellten Unfallrisiken und Gesundheitsgefährdungen der Beschäftigten entwickeln (mit Hilfe der Fachleute)
  • Abstimmungen dazu direkt mit dem Arbeitgeber, in einem Steuergremium oder im Arbeitsschutzausschuss
  • Beschluss der Maßnahmen zwischen Betriebsrat und Arbeitgeber im Rahmen der Mitbestimmung
  • Dokumentation der vereinbarten Maßnahmen und der für die Umsetzung Verantwortlichen

⇒ Ziel:
Es geht darum, die Mitbestimmung des Betriebsrats zu realisieren und mit den verantwortlichen Gremien und dem Arbeitgeber zu verhandeln sowie den weiteren Prozess abzusichern.

Um das Umsetzungsverfahren zu sichern, sollte zwischen Betriebsrat und Arbeitgeber eine Betriebsvereinbarung abgeschlossen werden, die die Ziele und Maßnahmen aber auch das konkrete Informations- und Beteiligungsverfahren der Beschäftigten und des Betriebsrats festlegt.

6. Unterrichtung und Unterweisung der Beschäftigten

  • Die Belegschaft sollte durch Arbeitgeber und Betriebsrat über die Ergebnisse informiert werden.
  • Beschäftigte haben das Recht, über die festgestellten möglichen Gesundheitsgefährdungen arbeitsplatzbezogen unterrichtet zu werden und darüber, wie sie Gesundheitsgefährdungen an ihrem Arbeitsplatz vermeiden können.

⇒ Ziel:
Die Information der Beschäftigten dient dazu, umfassende Transparenz über die geplanten Maßnahmen herzustellen und Akzeptanz für verhaltensbezogene Präventionsmaßnahmen zu schaffen (etwa ergonomisches Sitzen).