Stress managen - Umgang mit Hektik und Arbeitsdruck

Den Stress vermindern

Empfehlungen zur Stressverminderung sind ein heikles Unterfangen. Wenn ein Team chronisch unterbesetzt ist, ein Projekt dem nächsten folgt und kein Ende in Sicht ist, hilft ein Seminar zum besseren Zeitmanagement wenig. Das kann sogar kontraproduktiv sein, weil versteckte Pausen identifiziert und gekillt werden. Wenn am Telefon Dauerfreundlichkeit gefordert ist wie im Call Center, sind Empfehlungen, dem eigenen Biorhythmus zu folgen, reichlich nutzlos. Wer in der Leiharbeit festhängt, wird sich über die Ermunterung, doch eine Entspannungstechnik zu lernen, zu Recht ärgern.

Es gibt auffallend mehr Ratschläge, wie Beschäftigte das eigene Verhalten verändern können, als tatsächlich die Verhältnisse zu ändern, die im Job zu Stress führen. Wichtig ist demnach herauszufinden, woher der Stress kommt und die Ursachen zu beseitigen. 

Was ein Team tun kann

Ein gemeinsames Vorgehen ist in der Regel erfolgreicher als Alleingänge. Besonders in Teams, denen Verantwortung für Budgets oder Ergebnisse übertragen werden oder die zusammen ein Projekt stemmen, ist es wichtig, dass Einzelne nicht ungewollt von den Anderen unter Druck gesetzt werden und dadurch länger arbeiten oder Arbeit mit nach Hause nehmen. Oder sich eine Teamkultur breitmacht, in der jeder, der regulär Feierabend macht, scherzhaft gefragt wird, ob er einen Gleittag genommen hat. Ratsamer ist es, sich gemeinsam zu überlegen, woran es hängt, wenn alle durchhängen, und gemeinsam vorzugehen. Einer allein wird beim Vorgesetzten nicht durchdringen, alle gemeinsam werden sich eher Gehör verschaffen.

Prüfliste für Teams  Identifizierung von Stressursachen:

  • Sind die Ziele, die dem Team gesetzt wurden, realistisch? Braucht das Team mehr Ressourcen, etwa mehr Personal? Wer könnte bei der Umsetzung, etwa für mehr Personal, helfen? 
  • Ist der Zeitplan realistisch? 
  • Können schon jetzt längere Erholphasen nach Projektende eingeplant werden? 
  • Ist es möglich, sich gemeinsam auf Pausen zu verständigen, damit alle – ohne schlechtes Gewissen - zu ihren Erholzeiten kommen? 
  • Ist es möglich, die Arbeitsumgebung angenehmer zu machen, Lärm zu vermindern, Unterbrechungen zu vermeiden und störungsfreie Zeiten zu schaffen? 
  • Kann es helfen, Arbeit im Team umzuverteilen
  • Kann sich das Team darüber verständigen, an bestimmten Tagen pro Woche pünktlich Feierabend zu machen?

Wenn Teams oder Projektgruppen ihre Situation gemeinsam offen beurteilen, haben sie gute Chancen, Schritte zur Stressminderung umzusetzen.

Was tun bei Überlastung, die zu Personalausfällen führt

Hohe Krankenstände, die auf Arbeitsüberlastungen zurückzuführen sind und für die es sichtbare arbeitsbedingte Ursachen gibt, sind ein Thema für den betrieblichen Gesundheitsschutz. Burnout, Herz-Kreislauferkrankungen, Rückenschmerzen und andere Folgen von Dauerstress nutzen niemandem; die noch Gesunden werden stärker belastet, die Betroffenen gefährden ihre Leistungsfähigkeit, die Verantwortlichen ihre Zielvorgaben.

Geeignete Ansprechpartner sind Betriebsarzt, Führungskräfte, Betriebs- und Personalräte oder die internen Arbeitsschutzverantwortlichen. Der Betriebsarzt hat Schweigepflicht und die Interessenvertretungen die gesetzliche Aufgabe, sich zu kümmern.

Beschäftigte sind sogar verpflichtet, Mängel des Gesundheitsschutzes bei der Arbeit zu melden – sonst kann Gesundheitsschutz auch nicht sinnvoll funktionieren.

Bild 2: Kurze Unterbrechungen mit Bewegung lohnen sich. (Bild: Chiarina Fazio, Rechte: ergo-online)

    Was man selbst bei der Arbeit tun kann

    Wer vor lauter Arbeit nicht mehr ein noch aus weiß, tendiert dazu, die Pausen zu streichen, und tut sich damit nichts Gutes. Pausenloses Arbeiten führt zu Leistungsabfall, man braucht länger und länger, um seine Arbeit zu erledigen. Pausen sind wichtig, um die Energiereserven wieder aufzufüllen. Allerdings sollte man Pausen nicht vor dem Computer verbringen, selbst wenn dort Privates erledigt wird. 

    Wer seine Arbeit selbst einteilen kann, kann sie dem eigenen Biorhythmus anpassen. Ist das Leistungshoch am frühen Vormittag, sollte man sich um diese Zeit mit Arbeit beschäftigen, die viel Konzentration verlangt, und nahe dem Tiefpunkt eher Telefonate erledigen und Termine vereinbaren. 

    Wenn es die Tätigkeit zulässt, sollte man die Stille Stunde einführen, eine Zeit, in der man ungestört von Mails, Besuchen und Telefonaten konzentriert arbeiten kann. 

    Eine Zeitplanung mit Wochen- und Monatsplänen sowie eine To-do-Liste für den Tag sollte immer Puffer für Unvorhergesehenes enthalten. Auch hier gilt: eins nach dem anderen anpacken, Dinge möglichst nicht mehrmals anpacken, sondern mit einem Mal abschließen. 

    Eines ist wichtig: Wer aufgrund von Arbeitsüberlastung seine Arbeitsaufträge und seine arbeitsvertragliche Leistung nicht mehr mit der vorgegebenen Qualität erfüllen kann, sollte das anzeigen („Überlastungsanzeige“), um nicht für daraus folgende Schäden haften zu müssen.