Beurteilung der Arbeits­bedingungen – Grundlagen und Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung

Planung: Zusammenfassen nach Art der Tätigkeit und Methodenauswahl

Planung: Zusammenfassen nach Art der Tätigkeit und Methodenauswahl

Bei der Gefährdungsbeurteilung geht es nicht darum, alltägliche Mängel aufzuspüren, wie eine defekte Beleuchtung. Das ist mit den regelmäßigen Kontrollen durch Begehungen, die Arbeit der Sicherheitsbeauftragte und den Meldepflichten der Beschäftigten geregelt. Es geht darum, die grundsätzliche Gestaltung der Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen zu beurteilen, also die ergonomische Eignung des Arbeitsstuhls für die jeweilige Tätigkeit. Es geht auch nicht darum, die gesundheitlicher Gefährdung einzelner Beschäftigten zu ermitteln, sondern es geht um die Beurteilung der Verhältnisse am Arbeitsplatz, dazu kann unter Umständen auch das sicherheitsrelevante Verhalten von Arbeitnehmer gemäß ihrer Unterweisung gehören.

Analyseteam oder Steuerungsgruppe einsetzen

Ein Team aus Verantwortlichen aus der Unternehmensleitung, der Fachkraft für Arbeitssicherheit, dem Betriebsarzt, der Interessenvertretung und der Schwerbehindertenvertretung sollte die Planung, Konzepterstellung, Methodenauswahl, Durchführung und Maßnahmenumsetzung koordinieren. Fachberatung kann somit stattfinden, Entscheidungen können vorbereitet werden, die Beteiligungsrechte von Betriebsrat oder Personalrat sind damit effizient zu organisieren. Es kann in kleinen Betrieben auch der Arbeitsschutzausschuss tätig werden, der sich nach Bedarf öfters trifft.

Die Steuergruppe oder ein kleines Analyseteam kann dann später vor Ort die Ermittlung und Beurteilung der Arbeitsbedingungen vornehmen.

Dokumentationen prüfen

Zur Vorbereitung einer Gefährdungsbeurteilung gehört es, die betrieblichen Informationen (Begehungsprotokolle, Mitarbeiterbefragungen, Ergebnisse von Organisationsentwicklungsmaßnahmen, Arbeitszeitaufschreibungen, Unfall- und Krankheitsstatistiken) auszuwerten. Sie können bereits Teile der Analyse darstellen, später ergänzend in die Beurteilung einbezogen werden, oder es lassen sich damit Prioritäten setzen.

Betrachtungseinheiten nach Art der Tätigkeit festlegen

Grundsätzlich müssen alle Arbeitsplätze in die Gefährdungsbeurteilung einbezogen werden. Gleichartige Arbeitsplätze lassen sich zusammenfassen, wenn die Gefährdungen und Belastungsfaktoren vergleichbar sind. Gibt es nur ein Modell des Arbeitsstuhls oder des Bildschirmgerätes für eine Tätigkeit, dann ist die Prüfung eines Exemplars ausreichend. Auch vergleichbare Arbeitsprozesse können möglicherweise beispielhaft beurteilt werden.

Der gesamte Betrieb sollte also systematisch in Betrachtungseinheiten (Sekretariate, Call-Center, Entwicklungsabteilung, Vertrieb) unterteilt werden, um später arbeitsplatz- und tätigkeitstypische Ergebnisse zu erhalten und gezielt Maßnahmen entwickeln zu können.

Für Personengruppen, die unterschiedliche Tätigkeiten in unterschiedlichen Arbeitsbereichen ausführen (z.B. Facility Management, Reinigungskräfte) können gesonderte Analyseeinheiten gebildet werden. Wichtig ist es auch die Dauer der Tätigkeiten zu erfassen.

Sind mehrere Arbeitgeber in einer Arbeitsstätte tätig, müssen sich diese über das Vorgehen abstimmen. Arbeitsplätze bei Kunden oder im home office sind ebenso zu betrachten und das betriebliche Verfahren abzustimmen.

Konzept erstellen und Methoden auswählen

Auf dieser Grundlage lässt sich das konkrete Vorgehen planen und aus den notwendigen Untersuchungsbereichen, Schritten und Methoden ein Konzept erstellen. Der Gesetzgeber schreibt keine konkreten Methoden vor, er verweist bei Arbeitsstätten und Arbeitsmitteln auf die Fachkunde. Die Arbeitsschutzfachkräfte stehen beratend zur Verfügung.

Das gesamte Vorschriften- und Regelwerk des staatlichen Arbeitsschutzes und der Unfallversicherungsträger (Berufsgenossenschaften und Unfallkassen – zusammengefasst im Dachverband DGUV) ist die Grundlage der Ermittlung und Beurteilung. Hier sind die Mindestanforderungen an sichere und gesunde Arbeit definiert. Werden diese als Beurteilungskriterien für das Gefährdungsrisiko genutzt und die notwendigen Maßnahmen entsprechend ausgerichtet, besteht Rechtssicherheit für die Verantwortlichen.