Grenzen respektieren – die Balance zwischen Arbeitszeit und Erholzeit finden

Flexible Arbeitszeit – die richtige Balance finden

Bild 1: Balance finden. (Bild: Chiarina Fazio, Rechte: ergo-online)

    Unter Work-Life-Balance wird das Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben verstanden. Lange Zeit galten flexible Arbeitszeiten als Königsweg, um beides miteinander zu vereinbaren. Das wird heute kritischer gesehen. Weil sich Arbeitswelt rasant gewandelt hat. Viele Beschäftigte sind permanent erreichbar. Arbeit findet demnach auch in der Freizeit, im Urlaub und nach Feierabend statt. Arbeitsorte variieren.

    Gearbeitet wird abwechselnd unterwegs, zu Hause und im Betrieb. Gearbeitet wird immer dann, wenn Arbeit anfällt. So dass die Arbeitszeitkonten der flexiblen Arbeitszeitsysteme bis zum Anschlag gefüllt sind. Abgeschmolzen werden sie in Krisenzeiten oder in auftragsarmen Phasen. Das kommt häufiger den Unternehmen und seltener dem Bedürfnis der Beschäftigten entgegen. Flexible Arbeitszeiten, wie mobile Arbeit, Telearbeit oder „Vertrauensarbeitszeit“, führen demnach nicht automatisch dazu, Arbeit und Leben in einen besseren Einklang zu bringen.  

    Damit Arbeitszeiten nicht ausufern, können betriebliche Regeln helfen:
    Arbeitszeiten dürfen nicht verfallen. Sie sollten vollständig erfasst und möglichst mit Zeitausgleich vergütet werden. 

    Arbeitszeitkonten sollen den Beschäftigten dazu dienen, auch ihre eigene Arbeit stärker auf ihre individuellen Bedürfnisse abzustellen. Über den Abbau von Zeitguthaben müssen die Beschäftigten selbst entscheiden können. Mit ausreichend Vorplanung und Abstimmung kann das im Team und mit Vorgesetzten realisierbar sein. 

    Wo Arbeitszeiten über gesetzte Grenzen ausufern (die Ampel des Arbeitszeitkontos steht auf Rot) muss gehandelt werden, indem Plusstunden beispielsweise sofort abgebaut werden. Leistungsbedingungen und Personalbemessung sind zu hinterfragen. 

    Wird Mehrarbeit angesetzt, muss sie planbar bleiben. Wer trotzdem mal schnell von heute auf morgen einspringt, verdient einen besonderen Zuschlag.

    Auch unter Kollegen und Kolleginnen und im Team kann man etwas tun:

    Checkliste Arbeitszeitkultur

    Wie sieht es mit der Zeitkultur aus?

    • Gibt es im Betrieb eine Art Präsenzkultur? Nach dem Motto: Nur wer lange am Arbeitsplatz verharrt, ist ein guter Mitarbeiter und erhält Anerkennung oder Entwicklungschancen? 
    • Werden Beschäftigte, die pünktlich Feierabend machen, belächelt („Na, arbeitest du neuerdings halbtags?“)? 
    • Wird es als selbstverständlich angesehen, dass alle länger arbeiten? 

    Welche Gründe gibt es dafür? 

    • Woran liegt es, dass Arbeitszeiten ausufern? Fehlt Personal? Gibt es ständig neue Aufträge und Projekte, ohne dass Personal aufgestockt wird?
    • Gibt es Konflikte, weil einige Beschäftigte auf geregelte Arbeitszeiten drängen und andere mit hoher Einsatz- und Leistungsbereitschaft ungewollt die Maßstäbe im Betrieb nach oben setzen?

    Wie kommt man zu einer gesünderen Kultur?

    • Kann man sich darüber verständigen, dass auch ein pünktlicher Feierabend ein Zeichen von Leistungsfähigkeit ist?
    • Und dass Normalarbeitszeiten nötig sind, um Beruf und Familie vereinbaren und bis zur Rente leistungsfähig sein zu können? 
    • Ist es möglich, sich im Team über gemeinsame Pausen und eine „Deadline“ (keiner arbeitet länger als 18 Uhr) zu verständigen?
    • Kann sich das Team darüber verständigen, dass niemand im Urlaub angerufen wird, um Dienstliches zu erledigen, und dass es keine dienstlichen Anrufe und Mails nach Feierabend gibt?