Wertschätzung

Definition

Wertschätzung ist zugleich ein menschliches Grundbedürfnis und eine Haltung, die sich in einer wohlwollenden Lenkung der Aufmerksamkeit auf positive Aspekte des Gegenübers zeigt und sich in – insbesondere kommunikativem - Verhalten ausdrückt.

Ebenso haben auch Wertschätzungsdefizite Folgen für den Betrieb: Wer sich nicht wertgeschätzt fühlt (und laut INQA - www.inqa.de - würde dies jeder Zweite in Bezug auf seine Führungskraft behaupten), reagiert auf diese Kränkung nicht nur in emotionaler Hinsicht, etwa mit Ärger oder Hilflosigkeit. Auch der Körper wird in Mitleidenschaft gezogen, beispielsweise in Form von erhöhtem Blutdruck und Stresshormon-Ausschüttung, was langfristig dem Herz-Kreislauf-System schaden kann. Vereinfacht gesagt: Wenn die Psyche sich gekränkt fühlt, wird der Körper krank. Wertschätzungsmangel schadet also der Gesundheit des einzelnen.

Bild 1: Zusammenhang zwischen Kränkung und Krankheit. (Quelle: A. K. Matyssek)

Wertschätzung ist ein Produktivitätsfaktor

Neurobiologische Studien (bspw. Bauer, 2006, S. 21, „Prinzip Menschlichkeit“) belegen, dass Menschen auf soziale Resonanz und Kooperation ausgelegte Wesen sind. Wir wollen zwischenmenschliche Anerkennung und Zuneigung finden und geben. Es motiviert uns, von anderen gesehen zu werden. Bauer schreibt dazu: „Die Motivationssysteme schalten ab, wenn keine Chance auf soziale Zuwendung besteht.“

Und sie fahren hoch, sobald diese Chance besteht … Das ist gut für die Führungskraft – sie erreicht ihre Ziele – und für den gesamten Betrieb. Die Identifikation mit dem Unternehmen wird gestärkt. Das Gefühl des Eingebunden-Seins wächst. Wer sich zugehörig fühlt, fühlt sich wohl. Er traut sich etwas zu und engagiert sich stärker, auch bei schwierigen Aufgaben, weil das Selbstbewusstsein gewachsen ist. Auch unter widrigen Bedingungen hält er länger durch. Seine Stimmung ist positiv.

Er honoriert die Wertschätzung in der Regel mit vermehrtem Arbeitseinsatz und größerer Flexibilität, z.B. bei Vertretungseinsätzen oder der Bereitschaft zu ungünstigen Schichten. Man kann sagen: Wertschätzung, das ist die eigentliche Führungskraft einer Führungskraft. Ein Vorgesetzter kann nur dann aktiv führen und gestalten, wenn die Beschäftigten sich führen lassen. Wo diese Bereitschaft fehlt, steht er selber rasch auf dem Abstellgleis.

Wenn Menschen sich einbringen und ihr Potenzial entfalten können, dann fühlen sie sich wertgeschätzt, ohne dass die Führungskraft ständig Lob aussprechen muss. Das Übertragen von Verantwortung ist daher eine Wertschätzungsvariante für Menschen, die „hart“ daherkommen und nicht gern viele Worte machen. Das Einbeziehen in Entscheidungsprozesse wirkt in die gleiche Richtung. Es signalisiert: „Ich seh’ dich, du bist hier wichtig!“

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