Beurteilung der Arbeits­bedingungen – Grundlagen und Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung

Anlässe der Beurteilung

Grundsätzlich ist die Gefährdungsbeurteilung vorausschauend vor Inbetriebnahme eines Arbeitsplatzes und einer Arbeitsstätten durchzuführen. Anlässe einer Aktualisierung der Gefährdungsbeurteilung sind betriebliche Veränderungen, die sich auf Sicherheit und Gesundheitsschutz auswirken.

Anlässe der Gefährdungsbeurteilung bzw. ihrer Überprüfung/Aktualisierung

  • im Planungsstadium von Arbeitsräumen und Arbeitsplätzen und ebenso von Arbeitsabläufen (vorausschauende Gefährdungsbeurteilung anhand der Vorschriften, der Technischen Regeln, des Stands der Technik, der Ergonomie u.a. unter Berücksichtigung der Leistungsvoraussetzungen der Beschäftigten/Alter)
  • vor Inbetriebnahme eines Arbeitsplatzes oder Arbeitsmittels 
  • bei Veränderungen von Arbeitsplätzen und Arbeitsaufgaben, die zu Veränderung von Gefährdungen und Belastungen führen können (z.B. Umbau der Arbeitsstätte oder der Arbeitsplätze, Änderung von Verfahren, Abläufen und Arbeitsorganisation, Einsatz neuer Geräte, EDV oder sonstiger Arbeitsmittel) 
  • bei verschiedenen Betriebszuständen (Normalbetrieb, Reinigung, Instandhaltung), 
  • bei Maßnahmen des Einrichten der Arbeitsstätte wie Umbau und Ausstattung der Arbeitsplätze, bei seltenen Tätigkeiten, Überfällen, Brand, Störungen 
  • wenn Beschäftigte wechseln und sich dadurch Gefährdungen für Personengruppen ändern könnten (z.B. junge unerfahrene Beschäftigte, Behinderung von Beschäftigten) 
  • wenn auf die Arbeitsbedingungen zurückführbare Beschwerden auftreten, bei hoher Unfallhäufigkeit oder hohen Krankenständen oder Hinweisen der Betriebsärzte aus der arbeitsmedizinischen Vorsorge 
  • wenn neue arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse bzw. ein neuer Stand der Technik eine Neubeurteilung erforderlich machen 
  • wenn neue gesetzliche Vorgaben oder neue Technische Regeln eine Wiederholung erforderlich machen

Die Gefährdungsbeurteilung muss aktuell sein.

Gefährdungsbeurteilung als kontinuierlicher Prozess

Die Gefährdungsbeurteilung ist kein einmaliger Vorgang. Die Verpflichtung, Verbesserungsmaßnahmen auf ihre Wirksamkeit hin zu überprüfen, macht es erforderlich, im Betrieb ein regelmäßiges Verfahren zu etablieren. Auch fordert das Arbeitsschutzgesetz, die Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten anzustreben. Damit wird der Arbeits- und Gesundheitsschutz im Betrieb als ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess verankert, so wie alle anderen Prozesse des Qualitätsmanagements in einem Unternehmen.

Die Gefährdungsbeurteilung ist der zentrale Teil des Ablaufes mit folgenden Schritten

Die sieben grundsätzlichen Schritte der Gefährdungsbeurteilung

  1. Vorbereitung/Planung: Bereich, Tätigkeit oder Gegenstand der Beurteilung abgrenzen
  2. Ermittlung der Gefährdungen und Belastungen: Analyse der Arbeitssituation und der einzelnen Elemente mit jeweils geeigneten Analysemethoden
  3. Beurteilung der Ergebnisse: Bewertung der Gefährdungen, Risikoeinschätzung, Festlegen des Handlungsbedarfs
  4. Maßnahmen entwickeln: Festlegen konkreter Arbeitsschutzmaßnahmen nach dem Stand der Technik und der gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse, Beachtung der Rangfolge der Schutzmaßnahmen
  5. Durchführen der Maßnahmen
  6. Überprüfen der Wirksamkeit der Maßnahmen
  7. Aktualisieren, Fortschreiben der Gefährdungsbeurteilung Anpassung an sich geänderte betriebliche Gegebenheiten

Wenn aus der ersten Analyse keine ausreichend wirksamen Maßnahmen entwickelt werden konnten, kann eine erneute vertiefende Analyse notwendig werden. Diese Schritte sind zu dokumentieren, schreibt das Arbeitsschutzgesetz vor.

Wichtige Voraussetzungen bei diesem Prozess sind die Beteiligung von Betriebs- und Personalräten. Beschäftigte sollen informiert und beteiligt werden.

Ziel muss es sein, das Verfahren in die betrieblichen Managementprozesse zu integrieren, denn nur so kann der Prozess effizient gestaltet werden.