Wertschätzung

Führungskräfte und Beschäftigte als Kulturgestalter

Wertschätzender Umgang und damit einhergehendes Wohlbefinden sind auch eine Frage der Unternehmenskultur. Im DGB-Index Gute Arbeit  gaben fast 90% der Befragten an, dass die Unternehmenskultur einen hohen oder sehr hohen Einfluss auf die Mitarbeitergesundheit hat (Buntenbach &  Pauli in Marianne Giesert: Prävention: Pflicht und Kür, 2008). Diese wird maßgeblich von Führungskräften gestaltet. Aber das sollte nicht als Argument dienen, trotzig die Arme vor der Brust zu verschränken mit der Einstellung „erst mal sollen die! wenn die es vorleben, dann werd’ ich auch …“. Denn Wertschätzung für Kollegen kann jeder – unabhängig von Gehaltsstufe oder Hierarchieebene – zeigen. Jeder kann etwas für ein wertschätzenderes Miteinander tun, und jeder profitiert davon, ebenso das ganze Team.

Checkliste „Alarmsignale für mangelnde Wertschätzung“

  • morgendliche Begrüßung wird nur in den Bart genuschelt
  • Kontakte werden vermieden; Einzelgängertum überwiegt
  • Fehler werden verschwiegen / mit großem Aufwand verheimlicht
  • Betriebsfeste werden schlecht besucht oder für überflüssig gehalten
  • Worte wie „bitte“ und „danke“ haben Seltenheitswert
  • Kollegen fühlen sich von Informationen ausgeschlossen
  • es herrscht ein rauer Umgangston, anerkennende Worte fehlen
  • jeder kümmert sich ausschließlich um den eigenen Aufgabenbereich
  • Sozialräume oder Waschräume sind verdreckt
  • Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung, Gefährdungsbeurteilung,   Betriebsarztpraxis, Sozialberater-Tätigkeit, Betriebsratsarbeit, Gespräche mit Arbeitsschützern zeigen: „es rumort im Gebälk“

Die Unternehmenskultur wird geprägt von jedem Beschäftigten im Betrieb. Das Geheimnis liegt nicht in „dem großen Wurf“ oder einer tollen Strategie für mehr Wertschätzung. Die kann „obendrauf“ kommen. Aber die unverzichtbare Basis für einen lebendigen Prozess in diese Richtung sind die vielen kleinen wertschätzenden Gesten im alltäglichen Miteinander. Jede/r sollte sich immer wieder vor Augen führen, dass er oder sie ein Mitgestalter der Unternehmenskultur ist.

Einfache Tipps für mehr Wertschätzung

  • Geben Sie großzügig und lächelnd, aber ohne emotionalen Überschwang, Bestätigung und positives Feedback!
  • Sprechen Sie ausschließlich so über abwesende Dritte, dass diese auch dabei sein könnten.
  • Sprechen Sie nach Möglichkeit überhaupt nur positiv über Ihre Führungskraft, Ihr Team, Ihre Kollegen, Ihren Betrieb (idealerweise sogar über die Kantine …)!
  • Beziehen Sie Position gegen Lästerei! Verhindern Sie Ausgrenzungen und ergreifen Sie im Zweifelsfall Partei für die Schwachen! Vermeiden Sie Informationsgefälle innerhalb des Teams.
  • Verhindern Sie Grüppchenbildung, indem Sie abwechselnd zu allen Kontakt halten, beispielsweise in den Pausen. Gehen Sie mit jeder Gruppe mal zum Mittagessen.
  • Sehen Sie Unterschiedlichkeit als Stärke! Beziehen Sie Außenseiter bewusst mit ein. Fragen Sie sie nach ihrer Meinung, pflegen Sie den Kontakt.
  • Machen Sie aus Ihrem Herzen keine Mördergrube! Seien Sie offen (geben Sie dabei einen Vertrauensvorschuss!) und berichten Sie den anderen, wie es Ihnen gerade geht.
  • Trauen Sie den Kollegen etwas zu! Glauben Sie an einander, und gewähren Sie auch dabei einen Vertrauensvorschuss!
  • Sprechen Sie Bauchgrummeln frühzeitig an. Besser, ein Konflikt wird offen ausgetragen, als dass er um des lieben Friedens willen unter den Teppich gekehrt wird und unerkannt schwelt.
  • Lassen Sie Ihr Lächeln für Sie arbeiten …!

Wertschätzung in Gefährdungsbeurteilung aufnehmen

Wertschätzung und soziale Rückmeldung sind zwei zentrale "Humankriterien" von Arbeit, die als Ressourcen zur Bewältigung der täglichen Arbeitsanforderungen  und damit zur Gesundheitsprävention beitragen. Das gehört heute zu den gesicherten arbeitspsychologischen Erkenntnissen und ist breit anerkannt. Sie gehören als Analysekritierien in die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen.  


Der Artikel ist modifiziert übernommen aus: Matyssek, A.K. (2011), "Wertschätzung im Betrieb: Impulse für eine gesündere Unternehmenskultur".

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