Beurteilung der Arbeits­bedingungen – Grundlagen und Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung

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Gesetze & Normen

Rechtsquellen

Gesetze und Verordnungen

◊ Arbeitsschutzgesetz (ArbschG)

  • § 3 Grundpflichten des Arbeitgebers
  • § 5 Beurteilung der Arbeitsbedingungen
  • § 6 Dokumentation

◊ Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV)

  • § 3 Beurteilung der Arbeitsbedingungen

◊ Mutterschutzgesetz (MuSchG)

  • § 2 Gestaltung des Arbeitsplatzes

◊ Verordnung zum Schutze der Mütter am Arbeitsplatz (MuSchArV)

  • § 1 Beurteilung der Arbeitsbedingungen

◊ Sozialgesetzbuch IX Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen

  • § 81 Pflichten des Arbeitgebers und Rechte schwerbehinderter Menschen
  • § 84 Prävention

◊ Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG)

  • § 80 Allgemeine Aufgaben
  • § 87 (1) Nr. 7 Mitbestimmung bei Regelungen über die Verhütung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten sowie über den Gesundheitsschutz im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften oder der Unfallverhütungsvorschriften
  • § 89 Arbeits- und betrieblicher Umweltschutz
  • § 90 Unterrichtungs- und Beratungsrechte
  • § 91 Mitbestimmungsrecht

◊ Hessisches PersVG (HPVG)

  • § 74 (1) Nr.6 Mitbestimmung bei Maßnahmen zur Verhütung von Dienst- und Arbeitsunfällen und sonstigen Gesundheits¬ schädigungen,
  • § 74 (1) Nr.16 Mitbestimmung bei Gestaltung der Arbeitsplätze
  • § 76 Arbeitsschutz

◊ Bundes-PersVG (BPersVG)

  • § 75 (3) Nr. 11. Mitbestimmung bei Maßnahmen zur Verhütung von Dienst- und Arbeitsunfällen und sonstigen Gesundheits¬schädigungen
  • § 75 (3) Nr.16. Mitbestimmung bei Gestaltung der Arbeitsplätze,
  • § 81 (Kooperation)


Staatliche Technische Regeln

Technische Regel für Arbeitsstätten ASR V3 Gefährdungsbeurteilung


DGUV Vorschriften, Regeln und Informationen

  • DGUV Vorschrift 1: Grundsätze der Prävention
  • DGUV Regel 100-001: Grundsätze der Prävention (Auslegung), § 3 "Beurteilung der Arbeitsbedingungen, Dokumentation, Auskunftspflichten"
  • DGUV Information 215-410: Bildschirm- und Büroarbeitsplätze. Leitfaden für die Gestaltung


Auslegung und Rechtsprechung

Bundesarbeitsgericht BAG vom 28. März 2017 (1 ABR 25/15)
Mitbestimmung bei Maßnahmen des Arbeitsschutzes
Voraussetzung für die Mitbestimmung ist allein das Vorliegen einer Gefährdung, die muss feststehen oder muss durch eine Gefährdungsbeurteilung festgestellt werden. Die Einigungsstelle kann diese nicht durchführen, sondern das muss der Arbeitgeber tun. Auch sieht das BAG bei Eilmaßnahmen keine Mitbestimmung des Betriebsrates, sondern im Sinne der Prävention.

Bundesverwaltungsgericht 5.3.2012, AZ: 6 PB 25.11
Keine Mitbestimmung bei Gefährdungsbeurteilungen nach BPersVG § 75 (3) Nr. 11, aber Initiativrecht für Maßnahmen des Gesundheitsschutzes nach Maßgabe der Gefährdungsbeurteilung. Maßnahmen müssen immer auf Veränderungen der Arbeitsbedingungen gerichtet sind, eine Gefährdungsbeurteilung ist eine nur vorbereitende Maßnahme.

Bundesarbeitsgericht BAG vom 12.8.2008, AZ: 9 AZR 1117/06
Individueller Anspruch Arbeitnehmer
Arbeitnehmer haben nach § 5 Abs. 1 ArbSchG iVm. § 618 Abs. 1 BGB einen individuellen Anspruch auf eine Beurteilung der mit ihrer Beschäftigung verbundenen Gefährdung. § 5 Abs 1 ArbSchG räumt dem Arbeitgeber bei dieser Beurteilung einen Spielraum ein. Der Betriebsrat hat bei dessen Ausfüllung nach § 87 Abs. 1 Nr 7 BetrVG mitzubestimmen. Der einzelne Arbeitnehmer kann deshalb nicht verlangen, dass die Gefährdungsbeurteilung nach bestimmten von ihm vorgegebenen Kriterien durchgeführt wird.

Bundesarbeitsgericht BAG vom 8.6.2004, AZ: 1 ABR 4/03 und AZ: 1 ABR 13/03 Mitbestimmungsrecht des Betriebsrates
Mitbestimmung des Betriebsrates nach BetrVG § 87 (1) Nr. 7 bei der Gefährdungsanalyse, der Beurteilung der Gefährdung und der Unterweisung. Eine Betriebsvereinbarung muss dies klar regeln , allgemeine Vorgaben reichen da nicht aus.

Bundesarbeitsgericht BAG vom 15. Januar 2002, AZ: 1 ABR 13/01
Mitbestimmung des Betriebsrates
Grundsätzliche Aussagen zur Mitbestimmung des Betriebsrates zum Gesundheitsschutz bei Bildschirmarbeit nach BetrVG § 87 (1) Nr. 7, denn der Arbeitgeber hat eine Pflicht zum Handeln und es gibt keine zwingende Vorgabe, so dass eine konkrete betriebliche Regelung notwendig ist.

Bundesverwaltungsgericht 14.10.2002, AZ: 6 P 7.01
Kein Mitbestimmungsrecht des Personalrates
Keine Mitbestimmung des Personalrats bei Gefährdungsbeurteilung nach BPersVG § 75 (3) Nr. 11, da die Gefährdungsbeurteilung und Dokumentation nur Vorbereitungshandlungen sind und hier die Informations- und Anregungsrechte des Personalrats nach § 81 (2) anwendbar sind. Mitbestimmung erst bei Entscheidung über konkrete technische, organisatorische und personelle Maßnahmen. Bei Einwänden des PR gegen das Vorgehen des AG können diese zur Verweigerung der Zustimmung zu Maßnahmen herangezogen werden oder es sind evt. Maßnahmen zu fordern, die eine erneute Gefährdungsbeurteilung nötig machen.

Literatur

Literatur und Links

Gewerkschaft ver.di: ver.di-Online-Handlungshilfe zur Gefährdungsbeurteilung- online-Port Gefährdungsbeurteilung mit vielen Informationen und Verweisen.

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Portal Gefährdungsbeurteilung. Übersicht über Gefährdungsfaktoren und Verfahren.

Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (Hrsg.): Gefährdungsbeurteilung. Allgemeiner Maßnahmen- und Gefährdungskatalog. VBG Fachwissen 2017.

Gruber / Kittelmann / Mierdel: Leitfaden für die Gefährdungsbeurteilung. Bochum: Verlag Technik & Information, 15. überarbeitete Auflage 2017.

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Hrsg.): Ratgeber zur Gefährdungsbeurteilung. Handbuch für Arbeitsschutzfachleute. 3. Auflage, Dortmund 2016, 528 Seiten, verfügbar als download unter www.baua.de

Hinrichs, Sven: Gefährdungsbeurteilung Psychischer Belastungen, hg. von Hans Böckler Stiftung, Reihe Praxiswissen Betriebsvereinbarungen, Düsseldorf 2016 (Auswertung von 27 Betriebsvereinbarungen).

Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie GDA: Empfehlung zur Umsetzung Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen. Kurzbroschüre der Träger der GDA, 2. Auflage 201, GDA.

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Hrsg.): Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen. Erfahrungen und Empfehlungen. Berlin: Erich Schmidt Verlag 2013, BAuA.

DGUV Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (Hrsg.): Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen - Tipps zum Einstieg. Berlin 2013, DGUV.

Bundesrat: Verordnungsantrag der Länder Hamburg, Brandenburg, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein. Entwurf einer Verordnung zum Schutz vor Gefährdungen durch psychische Belastung bei der Arbeit. Drucksache 315/13, beschlossen am 3.5.2013, verfügbar als download unter www.bundesrat.de

Romahn, Regine: Gefährdungsbeurteilungen. hg. v. Hans-Böckler-Stiftung, Schriftenreihe Betriebs- und Dienstvereinbarungen, 2. Auflage, Frankfurt: Bund-Verlag 2013.

Gemeinsame deutsche Arbeitsschutzstrategie GDA (Hrsg.): Leitlinie Beratung und Überwachung bei psychischer Belastung am Arbeitsplatz. Stand 2012 (Leitlinie für Arbeitsschutzbehörden), GDA.

Gemeinsame deutsche Arbeitsschutzstrategie GDA (Hrsg.): Leitlinie Gefährdungsbeurteilung und Dokumentation. Stand 2011 (Leitlinie für Arbeitsschutzbehörden), GDA.

Deutsche gesetzliche Unfallversicherung DGUV (Hrsg.): Die Gefährdungsbeurteilung - Grundlage des Arbeitsschutzes. DGUV Forum, Nr. 9 2010, Deutsche gesetzliche Unfallversicherung DGUV.

Schröder, Martina / Riesenberg, Dr. Horst: Die Gefährdungsbeurteilung aus Sicht der Gewerkschaften. In: DGUV Forum Nr. 9 2010.

Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz: Datenbank. "Instrumente der Gefährdungsbeurteilung". Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz.

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Portal Gefährdungsbeurteilung mit Datenbank. Portal Gefährdungsbeurteilung (vernetzt mit der Datenbank der Europ. Agentur).

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Gefährdungsbeurteilung mithilfe der Leitmerkmalmethode und Leitmerkmalmethode heben, halten, tragen sowie ziehen, schieben. verfügbar als download unter www.baua.de

Sujet / Hans-Böckler-Stiftung / ver.di Genderpolitik (Hrsg.): Arbeitsbedingungen beurteilen - geschlechtergerecht. Gender Mainstreaming in der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen. Düsseldoft 2010, Bezug bei Gewerkschaft ver.di Berlin und Sujet Organisationsberatung Hamburg.

Peter Martin, Peter / Prümper, Jochen / Harten, Gerd von: Ergonomie-Prüfer zur Beurteilung von Büro- und Bildschirmarbeitsplätzen (ABETO). Frankfurt/Main: Bund-Verlag 2008.

Holm, Matthias / Geray, Max: Integration der psychischen Belastungen in die Gefährdungsbeurteilung. Hg. von Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, in Kooperation mit der Initiative Neue Qualität der Arbeit INQA, Dortmund 2007, 2. Auflage, download unter INQA.

Szymanski, Hans: Die alterssensible Gefährdungsbeurteilung - Basis für eine zeitgemäße Arbeitsgestaltung, in: REFA-Nachrichten 6/2006, S. 20-25.

Quellen:

Dr. Elke Ahlers: BETRIEBLICHE GESUNDHEITSFÖRDERUNG UND GEFÄHRDUNGSBEURTEILUNGEN. Vortrag auf der A+A 2015, Tag der Betriebs- und Personalräte, 29.10.2015.

Langhoff, Thomas / Satzer, Rolf: Erfahrungen zur Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung bei psychischen Belastungen, BAuA-Projekt F 2193; in: ARBEIT. Zeitschrift für Arbeitsforschung, Arbeitsgestaltung und Arbeitspolitik, 4/2010, 267-282.

Qualitätsgrundsätze zur Erstellung von Handlungshilfen für eine Gefährdungsbeurteilung nach dem Arbeitsschutzgesetz, Stand: (27.02.2009), hg. von der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie GDA, www-gda-portal.de

Praxishilfe: Die wichtigsten rechtlichen Anforderungen an die Gefährdungsbeurteilung bei Bildschirm- und Büroarbeit

Die wichtigsten rechtlichen Anforderungen an die Gefährdungsbeurteilung bei Bildschirm- und Büroarbeit

von Regine Rundnagel

Gesetze und Verordnungen sind rechtlich bindend und Mussvorschriften.

Die Technischen Regeln für Arbeitsstätten konkretisieren diese und bei Umsetzung handelt der Arbeitgeber rechtssicher. Bei Abweichung davon muss er das gleiche Niveau von Sicherheit und Gesundheitsschutz erreichen und nachweisen.

Die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR V3 „Gefährdungsbeurteilung“ konkretisiert das gesamte Verfahren für den Bereich Gefährdungsbeurteilung der Arbeitsstätte und der Bildschirmarbeitsplätze inklusive der Software.

Ermittlung und Beurteilung der Gefährdungen und Belastungen

◊ Arbeitsschutzgesetz 1996: § 5 „Beurteilung der Arbeitsbedingungen“

  • Beurteilung der für die Beschäftigten mit ihrer Arbeit verbundenen Gefährdungen
  • Ermittlung der erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes
  • Beurteilung je nach Art der Tätigkeit
  • bei gleichartigen Arbeitsbedingungen reicht die Beurteilung eines Arbeitsplatzes/einer Tätigkeit aus

◊ DGUV-Vorschrift 1 Grundsätze der Prävention 2013: § 3 „Gefährdungsbeurteilung“

  • Beurteilung der Gefährdungen und ermitteln, welche Maßnahmen erforderlich sind

◊ Arbeitsstättenverordnung 2016: § 3 „Gefährdungsbeurteilung“

  • Gefährdungsbeurteilung der physischen und psychischen Belastungen sowie bei Bildschirmarbeitsplätzen, insbesondere die Belastungen der Augen oder die Gefährdung des Sehvermögens der Beschäftigten
  • Sicherstellen, dass die Gefährdungsbeurteilung fachkundig durchgeführt wird
  • Berücksichtigung der Schutzziele im Anhang

◊ Betriebssicherheitsverordnung 2015: § 3 „Gefährdungsbeurteilung“

  • Gefährdungsbeurteilung vor der Verwendung von Arbeitsmitteln (z. B. EDV-Geräte)
  • Beginn bereits vor der Auswahl und der Beschaffung der Arbeitsmittel
  • Berücksichtigung der Eignung des Arbeitsmittels für die geplante Verwendung, die Arbeitsabläufe und die Arbeitsorganisation
  • Berücksichtigung der Gebrauchstauglichkeit des Arbeitsmittels einschließlich der ergonomischen, alters- und alternsgerechten Gestaltung
  • Berücksichtigung der physischen und psychischen Belastungen, die bei der Verwendung von Arbeitsmitteln auftreten
  • Gefährdungsbeurteilung darf nur von fachkundigen Personen durchgeführt werden

Risikobeurteilung, Maßnahmenfindung und –umsetzung, Wirksamkeitskontrolle

◊ Arbeitsschutzgesetz 1996: § 3 „Grundpflichten des Arbeitgebers“

  • Verpflichtung des Arbeitgebers, die erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes zu treffen
  • Überprüfung der Maßnahmen auf ihre Wirksamkeit
  • Anpassung an sich ändernden Gegebenheiten
  • Anstreben einer Verbesserung

◊ DGUV-Vorschrift 1 Grundsätze der Prävention 2013: § 3 „Gefährdungsbeurteilung“

  • Überprüfung der Gefährdungsbeurteilungen, insbesondere dann, wenn sich die betrieblichen Gegebenheiten hinsichtlich Sicherheit und Ge¬sundheitsschutz verändert haben

◊ Arbeitsstättenverordnung 2016: § 3 „Gefährdungsbeurteilung“

  • Einrichtung und Betreiben von Arbeitsstätten, so dass Gefährdungen für die Sicherheit und die Gesundheit möglichst vermieden und verbleibende Gefährdungen möglichst gering gehalten werden.
  • Berücksichtigung des Stands der Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene, der ergonomischen Anforderungen und der Technischen Regel für Arbeitsstätten
  • Schutzziele im Anhang der Arbeitsstättenverordnung

◊ Betriebssicherheitsverordnung 2015: § 3 „Gefährdungsbeurteilung“

  • Ableiten der notwendigen und geeigneten Schutzmaßnahmen
  • Regelmäßige Überprüfung der Gefährdungsbeurteilung und Berücksichtigung des Stands der Technik

Dokumentation

◊ Arbeitsschutzgesetz 1996: § 6 „Dokumentation“

  • Bereithalten der erforderlichen Unterlagen zu den Ergebnissen der Gefährdungsbeurteilung, den Maßnahmen und dem Ergebnis ihrer Überprüfung je nach Art der Tätigkeiten und der Zahl der Beschäftigten

◊ DGUV-Vorschrift 1 Grundsätze der Prävention 2013: § 3 „Gefährdungsbeurteilung“

  • Dokumentation der festgelegten Maßnah¬men und des Ergebnisses ihrer Überprüfung
  • Auskunftspflicht gegenüber dem Unfallversicherungsträger zu allen Informationen über die getroffenen Maßnahmen

◊ Betriebssicherheitsverordnung 2015: § 3 „Gefährdungsbeurteilung“

  • Dokumentation des Ergebnisses der Gefährdungsbeurteilung vor der erstmaligen Verwendung der Arbeitsmittel mit Angabe der Gefährdungen, die bei der Verwendung der Arbeitsmittel auftreten, der Schutzmaßnahmen, das Ergebnis der Überprüfung der Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen

Technische Regel für Arbeitsstätten ASR V3 „Gefährdungsbeurteilung“

  • Fachkunde mit Berufsausbildung, Berufserfahrung, zeitnahe Berufsausübung – insbesondere Fachkraft für Arbeitssicherheit und Betriebsarzt
  • Gegenstand der Ermittlung und Beurteilung - Einrichten (bauliche Maßnahmen, Ausstattung, Anlegen von Verkehrswegen, Festlegen von Arbeitsplätzen), dabei während der Planung Stand der Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene und die ergonomischen Anforderungen ermitteln; Berücksichtigung Anforderungen der Barrierefreiheit in der Planung; Berücksichtigung von Abnutzungserscheinungen; prospektive Betrachtung der Nutzung durch verschiedene Personengruppen; Berücksichtigung des Alters mit verschiedenen Leistungsvoraussetzungen; Prüfung auch bei Mietobjekten
  • Gegenstand der Ermittlung und Beurteilung - Betreiben (Instandhalten, Optimieren, Ablauforganisation in der Arbeitsstätten), dabei Stand der Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene und die ergonomischen Anforderungen berücksichtigen; Berücksichtigung von Sonderzuständen wie Notfall, Brand, Stromausfall etc.
  • Umsetzung der Prozessschritte (Vorbereiten, ermitteln Gefährdungen, beurteilen, Maßnahmenfestlegung, Umsetzung, Wirksamkeitsüberprüfung, fortschreiben)
  • Ermitteln nach Art der Tätigkeit, Gliederung nach Tätigkeitsgruppen/Arbeitsbereichen, gleichartiges zusammenfassbar; Dauer und Häufigkeit erfassen, besondere Personengruppen wie Schwangere, Leiharbeitnehmer berücksichtigen, sonstige anwesende Personen berücksichtigen wie Kunden
  • Berücksichtigung der Kooperation mehrerer Arbeitgeber in der Arbeitsstätte, Verfahren für Telearbeitsplätze und mobil Tätige
  • Systematische Ermittlung der Gefährdungen und Gefahrenquellen bei Planung oder dem Istzustand, weitere Informationen nutzen (Vorschriften und Regelwerk, insbesondere Technische Regeln, Branchenregeln, Gefährdungs- und Belastungskataloge der Berufsgenossenschaften, Herstellerinformationen, Arbeitsanweisungen, Unfallberichte, Erkrankungsschwerpunkte, Begehungsprotokolle, Instandhaltungsunterlagen, Brandschutzkonzepte, Anordnungen der Behörden, Erfahrungswerte)
  • Methoden sind Besichtigung, Beobachtung, prüfen, messen, abschätzen, Simulationen, Berechnungen, Befragungen
  • Für die Beurteilung ist die Umsetzung der Schutzziele Arbeitsstättenverordnung zu prüfen, die Berücksichtigung der gesicherten arbeitswiss. Erkenntnisse aus den Regelwerken und Veröffentlichungen von Berufsgenossenschaften oder staatlicher Arbeitsschutzinstitutionen, bei Bedarf eigenen Entwicklung und Dokumentation von Beurteilungsmaßstäben
  • Vollständige Beurteilung aller Arbeitsplätze, aller Personengruppen, aller Betriebszustände, aller möglichen Wechselwirkungen
  • Erforderlichkeit von unverzüglichen Maßnahmen wenn unmittelbare Gefahr besteht und/oder wenn die Beurteilung Maßnahmen als erforderlich bestimmt und Gesundheitsgefährdungen bestehen oder wenn Verbesserungen möglich sind
  • Maßnahmen sind nach Stand der Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene und die ergonomischen Anforderungen zu entwickeln, Technische Regeln besonders zu berücksichtigen, Abweichungen davon dokumentieren; Unterweisungen sind Maßnahme
  • Beachtung der Maßnahmenhierarchie, Priorisierung der Maßnahmen, Umsetzungsplanung
  • Prüfung der Wirksamkeit durch Beobachtung, Messung oder Befragung
  • Dokumentation vor Aufnahme der Tätigkeit, mit weiterführenden Unterlagen
  • Regelmäßige Aktualisierung
Praxishilfe: Systematik der Gefährdungsfaktoren und typische Gefährdungen bei Bildschirm- und Büroarbeit

Systematik der Gefährdungsfaktoren und typische Gefährdungen bei Bildschirm- und Büroarbeit

von Regine Rundnagel

Quelle: Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie. GDA Leitlinie: Gefährdungsbeurteilung und Dokumentation. Stand 2017 GDA (Leitlinie für Arbeitsschutzbehörden)

Die Gesundheit wird am Bildschirmarbeitsplatz gefährdet, wenn z. B. durch einen zu hohen Arbeitstisch und eine fehlende Fußstütze die Füße nicht auf dem Boden stehen können. Rücken und Beine werden dadurch überbeansprucht. Eine psychisch wirkende Gesundheitsgefahr stellt Lärm dar oder die fehlende Schulung für ein EDV-Programm. Beides führt zu erhöhtem Stress, der auf Dauer körperliche Folgen haben kann.

Hier sind die wichtigsten Gefährdungsfaktoren entsprechend der Systematik der Arbeitsschutzinstitutionen (staatliche Aufsichtsbehörden und Unfallversicherungsträger) aufgelistet.

Beispiele für Gefährdungsfaktoren bei der Büroarbeit:

Mechanische Gefährdungsfaktoren: gefährliche Oberflächen an Tischen und Schränken, ungesicherte überladene Regale und dadurch herabfallende Gegenstände, einklemmen bei Schubläden, ausrutschen und stolpern durch ungeeignete Fußböden, Absturz bei ungesicherten Treppen oder ungeeigneten Aufstiegshilfen

Elektrische Gefährdungsfaktoren: Gefährliche Körperströme/elektrischer Schlag durch schadhafte Elektrogeräte, elektrostatische Aufladung durch Bodenmaterialien und trockene Luft

Gefahrstoffe: Reinigungsmittel, Feuchtarbeiten – sie Gefährden die Haut, einatmen von Tonerstäube, Gase aus lösemittelhaltigen Materialien

Biologische Arbeitsstoffe: Schimmelpilze, Verkeimung von Klimageräten

Brand und Explosionsgefährdungen: Kurzschlüsse in Elektrogeräten

Thermische Gefährdungen: überhitzte Elektrogeräte

Gefährdung durch spezielle physikalische Einwirkungen: Lärm, Vibration in Fahrzeugen, optische Strahlung (Laser, UV-Strahlung), ionisierende Strahlung (Röntgenstrahlung), elektromagnetische Felder

Gefährdungen durch Arbeitsumgebungsbedingungen: Klima (Hitze im Sommer, Zugluft, zur geringe Luftfeuchtigkeit), Beleuchtung (Blendung, zu dunkel, zu hell), unzureichende Flucht- und Verkehrswege, unzureichende Bewegungsfläche, keine Pausenräume, mangelhafte Sanitärräume

physische Gefährdungsfaktoren/Arbeitsschwere: schwere dynamische Arbeit wie Lastenhandhabung im Lager, einseitige Körperbewegungen, Haltearbeit, einseitige Körperhaltung am Bildschirm

Psychische Gefährdungsfaktoren: ungenügend gestaltete Arbeitsaufgaben/Arbeitsorganisation/ Arbeitszeit/soziale Beziehungen am Arbeitsplatz wie überfordernde Arbeitsaufgaben wegen fehlender Qualifikation, Konflikte im Team und ungenügend gestaltete Arbeitsplatzbedingungen wie Störung der Konzentration durch Lärm, Enge unzureichende Software

Sonstige Gefährdungen: durch Menschen (Kunden), Pflanzen, Tiere

Praxishilfe: Anforderungen an die Qualität von Handlungshilfen für die Gefährdungsbeurteilung

Anforderungen an die Qualität von Handlungshilfen für die Gefährdungsbeurteilung nach Vorgaben der Aufsichtsinstitutionen (Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie GDA)

von Regine Rundnagel

Nachvollzug des vollständigen Prozesses
Sie ermöglichen ein systematisches Vorgehen bei der Ermittlung, Bewertung der Gefährdung, Maßnahmenentwicklung und Wirksamkeitsprüfung. Dabei werden die unterschiedlichen Betriebszustände (Normalbetrieb und typische Störungen) berücksichtigt.

Praxisgerecht
Sie orientieren sich in ihrer Sprache und Gestaltung an der Zielgruppe (Arbeitgeber im Kleinbetrieb, betriebliche Arbeitsschutzexperten). Sie sind anpassbar an den Betrieb und den gewünschten Detaillierungsgrad (Grob- oder Feinanalyse) und praxisgerecht handhabbar. Sie ermöglichen es, die Prüftiefe und das Präzisionsniveau am Gefährdungspotenzial auszurichten.
Branchenbezug
Sie sind branchen- oder tätigkeitsbezogen und enthalten vollständig die jeweiligen Untersuchungsbereiche und die typischen Gefährdungen für Arbeitsplatz- oder Tätigkeitstypen (z.B. Programmierer, Sachbearbeiter oder Berater mit Kundenkontakt, Call Center oder Außendienst).

Typische Gefährdungen, arbeitswissenschaftlich fundiert
Sie zeigen die typischen Gefährdungen der Branche oder Berufstätigkeit. Sie sind arbeitswissenschaftlich geprüft und berücksichtigen den Stand der gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse (Checklisten oder Fragebögen müssen die Systematik der Gefährdungsfaktoren umfassen und getestet sein. Werden z.B. in Fragebögen Fragen nicht klar und eindeutig gestellt, sind die Ergebnisse nicht zu gebrauchen. Sind Fragen nicht verständlich, werden sie nicht beantwortet)

Hinweis auf gleichartige Arbeitsbedingungen

Berücksichtigung besonderer Personengruppen
Sie ermögliche die Beurteilung von speziellen Anforderungen für Gruppen wie werdende Mütter, Schwerbehinderte, Jugendliche, Praktikanten oder Leiharbeitnehmer.

Beurteilungskriterien – Vorschriften, Regelwerk
Sie enthalten nachvollziehbare Beurteilungskriterien der Gefährdungen unter Bezug zu den Sollvorschriften in Gesetzen, Verordnungen, Normen und nachvollziehbare Analysekriterien. Die rechtliche Bedeutung wird dabei klar beschrieben. Sie ermöglicht eine Gesamtbeurteilung von Gefährdungen unter Berücksichtigung von Kombinationswirkungen einzelner Faktoren.

Hinweis auf Einschalten von Experten

Berücksichtigung der Grundsätze § 4 ArbSchG bei Maßnahmen und Rangfolge der Schutzmaßnahmen
Sie bieten Ansatzpunkte für die konkrete Maßnahmenfindung, die Dringlichkeit der Maßnahmen wird aufgezeigt.

Methoden der Überprüfung der Wirksamkeitskontrolle
Sie geben Hinweise auf die Möglichkeiten der Wirksamkeitskontrolle. Sie sind standardisiert, um Wirksamkeitsprüfungen und Wiederholungen leicht zu ermöglichen.

Aktualisierung
Die regelmäßige Aktualisierung wird vereinfacht.

Dokumentation
Die Dokumentation wird erleichtert.

Beteiligungsorientierung Sie gehen beteiligungsorientiert vor und fordern die Beteiligung der betrieblichen Interessenvertretung.


Quelle: Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie: Qualitätsgrundsätze zur Erstellung von Handlungshilfen für eine Gefährdungsbeurteilung nach dem Arbeitsschutzgesetz. Stand: 27.02.2009, hg. von der GDA.

Praxishilfe: Schema des Vorgehens bei der Gefährdungsbeurteilung

Schema des Vorgehens bei der Gefährdungsbeurteilung

Schema des Vorgehens bei der Gefährdungsbeurteilung

von Regine Rundnagel

Praxishilfe: Systematik der psychischen Belastungs- und Gefährdungsfaktoren

Systematik der psychischen Belastungs- und Gefährdungsfaktoren

von Regine Rundnagel

Quellen: Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie GDA: „Empfehlung zur Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung“. GDA 2. Auflage 2016 und DIN EN ISO 10075

Praxishilfe: Anforderungen an die Prozessqualität der Gefährdungsbeurteilung

Anforderungen an die Prozessqualität der Gefährdungsbeurteilung (Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie GDA)

Von Regine Rundnagel

Quellen:

  • Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie GDA
  • GDA Leitlinie: Beratung und Überwachung bei psychischer Belastung am Arbeitsplatz 2015,
  • GDA-Leitlinie: Gefährdungsbeurteilung und Dokumentation 2017

Eine gute Prozessqualität bedeutet:

  • Verantwortung für die Gefährdungsbeurteilung auf Leitungsebene
  • Unterstützung durch die Führungsebenen
  • Systematische Planung
  • Beteiligung der Führungskräfte
  • Beteiligung der Beschäftigten
  • Vollständige Analyse in allen Bereichen des Betriebes und für alle Tätigkeiten, gleichartige Tätigkeiten oder Arbeitsplätze können dabei zusammengefasst werden
  • Ableitung von Maßnahmen zur Arbeitsgestaltung, angemessene Maßnahmen und Vorrang von Verhältnisprävention (Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitssituation wie Qualifizierung der Führungsebenen oder Umverteilung von Aufgaben ) vor Verhaltensprävention (Maßnahmen zur Verbesserung des gesundheitsgerechten Verhaltens von Beschäftigten wie Stressmanagementkurse etc.)
  • Steuerung der Maßnahmenumsetzung
  • Prüfung der Maßnahmen auf Wirksamkeit
  • Dokumentation in angemessener Form
Praxishilfe: Regelungen Gefährdungsbeurteilung - Tipps für Betriebs- und Dienstvereinbarungen zur Gefährdungsbeurteilung

Regelungen Gefährdungsbeurteilung - Tipps für Betriebs- und Dienstvereinbarungen zur Gefährdungsbeurteilung

von Regine Romahn

Gefährdungsbeurteilungen als Strategieinstrument

Das Ziel von Gefährdungsbeurteilungen ist es, möglichst frühzeitig potenzielle Gesundheitsgefährdungen bei der Arbeit zu erkennen und durch geeignete Schutzmaßnahmen zu vermeiden oder zu verringern. Gefährdungsbeurteilungen sind ein Strategie- und Optimierungsinstrument. Im Idealfall werden sie in alle Unternehmensbereiche und Arbeitsprozesse integriert.

An der Umsetzung hapert es

Wie Gefährdungsbeurteilungen durchzuführen sind, wird vom Gesetzgeber nicht vorgegeben. Er nennt lediglich Grundsätze, die es zu berücksichtigen gilt. Konkretisiert wird das Verfahren, die Anforderungen an die Qualität und den Prozess für den Bereich Arbeitsstätten und Bildschirmarbeitsplätze mit der Technischen Regel für Arbeitsstätten ASR V3 „Gefährdungsbeurteilung“ von 2017. Da diese nicht rechtsverbindlich ist, haben Unternehmen Spielräume zur Ausgestaltung. Die Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung ist noch immer nicht in allen Betrieben erfolgt.

Auch zwanzig Jahre nach der Verabschiedung des Arbeitsschutzgesetzes ist diese Aufgabe offenbar nicht leicht zu bewältigen. In einer WSI-Betriebsrätebefragung des Jahres 2015 bestätigten 78 Prozent der Befragten die Durchführung. Die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen hatten nur 14 Prozent der Betriebe durchgeführt. Die Dachevaluation der GDA (Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie) 2013 ergab, dass 51 Prozent der Betriebe eine Gefährdungsbeurteilung hatten, davon 98 Prozent der Betriebe mit mehr als 250 Beschäftigten (GDA 2013, n = 6.500 Betriebe)

Umsetzung ist nicht einfach

Die Gestaltung von Gefährdungsbeurteilungen ist komplex. Die Vielzahl der Gestaltungsfelder in den von der Hans-Böckler-Stiftung in der Online-Datenbank gesammelten rund 40 Vereinbarungen spiegelt das wider. Da es nicht nur um die Verhütung von Unfällen und Berufskrankheiten geht, sondern auch um die Vermeidung arbeitsbedingter Erkrankungen und den Erhalt des Wohlbefindens, müssen Gefährdungsbeurteilungen neben den sogenannten klassischen Gefährdungen (Lärm, Beleuchtung etc.) heute auch psychische und soziale Belastungen einzubeziehen. Die Qualifizierung, Arbeitsgestaltung, Arbeitsorganisation, die Arbeitszeit, das Arbeitstempo und -volumen, Verantwortung, Führungsstil, Arbeitsplatzunsicherheit - all das sind Arbeitsbedingungen, die Gesundheitsbeschwerden und Erkrankungen für die Beschäftigten, aber auch Qualitäts- und Produktivitätseinbußen für Betriebe nach sich ziehen können.

Die Durchführung der Gefährdungsbeurteilung ist für viele Betriebe nicht nur ein anspruchsvolles, sondern in der Regel auch ein neues Verfahren. Die neuen Themen sind für Betriebe oft erheblich brisanter und schwieriger zu lösen als die klassischen Belastungen. Hinzu kommt, dass die verschiedenen Akteure im Betrieb unterschiedliche Wissensstände zum Thema haben.

Was häufig in betrieblichen Vereinbarungen fehlt

  • In den veröffentlichten Betriebs- und Dienstvereinbarungen fehlen häufig differenziertere Regelungen zur Beteiligung der Beschäftigten, die über allgemeine Informationen hinausgehen. Dies gilt insbesondere für aktive Beteiligungsformen und konkrete Mitwirkungsmöglichkeiten bei Entscheidungen. Dies könnte z.B. ein gemeinsamer Workshop oder Gesundheitszirkel sein.
  • Die Qualifizierung zur Durchführung von Gefährdungsbeurteilung wird kaum thematisiert und geregelt. Dabei wäre es notwendig, für die einzelnen Zielgruppen Verantwortlichkeiten, Kenntnisse und Handlungskompetenzen festzulegen.
  • Nur selten wird der Faktor Zeit berücksichtigt. Im Betriebsalltag sind Gefährdungsbeurteilungen nicht schnell und beiläufig abzuarbeiten.
  • Die Aktualisierung von Gefährdungsbeurteilungen bezieht sich kaum auf Veränderungen, die durch politische und ökonomische Weichenstellungen bedingt sind. Der Arbeitsschutz muss aber derartige Bedingungen rechtzeitig im Blick haben.
  • Die Wirksamkeitskontrolle von Maßnahmen wird in den Vereinbarungen kaum behandelt. Da Verfahren und Methoden nicht vorgegeben sind, ist das ein wichtiger Gestaltungsbereich.
  • Die Dokumentation von Gefährdungsbeurteilung ist meist Gegenstand allgemein formulierter Regelungen. Nicht erwähnt wird die Dokumentation der eingesetzten Verfahren und Instrumente.
  • Die Beurteilung und Gestaltung psychischer und sozialer Belastungen stellt für die Betriebe ein besonderes Problem dar und wird häufig unzureichend berücksichtigt.

In den Vereinbarungen wird aus den Gefährdungsbeurteilungen kein betriebliches Gesundheitsschutzprogramm abgeleitet. Infolge der Gefährdungsbeurteilung fallen vielfältige Aufgaben im Arbeits-und Gesundheitsschutz aktuell und kontinuierlich an. Sie übersteigen die Ressourcen eines Betriebes, die ungeplant neben dem Produktions- und Dienstleistungsprozess eingesetzt werden können. Eine systematische Planung ist daher erforderlich. Sie sollte ein kurz- und mittelfristiges Programm umfassen, das einen Aufgaben- und Zeitplan enthält und Verantwortlichkeiten beschreibt.

Beteiligung und Mitbestimmung absichern

Das Arbeitsschutzgesetz erweitert nicht nur den Arbeits- und Gesundheitsschutz, sondern zugleich die Beteiligungs- und Mitbestimmungsrechte der Betriebs- und Personalräte. Entsprechende Betriebsvereinbarungen sollten daher sowohl die Betriebsorientierung als auch die Mitbestimmung ausführlich darlegen. Die Regelung dieser beiden Bereiche erweist sich oftmals als schwierig und konfliktreich.

An was sollte der Betriebsrat denken

Präambel

       Zielsetzung
Verständnis von Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz,
ganzheitliche, systematische und kontinuierliche Betrachtung der Arbeitsumwelt,
Grundsätze, Verfahrensregelungen und Instrumente festlegen,
aktive Beteiligungen der Beschäftigten an der Verbesserung der Arbeitsbedingungen,
Missbrauch ausschließen

Geltungs-
bereich

       persönlich
alle Beschäftigten einschließlich Auszubildende und Aushilfskräfte,
Beschäftigte von Fremdfirmen, auch Leiharbeit

       räumlich
alle Betriebe/Betriebsteile,
alle internen und externen Arbeitsplätze

       sachlich
Arbeits- und Gesundheitsschutz,
Gesundheitsförderung

Anlass,
Umfang

       wann: regelmäßig und anlassbezogen

       was: alle Belastungen einbeziehen

       wo: alle Arbeitsplätze oder vergleichbare Gefährdungen zulassen, d. h. definieren

Organi-
sation

       Verfahrensgestaltung
grundsätzliche Verfahrensgestaltung vereinbaren unter Beteiligung der Beschäftigten,
betriebliche Organisationsstrukturen prüfen, anpassen,
Ressourcen ermitteln, bereitstellen: Qualifizierung, Zeit, Geld

       Aufgabengestaltung
Kommissionen, Ausschüsse etc. nutzen oder bilden zur Verfahrenssteuerung, Beratung, Konfliktregelung;
Durchführung der Gefährdungsbeurteilung: Verantwortliche und beteiligte Akteure benennen, Aufgaben und Kompetenzen festlegen;
Beschäftigte beteiligen: Rechte und Pflichten konkretisieren, Formen aktiver Mitwirkung vereinbaren;
Hinzuziehen von externen Sachverständigen wie Beratern oder überbetrieblichen Aufsichtsdiensten

       inhaltliche und methodische Gestaltung
Arbeitsschritte und Phasen der Gefährdungsbeurteilung;
Bestimmung einzubeziehender Daten und Informationsquellen;
Bestimmung belastungsspezifischer Verfahren und Methoden (physisch, psychisch, sozial);
Berücksichtigung von Mehrfachbelastungen und -beanspruchungen;

Auswahl und Festlegung von Methoden

Maß-
nahmen

       Ermittlung und Festlegung von Maßnahmen
Verfahren zur Ableitung und Festlegung von Maßnahmen,
Aufgabenverteilung und Ressourcen klären,
Prioritätenliste zur Umsetzung entwickeln,
differenzierten Umsetzungsplan erarbeiten ,
Durchführung begleiten,
Controlling-Verfahren vereinbaren,
Wirksamkeitskontrolle durchführen und Defizite beheben,
Beschäftigte von der Ermittlung bis zur Wirksamkeitskontrolle beteiligen

Dokumen-
tation

       warum: Zielsetzungen vereinbaren

       was: Inhalte beschreiben; Verfahren und Ergebnisse; wer hat wie mit welchen Ergebnissen die einzelnen Arbeitsschritte und Phasen der Gefährdungsbeurteilung bearbeitet

       wie: Art der Dokumentation, EDV und/oder Papier;
nur aktuelle Daten oder auch ältere Daten aufbewahren, um z. B. Ursachenanalyse bei Erkrankungen zu erleichtern;
zentrale oder dezentrale Aufbewahrung;
Zugang zu Informationen der Dokumentation für unterschiedliche Zielgruppen; 
Datenschutz

Wirksam-
keits-
kontrolle

       wie: Methoden ermitteln

       wer: Verantwortliche und Beteiligte bestimmen, Beschäftigte beteiligen

       was, wann: Arbeitsplan erstellen

Konflikt-
regelungen

       Beschäftigte
Mitarbeiterbeschwerden über Mängel im Arbeits- und Gesundheitsschutz oder bei der Gefährdungsbeurteilung

       Sozialpartner
Differenzen zwischen Arbeitgeber und betrieblicher Interessenvertretung über sachliche Regelungen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung
Konflikte bei der Auslegung von Betriebs-, Dienstvereinbarungen

Gesundheitsschutzprogramm ableiten

Die Gefährdungsbeurteilung zieht in der Regel ein Aufgabenfeld nach sich, das nicht schnell abzuarbeiten ist. Darüber hinaus müssen Aktualisierungen vorgenommen, die Wirksamkeit geprüft und der betriebliche Gesundheitsschutz verbessert werden. Aus der Gefährdungsbeurteilung sollte daher ein kurz- und mittelfristiges betriebsbezogenes Gesundheitsschutzprogramm abgeleitet werden, das einen Arbeits- und Zeitplan beinhaltet.

Weiterführende Informationen:
Hans-Böckler-Stiftung: online-Archiv Betriebs- und Dienstvereinbarungen. Das Archiv Betriebliche Vereinbarungen der Hans-Böckler-Stiftung umfasst knapp 10.000 Vereinbarungen. Auswertungen zu aktuellen Themen mit anonymisierten Textauszügen und weiterführende Hinweise.

Praxishilfe: Kurztest – Beurteilen Sie Ihren Bildschirm-Arbeitsplatz selbst

Kurztest: Beurteilen Sie Ihren Bildschirm-Arbeitsplatz selbst

von Regine Rundnagel

Der Fragebogen zum Selbsttest unterstützt Betroffene am Bildschirmarbeitsplatz. Sie können damit selbst prüfen, ob die wichtigsten Anforderungen an die Ergonomie und den vorbeugenden Gesundheitsschutz an Ihrem Arbeitsplatz erfüllt sind.

Sie können den Fragebogen gleich am Bildschirm ausfüllen und bei Bedarf ausdrucken.

Bei einer großen Zahl von Mängeln (d.h. viele mit "nein" beantwortete Fragen) sollten Sie sich an die verantwortliche Führungskraft wenden. Oder fragen Sie ihre Interessenvertretung.

Der Kurztest ersetzt nicht die Gefährdungsbeurteilung.

 

Ja 

Nein

Bildschirm und Sehen

Der Bildschirm ist für meine Arbeitsaufgaben ausreichend groß.

Der Abstand zum Bildschirm ist ausreichend, um die Informationen gut lesen zu können.

Die Zeichen sind scharf, deutlich, groß genug und gut lesbar.

Die oberste Zeile ist unterhalb der Augenhöhe.

Der Bildschirm flimmert nicht.

Der Bildschirm hat einen Hinweis, das er strahlungsarm ist.
(Prüfsiegel TCO o.a.).

Das Blickfeld ist frei von Blendungen und Spiegelungen.

Der Bildschirm ist zur häufigen Nutzung zentral angeordnet.

Für das Notebook sind Dockingstation, Zusatzbildschirm bzw. -tastatur vorhanden.

Der Sonneneinfall lässt sich komfortabel regulieren.

Es ist ausreichend hell am Schreibtisch und am Bildschirm.

Eine Sichtverbindung nach draußen ist vorhanden.

Tastatur und Maus

Tastatur ist getrennt und flexibel aufstellbar.

Die Maus ist handgerecht und lässt sich gut bewegen (Rechts-/Linkshänder)

Arbeitstisch und Arbeitsstuhl

Für die benötigten Arbeitsmittel und Geräte steht ausreichend Tischfläche zur Verfügung (Standard 160 cm Tischbreite).

Elektrische Leitungen und Anschlusskabel sind sicher abgedeckt verlegt, auch unter dem Tisch.

Fußstützen und Manuskripthalter können bei Bedarf angefordert werden.

Der freie Beinraum am Arbeitstisch ermöglicht guten Bewegungsspielraum.

Die Tischhöhe ist der Körpergröße und Proportion angemessen.

Der Arbeitsstuhl lässt sich leicht einstellen.

Der Arbeitsstuhl ermöglicht eine gute Arbeitshaltung (rechter Winkel Ober-/Unterschenkel, Bodenkontakt, waagrechte Unterarme) und Unterstützung beim Sitzen (hohe durchgehende Rückenlehne, verstellbare Armlehnen und Rückenlehne).

Schränke und Regale lassen sich frei und sicher benutzen.

Raum und Arbeitsumgebung

Am Arbeitsplatz und im Arbeitsraum gibt es ausreichende Bewegungs- und Verkehrsflächen.

Mit dem Stuhl kann ich mindestens 1 m frei zurück rollen.

Ablagen und Abstellflächen sind ausreichend vorhanden.

Während der Arbeit gibt es in der Regel keine Störungen und Belästigungen durch Lärm.

Das Klima ist behaglich, Temperatur und Feuchte angenehm und ohne Zugluft.

Ausreichende Lüftung ist möglich.

Elektrische Aufladungen und elektrische Schläge kommen nicht vor.

Software

Die Software unterstützt meine Arbeitsaufgaben.

Sie ist einfach zu bedienen.

Sie ist auf meine Anforderungen gut angepasst.

Die EDV läuft weitgehend störungsfrei.

Die Ausbildung für die Software/Einweisung ist ausreichend.

Arbeitsorganisation

Ich habe eine abwechslungsreiche Arbeit.

In unserem Abteilung gibt es eine gute Zusammenarbeit.

Wir werden gut informiert und bei EDV- und Organisationsmaßnahmen oder Umbau/Umzug beteiligt.

Das Betriebsklima ist bei uns in Ordnung.

Die Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten in unserem Betrieb sind gut.

Ich komme mit den Anforderungen der Arbeitsaufgaben gut zurecht.

Stress und Zeitdruck kommen vor, aber nicht ständig und sind zu bewältigen.

Vorsorge

Wir werden regelmäßig über Fragen des Gesundheitsschutzes informiert.

Die Vorsorge für Bildschirmarbeit (Augen) wird in Abständen im Betrieb angeboten.

Die Kosten für eine spezielle Bildschirmbrille werden bei uns erstattet.

Gesundheitsbeschwerden bei Augen, Rücken, Armen, Allgemeinbefinden liegen bei mir nicht vor.

Pausen kann ich ungestört nehmen.

Auch Kurzpausen sind regelmäßig pro Stunde möglich.

Meine Arbeitsbedingungen sind gut und weitere Verbesserungen nicht dringlich.

Sonstiges - Verbesserungsvorschläge