Gesunde Führung – warum und wie?

Gesund- und krank-machende Führung

Was sind denn nun psychosoziale Einflussfaktoren der Führungskraft aufs Wohlbefinden? Oder anders gefragt: Wann macht Führung krank, wann macht sie gesund? Ich bin sicher, Sie haben beide Varianten schon am eigenen Leib und an der eigenen Psyche erlebt … Ich unterscheide sechs Dimensionen gesunder Führung, die zugleich einen roten Faden für Seminare und Trainings liefern können:

Die sechs Dimensionen gesunder Führung

  • Anerkennung / Lob / Wertschätzung;
  • Interesse / Aufmerksamkeit / Kontakt;
  • Gesprächsführung / Einbeziehen / Kommunikation;
  • Transparenz / Offenheit / Durchschaubarkeit;
  • Betriebsklima / Stimmung;
  • Stressbewältigung / Belastungsabbau / Ressourcenaufbau.

Sind diese sechs Dimensionen gegeben, so behaupte ich, ist gewährleistet, dass die Führungskraft alles in ihrer Macht stehende tut, um psychosoziale Gesundheit am Arbeitsplatz zu fördern. Handelt sie den Dimensionen zuwider, ist der Boden für Kränkungen bereitet. Die Grundlage aller gesunden Führung (und hieran krankt es eben oft) ist der gesunde Umgang mit sich selbst.

Bild 4: Dimensionen gesunder Führung (Übersicht). (Quelle: A. K. Matyssek)

Ohne ein hinreichendes Maß an „self care“ (Selbstfürsorge auf Deutsch, aber das Wort klingt leider so spießig und wird von Führungskräften daher nicht so gut angenommen) werden die sechs Dimensionen gesunder Führung nicht aufblühen. Prosaisch ausgedrückt: Wenn ich als Führungskraft gestresst bin, schmerzgeplagt oder schlafgestört, werde ich kein Auge dafür haben, wie es meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geht. Ich bin angespannt und mit der Aufmerksamkeit bei mir selbst. Eine – für Führungskräfte zunächst verwunderliche – Aussage dieses Bildes ist folglich: Ich darf und soll als Führungskraft in einem ersten Schritt schauen, dass es mir selbst gut geht.

Beides, die Selbstfürsorge und die Fürsorge für die anderen Beschäftigten, kann nur gedeihen, wenn eine wertschätzende Haltung gegeben ist. Ohne diese Wurzeln als Grundlage werden alle Bemühungen um gesunde Führung ins Leere laufen. Aus dem Schaubild lässt sich gut ableiten, was man sich unter kränkender Führung vorzustellen hat.

Bild 5: Krankmachende Führung (Übersicht). (Quelle: A. K. Matyssek)

Nämlich ganz einfach das Gegenteil der dort genannten Prinzipien. Also z.B. (wenn man die Dimensionen im Uhrzeigersinn durchgeht) das öffentliche Herunterputzen einzelner Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen als Gegenteil von Wertschätzung, die Bevorzugung einzelner oder das Ignorieren von Personen als Gegenteil von Interesse, das Wieder-an-sich-Reißen von bereits delegierten Vorgängen oder das Durchführen engmaschiger Kontrollen als Gegenteil zum partizipativen Kommunikationsstil, intransparente Entscheidungen oder das Pokerface als Gegenteil zur Durchschaubarkeit, Führung durch Misstrauen (als Klima-Zerstörer) oder zusätzliche Druckerhöhung unter Missachtung von Stress-Symptomen als Gegenteil zum Belastungsabbau. Der Artikel ist modifiziert übernommen aus: Matyssek, A.K. (2009). Führung und Gesundheit. Ein Ratgeber zur Förderung der psychosozialen Gesundheit im Betrieb.

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