Betriebliche Gesund­heits­förderung

Hintergrund zur betrieblichen Gesundheitsförderung

Grundverständnis Salutogenese statt Pathogenese

Betriebliche Gesundheitsförderung basiert auf Forschungen zur Salutogenese. Die fragt: „Was erhält Menschen trotz vieler gesundheitsgefährdender Belastungen gesund?“ Die Bedeutung von verstehbaren, handhabbaren und sinnvoll erlebten Lebens- und Arbeitsbedingungen spielt dabei eine große Rolle, sie stärken Selbstvertrauen und Fähigkeiten der Menschen zur Bewältigung von schwierigen Anforderungen und erhalten auf diese Weise gesund.

Konzept von Aaron Antonovsky (israelisch-amerikanischer Professor der Soziologie, gilt als Vater der Salutogenese):

Als zentralen Faktor für Gesundheit sah Antonovsky den „sense of coherence SOC“ – das ‚Kohärenzgefühl’ als eine grundsätzliche globale Orientierung im Sinne eines „dynamischen wie beständigen Gefühls des Vertrauens…“ Dieses setzt sich aus drei Komponenten zusammen: Verstehbarkeit (comprehensibility), Gefühl von Bedeutsamkeit oder Sinnhaftigkeit (meaningfulness) und Handhabbarkeit (manageability). Antonovsky hat mit seinem Salutogenese-Modell den Gegensatz von Gesundheit und Krankheit überwunden. Menschen bewegen sich aktiv zwischen den Polen Krankheit und Gesundheit. Jeder Organismus ist ständig aktiv zur Herstellung von Gesundheit.

Die betriebliche Gesundheitsförderung schafft Bedingungen, um persönliche Gesundheitspotenziale zu stärken. Damit lassen sich gezielt Arbeitsbelastungen verringern und ebenso gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen und Verhaltensweisen der Beschäftigten entwickeln.

Internationales Grundverständnis und europäische Leitlinien

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat in ihrer Ottawa Charta im Jahr 1987 zum ersten Mal Aussagen zur Gesundheitsförderung gemacht. Gesundheit wird dabei umfassend als körperliches, psychisches und soziales Wohlbefinden verstanden. Die Luxemburger Deklaration zur betrieblichen Gesundheitsförderung aus dem Jahr 1997 (siehe Handlungshilfe), der sich viele Großbetriebe angeschlossen haben, versteht darunter alle Maßnahmen von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Gesellschaft zur Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz, als Verknüpfung von Verbesserungen der Arbeitsbedingungen mit einer aktiven Mitarbeiterbeteiligung und Stärkung der persönlichen Kompetenzen.

Veränderte Arbeitsbedingungen und Folgen

Der tiefgreifende Wandel der Arbeitswelt hat zu einem deutlichem Anstieg der psychischen Arbeitsbelastungen geführt, ausgelöst durch Arbeitsverdichtung, Stress, ausufernde Arbeitszeiten und Angst um den Arbeitsplatz. Längst sind auch Menschen in Büros betroffen. Sie haben ein erhöhtes Risiko für arbeitsbedingte Erkrankungen, leiden an Rückenbeschwerden und psychischen Erkrankungen.

Aktivitäten der Gesundheitsförderung stehen mittlerweile an vorderster Stelle beim Gesundheitsschutz in Betrieben und wurden durch das Präventionsgesetz gestärkt. Viele Unternehmen richten ein Gesundheitsmanagement ein und benennen Gesundheitsmanager/innen. Mit dem Ziel, Krankenstände zu senken und die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten zu steigern. Als Begründungen werden oft Veränderungen bei den Belastungen, steigende Ausfalltage durch psychische Erkrankungen, die demografische Entwicklung und älter werdende Belegschaft sowie Vereinbarkeit von Beruf und Familie angesichts des Bedarfs an Fachkräften genannt. Gesundheitsförderung gilt auch als Aushängeschild großer Unternehmen.

Unternehmen haben Interesse an gesunden und motivierten Mitarbeiter/innen. Beschäftigte möchten bis zum Rentenalter fit bleiben. Eine wirksame Gesundheitsförderung liegt damit grundsätzlich in beiderseitigem Interesse. Oft wird der Schwerpunkt bei der betrieblichen Gesundheitsförderung allerdings überwiegend auf das Gesundheitsverhalten der Beschäftigten gelegt und weniger auf die Veränderung von Arbeitsbedingungen.

Eine repräsentative Erhebung im Auftrag der AOK aus dem Jahr 2013 zeigt, das 79 Prozent der Beschäftigten in Deutschland Gesundheitsförderung wichtig finden, allerdings nur ein Viertel schon einmal an Aktivitäten teilgenommen hat.

Bild 1: AOK - Umfrage 2013: Was tun Betriebe für den Gesundheitsschutz? (Quelle AOK)

Handlungsfelder der betrieblichen Gesundheitsförderung

Gesundheitsförderung sollte in gleicher Weise Arbeitsbelastungen und das gesundheitsbezogene Verhalten der Beschäftigten in den Blick nehmen. So findet eine Verknüpfung von verhältnis- und verhaltensorientierter Prävention statt. Oft lässt sich das nicht trennen, viele Maßnahmen umfassen beides.

Die vom Bundesgesundheitsministerium vorgeschlagenen Themen der betrieblichen Gesundheitsförderung findet man häufig in Unternehmen.

Empfehlung des Bundesgesundheitsministeriums

  • arbeitsbedingte körperliche Belastungen – Rückengesundheit - Bewegung
  • Ernährung und Betriebsverpflegung
  • psychosoziale Belastungen (Stress)

o Förderung individueller Kompetenzen zur Stressbewältigung am Arbeitsplatz
o gesundheitsgerechte Mitarbeiterführung

  • rauchfrei im Betrieb
  • Suchtmittelkonsum
  • Demografischer Wandel – alternsgerechtes Arbeiten
  • Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Work-Life-Balance 
  • Vorsorgeangebote

Quelle: Bundesgesundheitsministerium: Betriebliche Gesundheitsförderung – Einstieg und erste Schritte.