Unterweisung und Unter­richtung

Ziele und Rechtsgrundlagen Unterweisung

Bildquelle: DGUV Bilddatenbank

Der Gesetzgeber hat die große Bedeutung der Information und Beteiligung der Beschäftigen für die Prävention von Gesundheitsgefahren erkannt und die Pflicht des Arbeitgebers/Unternehmers zur Unterweisung oder Unterrichtung im Arbeitsschutzgesetz festgeschrieben.

Ergänzt werden diese Regelungen durch das Betriebsverfassungsgesetz mit der Pflicht zur Unterrichtung der Beschäftigten über ihre Arbeitsaufgaben und ihre Verantwortung sowie ihre Belehrung zu den Unfall- und Gesundheitsgefahren, den Maßnahmen zu ihrer Abwendung und den Erste-Hilfe- und Notfallmaßnahmen.

Die Arbeitsstättenverordnung, das Jugendarbeitsschutzgesetz, die Gefahrstoffverordnung, die Betriebssicherheitsverordnung und die Unfallverhütungsvorschrift DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention" konkretisieren und erweitern die Unterweisungspflicht für spezielle Bereiche. Auch die Arbeitsstättenverordnung fordert: „Der Arbeitgeber hat den Beschäftigten ausreichende und angemessene Informationen anhand der Gefährdungsbeurteilung in einer für die Beschäftigten verständlichen Form und Sprache zur Verfügung zu stellen… und sie anhand dieser Informationen zu unterweisen.“ (ArbStättV von 2016 § 6 )

Inhalte und Gestaltung

Unterweisungen müssen so organisiert werden, dass sie wirksam sind und Beschäftigte sie in ihrem Arbeitsalltag umsetzen. Wichtig für die Wirksamkeit der Unterweisungen sind das Umfeld, die Erwartungen und die Reaktionen der Führungskräfte. Eine Unterweisung kann erfolgreich sein, wenn die folgenden Anforderungen beachtet werden.

Grundsätzliche Anforderungen

Anforderungen an wirksame Unterweisung

  • Information über alle gesundheits- und sicherheitsrelevanten Fragen des Arbeitsplatzes und des Aufgabenbereiches beispielsweise für Bildschirmarbeit die Bildschirmaufstellung, die ergonomische Einstellung des Arbeitsstuhls, der Prävention von Rückenschmerz und auch zu Fragen der Stressprävention, wenn das zu den Belastungen am Arbeitsplatz gehört.
  • praxis- und tätigkeitsbezogene Informationen, die an die Aufgaben, den Arbeitsplatz und die speziellen Gefahren- und Belastungsmomente angepasst sind, etwa die Sensibilisierung über die Blendung am Bildschirm.
  • verständliche und der Zielgruppe angemessene Informationen, wenn notwendig, auch die Unterweisung in der Muttersprache. Vorkenntnisse und Sprache sowie Grundsätze der Erwachsenenbildung müssen berücksichtigt werden. Informationen und praktische Übungen direkt an einem Beispielarbeitsplatz sind ebenso empfehlenswert wie Videos, Bildmaterial und Fachreferenten.
  • Information über die Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung und die daraus folgenden Maßnahmen zur Vermeidung oder Minderung von Gefährdungen und Belastungen.
  • Anweisungen zu den Schutzmaßnahmen und sicherheitsgerechtem, ergonomischen und gesundheitsförderlichem Verhalten, Informationen zu den vorhandenen Betriebs- und Arbeitsanweisungen.
  • Informationen und Übungen zum individuellen gesundheitsfördernden Verhalten, wie ergonomisches Sitzen oder Tipps zur Stressvermeidung.
  • Durchführung in einer ungestörten, entspannten Lernatmosphäre.

Unterweisungen beinhalten immer auch Anweisungen, mit denen der verantwortliche Arbeitgeber verbindliche Regeln dokumentiert.

Ziel einer Unterweisung im Arbeits- und Gesundheitsschutz ist es, Wissen zu vermitteln, Fertigkeiten zu trainieren und zu einem Verhalten im Arbeitsalltag zu motivieren, das Risiken vermeidet, auf Sicherheit achtet und gesundheitsfördernde Ressourcen nutzt.

Spezielle gesetzliche Regelungen zu Inhalten

Der Mutterschutz fordert Besonderheiten für die Unterweisungen zu speziellen Gefährdungen für werdende Mütter, ebenso das Jugendarbeitsschutzgesetz.

Die Lastenhandhabungsverordnung § 4 fordert bei der Unterweisung genaue Angaben zur sachgemäßen manuellen Handhabung von Lasten und der Gefahren bei unsachgemäßer Ausführung der Tätigkeit. Die Betriebssicherheitsverordnung § 12 fordert angemessene Informationen anhand der Gefährdungsbeurteilung in einer für die Beschäftigten verständlichen Form und Sprache vor der erstmaligen Benutzung von Arbeitsmitteln, dazu gehören Maschinen und Werkzeuge und auch Bildschirmgeräte.

Die Benutzerverordnung für Persönliche Schutzausrüstungen § 3 fordert zur sicherheitsgerechten Nutzung, etwa von Sicherheitsschuhen eine Unterweisung und die Biostoffverordnung in § 14 zu Hygieneregeln und Umgang mit Spritzen im Gesundheitsbereich.

Erstunterweisung vor Aufnahme der Tätigkeit

Die Erstunterweisung neueingestellter Mitarbeiter/innen soll allgemeine und arbeitsplatzbezogene Inhalte haben. Die Ziele, die Organisation sowie die Ansprechpartner des Arbeits- und Gesundheitsschutzes im Betrieb müssen bekannt sein, über Erste Hilfe, Rettungswege, Brandschutz, Warnsignale, Unfallschwerpunkte muss ein neuer Kollege und eine neue Kollegin Bescheid wissen.

Arbeitsplatzbezogen geht es in der Erstunterweisung um die Arbeitsverfahren, die Arbeitsmittel, Umgebungseinflüsse und insgesamt um die speziellen Gefährdungen und Belastungen am jeweiligen Arbeitsplatz.

Auf die Erstunterweisung sollte besonderes Augenmerk gelegt werden, weil dem Beschäftigten die Arbeitsbedingungen neu und die Gefährdungen für die Gesundheit unbekannt und noch schwer einschätzbar sind.

Betriebsanweisungen

Betriebsanweisungen sind schriftliche Informationen und Anweisungen, die in einer genormten Form für bestimmte Gefahren erstellt werden müssen und am Arbeitsplatz oder an der Maschine ausgehängt werden. Sie sind dann Teil der Unterweisung. Vorgeschrieben ist das für den Einsatz von Maschinen, elektrischen Geräten, Einsatz von Biostoffen oder Gefahrstoffen bei der Arbeit. Betriebsanweisungen fassen die wichtigsten Sicherheitsaspekte zusammen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können jederzeit wichtige Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln nachlesen. Betriebsanweisungen müssen vom Verantwortlichen unterschrieben und entsprechend der Gefährdungsbeurteilung aktuell sein.

Unterrichtung

Unterrichtung meint die allgemeine Informationspflicht des Arbeitgebers gegenüber dem Beschäftigten, dazu können Betriebsanweisungen, Unterweisungen oder Anweisungen und sonstige Informationsmaßnahmen gehören.

Die Unterweisung bezieht sich immer auf die tätigkeitsbezogene und handlungsorientierte Information über mögliche Gefahren, sicherheits- und gesundheitsgerechtes Verhalten und sowie Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz. Sie umfasst Information und aufgabenbezogenes Training.

Inhalt dieses Artikels

  1. Ziele und Rechtsgrundlagen Unterweisung
  2. Zielgruppen für Unterweisungen
  3. Durchführung der Unterweisung
  4. Mitbestimmung

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