Beurteilung der Arbeitsbedingungen – Grundlagen und Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung

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Praxishilfe: Die wichtigsten rechtlichen Anforderungen an die Gefährdungsbeurteilung bei Bildschirm- und Büroarbeit

Die wichtigsten rechtlichen Anforderungen an die Gefährdungsbeurteilung bei Bildschirm- und Büroarbeit

von Regine Rundnagel

Gesetze und Verordnungen sind rechtlich bindend und Mussvorschriften.

Die Technischen Regeln für Arbeitsstätten konkretisieren diese und bei Umsetzung handelt der Arbeitgeber rechtssicher. Bei Abweichung davon muss er das gleiche Niveau von Sicherheit und Gesundheitsschutz erreichen und nachweisen.

Die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR V3 „Gefährdungsbeurteilung“ konkretisiert das gesamte Verfahren für den Bereich Gefährdungsbeurteilung der Arbeitsstätte und der Bildschirmarbeitsplätze inklusive der Software.

Ermittlung und Beurteilung der Gefährdungen und Belastungen

◊ Arbeitsschutzgesetz 1996: § 5 „Beurteilung der Arbeitsbedingungen“

  • Beurteilung der für die Beschäftigten mit ihrer Arbeit verbundenen Gefährdungen
  • Ermittlung der erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes
  • Beurteilung je nach Art der Tätigkeit
  • bei gleichartigen Arbeitsbedingungen reicht die Beurteilung eines Arbeitsplatzes/einer Tätigkeit aus

◊ DGUV-Vorschrift 1 Grundsätze der Prävention 2013: § 3 „Gefährdungsbeurteilung“

  • Beurteilung der Gefährdungen und ermitteln, welche Maßnahmen erforderlich sind

◊ Arbeitsstättenverordnung 2016: § 3 „Gefährdungsbeurteilung“

  • Gefährdungsbeurteilung der physischen und psychischen Belastungen sowie bei Bildschirmarbeitsplätzen, insbesondere die Belastungen der Augen oder die Gefährdung des Sehvermögens der Beschäftigten
  • Sicherstellen, dass die Gefährdungsbeurteilung fachkundig durchgeführt wird
  • Berücksichtigung der Schutzziele im Anhang

◊ Betriebssicherheitsverordnung 2015: § 3 „Gefährdungsbeurteilung“

  • Gefährdungsbeurteilung vor der Verwendung von Arbeitsmitteln (z. B. EDV-Geräte)
  • Beginn bereits vor der Auswahl und der Beschaffung der Arbeitsmittel
  • Berücksichtigung der Eignung des Arbeitsmittels für die geplante Verwendung, die Arbeitsabläufe und die Arbeitsorganisation
  • Berücksichtigung der Gebrauchstauglichkeit des Arbeitsmittels einschließlich der ergonomischen, alters- und alternsgerechten Gestaltung
  • Berücksichtigung der physischen und psychischen Belastungen, die bei der Verwendung von Arbeitsmitteln auftreten
  • Gefährdungsbeurteilung darf nur von fachkundigen Personen durchgeführt werden

Risikobeurteilung, Maßnahmenfindung und –umsetzung, Wirksamkeitskontrolle

◊ Arbeitsschutzgesetz 1996: § 3 „Grundpflichten des Arbeitgebers“

  • Verpflichtung des Arbeitgebers, die erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes zu treffen
  • Überprüfung der Maßnahmen auf ihre Wirksamkeit
  • Anpassung an sich ändernden Gegebenheiten
  • Anstreben einer Verbesserung

◊ DGUV-Vorschrift 1 Grundsätze der Prävention 2013: § 3 „Gefährdungsbeurteilung“

  • Überprüfung der Gefährdungsbeurteilungen, insbesondere dann, wenn sich die betrieblichen Gegebenheiten hinsichtlich Sicherheit und Ge¬sundheitsschutz verändert haben

◊ Arbeitsstättenverordnung 2016: § 3 „Gefährdungsbeurteilung“

  • Einrichtung und Betreiben von Arbeitsstätten, so dass Gefährdungen für die Sicherheit und die Gesundheit möglichst vermieden und verbleibende Gefährdungen möglichst gering gehalten werden.
  • Berücksichtigung des Stands der Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene, der ergonomischen Anforderungen und der Technischen Regel für Arbeitsstätten
  • Schutzziele im Anhang der Arbeitsstättenverordnung

◊ Betriebssicherheitsverordnung 2015: § 3 „Gefährdungsbeurteilung“

  • Ableiten der notwendigen und geeigneten Schutzmaßnahmen
  • Regelmäßige Überprüfung der Gefährdungsbeurteilung und Berücksichtigung des Stands der Technik

Dokumentation

◊ Arbeitsschutzgesetz 1996: § 6 „Dokumentation“

  • Bereithalten der erforderlichen Unterlagen zu den Ergebnissen der Gefährdungsbeurteilung, den Maßnahmen und dem Ergebnis ihrer Überprüfung je nach Art der Tätigkeiten und der Zahl der Beschäftigten

◊ DGUV-Vorschrift 1 Grundsätze der Prävention 2013: § 3 „Gefährdungsbeurteilung“

  • Dokumentation der festgelegten Maßnah¬men und des Ergebnisses ihrer Überprüfung
  • Auskunftspflicht gegenüber dem Unfallversicherungsträger zu allen Informationen über die getroffenen Maßnahmen

◊ Betriebssicherheitsverordnung 2015: § 3 „Gefährdungsbeurteilung“

  • Dokumentation des Ergebnisses der Gefährdungsbeurteilung vor der erstmaligen Verwendung der Arbeitsmittel mit Angabe der Gefährdungen, die bei der Verwendung der Arbeitsmittel auftreten, der Schutzmaßnahmen, das Ergebnis der Überprüfung der Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen

Technische Regel für Arbeitsstätten ASR V3 „Gefährdungsbeurteilung“

  • Fachkunde mit Berufsausbildung, Berufserfahrung, zeitnahe Berufsausübung – insbesondere Fachkraft für Arbeitssicherheit und Betriebsarzt
  • Gegenstand der Ermittlung und Beurteilung - Einrichten (bauliche Maßnahmen, Ausstattung, Anlegen von Verkehrswegen, Festlegen von Arbeitsplätzen), dabei während der Planung Stand der Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene und die ergonomischen Anforderungen ermitteln; Berücksichtigung Anforderungen der Barrierefreiheit in der Planung; Berücksichtigung von Abnutzungserscheinungen; prospektive Betrachtung der Nutzung durch verschiedene Personengruppen; Berücksichtigung des Alters mit verschiedenen Leistungsvoraussetzungen; Prüfung auch bei Mietobjekten
  • Gegenstand der Ermittlung und Beurteilung - Betreiben (Instandhalten, Optimieren, Ablauforganisation in der Arbeitsstätten), dabei Stand der Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene und die ergonomischen Anforderungen berücksichtigen; Berücksichtigung von Sonderzuständen wie Notfall, Brand, Stromausfall etc.
  • Umsetzung der Prozessschritte (Vorbereiten, ermitteln Gefährdungen, beurteilen, Maßnahmenfestlegung, Umsetzung, Wirksamkeitsüberprüfung, fortschreiben)
  • Ermitteln nach Art der Tätigkeit, Gliederung nach Tätigkeitsgruppen/Arbeitsbereichen, gleichartiges zusammenfassbar; Dauer und Häufigkeit erfassen, besondere Personengruppen wie Schwangere, Leiharbeitnehmer berücksichtigen, sonstige anwesende Personen berücksichtigen wie Kunden
  • Berücksichtigung der Kooperation mehrerer Arbeitgeber in der Arbeitsstätte, Verfahren für Telearbeitsplätze und mobil Tätige
  • Systematische Ermittlung der Gefährdungen und Gefahrenquellen bei Planung oder dem Istzustand, weitere Informationen nutzen (Vorschriften und Regelwerk, insbesondere Technische Regeln, Branchenregeln, Gefährdungs- und Belastungskataloge der Berufsgenossenschaften, Herstellerinformationen, Arbeitsanweisungen, Unfallberichte, Erkrankungsschwerpunkte, Begehungsprotokolle, Instandhaltungsunterlagen, Brandschutzkonzepte, Anordnungen der Behörden, Erfahrungswerte)
  • Methoden sind Besichtigung, Beobachtung, prüfen, messen, abschätzen, Simulationen, Berechnungen, Befragungen
  • Für die Beurteilung ist die Umsetzung der Schutzziele Arbeitsstättenverordnung zu prüfen, die Berücksichtigung der gesicherten arbeitswiss. Erkenntnisse aus den Regelwerken und Veröffentlichungen von Berufsgenossenschaften oder staatlicher Arbeitsschutzinstitutionen, bei Bedarf eigenen Entwicklung und Dokumentation von Beurteilungsmaßstäben
  • Vollständige Beurteilung aller Arbeitsplätze, aller Personengruppen, aller Betriebszustände, aller möglichen Wechselwirkungen
  • Erforderlichkeit von unverzüglichen Maßnahmen wenn unmittelbare Gefahr besteht und/oder wenn die Beurteilung Maßnahmen als erforderlich bestimmt und Gesundheitsgefährdungen bestehen oder wenn Verbesserungen möglich sind
  • Maßnahmen sind nach Stand der Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene und die ergonomischen Anforderungen zu entwickeln, Technische Regeln besonders zu berücksichtigen, Abweichungen davon dokumentieren; Unterweisungen sind Maßnahme
  • Beachtung der Maßnahmenhierarchie, Priorisierung der Maßnahmen, Umsetzungsplanung
  • Prüfung der Wirksamkeit durch Beobachtung, Messung oder Befragung
  • Dokumentation vor Aufnahme der Tätigkeit, mit weiterführenden Unterlagen
  • Regelmäßige Aktualisierung