Grenzen respektieren – die Balance zwischen Arbeitszeit und Erholzeit finden

„Vertrauensarbeitszeit“ – wer vertraut wem?

Mit dem Kind zum Arzt zu gehen, ohne dafür Urlaub nehmen zu müssen. Morgens Sport machen und später ins Büro kommen, ohne im Stau zu stecken. Sich mit Freunden verabreden und die Arbeit spät abends von zu Hause aus erledigen. Das klingt gut. Nach Autonomie und freier Zeiteinteilung. Das ist prinzipiell möglich mit der sogenannten Vertrauensarbeitszeit.

Zunächst: Der Begriff „Vertrauensarbeitszeit“ ist nicht klar definiert. In der Regel versteht man darunter, dass die Zeiterfassung abgeschafft ist und nicht mehr die zeitliche Präsenz eines Beschäftigten im Vordergrund steht, sondern die Erledigung der Aufgaben. Wann und wie jemand was tut, wird weitgehend ihm überlassen.

Allerdings bedeutet „Vertrauensarbeitszeit“ nicht völlige Freiheit. Jemand muss dennoch seinen arbeitsvertraglichen Pflichten nachkommen und die Arbeitszeit ableisten, die dort festgelegt wurde. Gesetze, wie das Arbeitszeitgesetz und das Arbeitsschutzgesetz, sind einzuhalten, ebenso wie Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen. Tatsächlich es so, dass die Erfassung der Arbeitszeit an den Beschäftigten delegiert wird.

Faktisch führt „Vertrauensarbeitszeit“ häufig zu längeren Arbeitszeiten. Das Ziel ist entscheidend; die Zeit, die dafür aufgewendet wird, tritt in den Hintergrund. Bei dieser Form der Arbeitsorganisation vertraut das Unternehmen demnach darauf, dass der Beschäftigte so lange arbeitet, bis das Projekt mit Erfolg beendet ist. Egal, wie lange er dafür braucht.

Vorteile: 

  • Zu spät kommen gibt es nicht mehr.
  • Es gibt keinen Grund mehr, am Arbeitsplatz bleiben zu müssen, wenn die Arbeit erledigt ist.
  • Persönliche und familiäre Bedürfnisse und Pflichten lassen sich besser mit der Arbeit vereinbaren.

Nachteile:

  • Wenn Arbeitszeiten nicht erfasst werden, fehlt die Kontrolle, wie lange tatsächlich gearbeitet wurde.
  • Wenn die Kontrolle fehlt, gibt es auch keine Mehrarbeit mehr, die mit Freizeit oder Geld ausgeglichen wird.
  • Der Wert von Arbeit sinkt. Die Arbeit, die über die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit hinausgeht, wird gratis geleistet.
  • In der Regel wird länger als vertraglich vereinbart gearbeitet.

Fazit: Zeiterfassung bekommt nun eine andere Bedeutung als die eines Kontrollinstrumentes durch den Arbeitgeber. Gibt es keine Zeiterfassung (mehr) im Betrieb, ist es hilfreich, die Arbeitsstunden für sich selbst zu notieren. Damit wird sichtbar, wie viel Arbeitszeit in welche Aufgaben geflossen ist. Mit der eigenen Zeiterfassung können Beschäftigte kontrollieren, ob sie nicht mehr arbeiten, als ihnen bezahlt wird und eventuell auch, wo sie Arbeitszeitaufwände einsparen können.