Grenzen respektieren – die Balance zwischen Arbeitszeit und Erholzeit finden

Immer länger und immer präsent

Arbeitszeiten werden länger,  eine Normalarbeitswoche haben immer weniger

Arbeitsstress hat in den vergangenen zwei Jahren zugenommen. Das sagten 43 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland in einer repräsentativen Umfrage unter 18.000 Beschäftigten. (vgl. Stressreport 2012, hg. von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin) Ein Grund dafür sind die überlangen Arbeitszeiten und die Wochenend-, Nacht- und Feiertagsarbeit. Und das trifft immer mehr Beschäftigte. Weil Geschäfte länger offenbleiben und früher geöffnet werden  dürfen, weil sich ein Trend zum „Rund-um-die-Uhr-Service“ breitmacht und permanente Einsatzbereitschaft gefragt ist.

Arbeitszeiten nehmen zu:

  • Fast zwei Millionen Menschen arbeiten mehr als 48 Stunden pro Woche.
  • Jeder Vierte (8,9 Millionen) arbeitet ständig oder regelmäßig am Wochenende.
  • Sechs Millionen arbeiten in Schicht (2011)

Das ist eine Steigerung von 20 bis 30 Prozent innerhalb von zehn Jahren.

Die Folgen sind spürbar 

Lange Wochenarbeitszeiten mindern die Erholung. Wer über 40 Stunden in der Woche arbeitet, hat deutlich häufiger Gesundheitsbeschwerden. 

Rufbereitschaft belastet das Privatleben und führt oft zu überlangen Arbeitszeiten. 

Nacht- und Schichtarbeit ist ein Leben gegen die „innere Uhr“. Arbeit in der Nacht ist gesundheitsschädlich. Das Risiko gesundheitlicher Probleme und Erkrankungen ist höher als bei Tagarbeitern. Nacht- und Schichtarbeit schadet dem Familienleben und macht es schwer, an sozialen Aktivitäten teilzunehmen. Solche Beeinträchtigung können zu persönlichem Rückzug und Isolation führen.

Die permanente Erreichbarkeit nimmt zu

Handys und Internetzugang zu Hause und unterwegs machen es möglich: Man ist jederzeit und an jedem Ort erreichbar. Auch im Urlaub, wenn es sein muss; schließlich soll der Kunden zufrieden sein oder das Projekt nicht aus dem Ruder laufen.

In einigen Betrieben ist die permanente Erreichbarkeit üblich. Nach einer Studie des Fachverbandes Bitkom aus dem Jahr 2011 sind 88 Prozent der Beschäftigten in der Freizeit erreichbar, von rund einem Drittel wird es sogar erwartet. Knapp die Hälfte der Beschäftigten stört das, vor allem Ältere.

Nicht abschalten können und das Gefühl, dass alles zu viel wird, ist die Folge, wenn das Handy ständig an ist. Das ergab eine Untersuchung der Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) von 2012. Die Erholung in der Freizeit kann dadurch deutlich beeinträchtigt werden.