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Arbeit im Büro gesund gestalten

Grundwissen
Schrift

Autor: Wolfgang Schneider

Übersicht

  • Auf Kursiv- und Großschreibung sollte verzichtet werden.
  • Eine serifenlose Schrift wird empfohlen und ist besser am Bildschirm lesbar.
  • Die Schrift muss ausreichend groß und gut lesbar sein.
  • Geglättete Schriften sollten möglichst nicht verwendet werden.  

 
Die Darstellung der Schrift ist entscheidend für ein unbeeinträchtigtes Lesen. Ist sie zu klein und undeutlich, entstehen unnötige Belastungen. Es kommt zum Anstieg von Fehlern und es ist mehr Konzentration nötig. Alle Empfehlungen beziehen sich auf die verwendeten üblichen Schriftgrößen.

Kursivschreibung

In der Regel werden in Programmen Standard-Schriftarten wie MS Sans Serif verwendet (Arial fällt nicht darunter). Trotzdem sollte man über ein paar grundsätzliche ergonomische Aspekte Bescheid wissen.        

  • Auf kursive Darstellung sollte prinzipiell verzichtet werden.  

Grund 1: Kurven oder schräge Linien können nur schwer auf dem Bildschirm in Form von gezackten Linien dargestellt werden (hier kommt es natürlich auf die Auflösung und auf die Größe des dargestellten Zeichens auf dem Bildschirm an). Dieses Problem verstärkt sich bei Kursivdarstellung, wenn auch die geraden Linien schräg dargestellt werden.

Hier ist ein Kursives K in Originalgröße und vergrößert mit Serifen (Originalgröße ist Times New Roman 8 pt):

Man sieht, es ist vom Aussehen sehr verfälscht.

Gund 2: Beim Eingeben von kursiven Buchstaben weiß man häufig nicht, wo sich der Cursor (die Positionsmarke) befindet.

Weiteres Beispiel für das Problem schräger Linien:

Schrift Abb. 01 Schrift Abb. 02

Ein K auf dem Bildschirm

Ein "gedrucktes" K

  • Weil schräge Linien nur schlecht dargestellt werden können, sollte man auch auf eine Serifen Schrift wie Times New Roman verzichten.

Serifen-Schrift

Beispiel für eine Serifen-Schrift:   

Schrift Abb. 03 Schrift Abb. 04

Mit Serifen

Ohne Serifen

Schrift Abb. 05 Schrift Abb. 06

Mit Serifen

Ohne Serifen

 
Den Grund, weswegen man auf Serifen eher verzichten sollte, ist gerade bei kleinen Serifen-Schriften ersichtlich: Es wird zunehmend schwieriger, die zusätzlichen Rundungen und Enden der Buchstaben darzustellen, weil weniger Bildschirmpunkte verwendet werden können.

 
Hier der vergrößerte Ausschnitt des Texts links oben:
 
 
Man sieht, dass die vorher vom Gehirn "ergänzten" Rundungen jetzt recht gezackt daherkommen. Dies ist etwas anders bei serifenlosen Schriften:
 

Bei gleicher Schriftgröße wird der Text so lesbarer. Hinzu kommt, dass eine Schrift mit Serifen wie TimesNewRoman bei gleicher Schriftgröße eine geringere Buchstabenhöhe hat, wie oben zu sehen.
 
  • Fazit: Bei kleinen Schriften, die in Standardeinstellungen wie bei Windows üblich sind, ist eine serifenlose Schrift zu empfehlen. Je größer die Schrift dargestellt wird, desto unproblematischer wird eine Serifen-Schrift (in der Regel schriftabhängig ab 10 pt).

Groß- und Kleinschreibung

Großschreibung ist wesentlich schwerer zu lesen, nicht zuletzt deswegen, weil man es nicht geübt ist.

  • Auf Großschreibung sollte man verzichten.

Beispiel für Groß- und Kleinschreibung: 

Schrift Abb. 07 Schrift Abb. 08

Zeicheneindeutigkeit

Wichtig ist auch die Eindeutigkeit von Zeichen. Bei Schrift Arial oder MS Sans Serif kommt es zu Zweideutigkeiten - man weiß nicht mehr genau, um welchen Buchstaben es sich handeln könnte, um ein großes I (i) oder ein kleines l (L).  

Schrift Abb. 09 Schrift Abb. 10

Times New Roman

Arial (nicht eindeutig)

 Auflösung der obigen Textzeile:
Schrift Abb. 11

  • Eine Schriftart mit eindeutigen Zeichen verringert die Lesefehlerrate.

Schriftgröße

Bei vorgegebener Bildschirmgröße oder Auflösung sollte man nicht unter einen bestimmten Schriftgrößenwert (z. B. für MS Sans Serif : Schriftgröße 8) gehen.

  • Die Zeichenhöhe muss in Abhängigkeit vom Sehabstand ausreichend sein.

Die notwendige Zeichenhöhe kann mit Hilfe einer Formel ermittelt werden: Zeichenhöhe (mm) = Sehabstand (mm)/155. Da man aber die Formel ohne Hilfsmittel schwerlich ausrechnen kann, gilt die Standardeinstellung des Betriebssystems oder des Programms.

Ein wichtiger Aspekt: Die Schriftgröße in Programmen lässt sich über mehrere Funktionen einstellen, z. B. über die Zoomfunktion. Im Betriebssystem ist es die Schriftgröße von Bildschirmelementen wie Menüs oder die generell verwendete Pixelanzahl von Elementen (dpi oder ppi - dots/ pixel per inch). LCD-Bildschirme haben eine technisch vorgegebene Auflösung, die nicht verstellt werden sollte.

  • Desweiteren sollten möglichst Schriften verwendet werden, die für die Darstellung auf dem Bildschirm geeignet sind.

Der Grund ist, daß hier die Abstände zwischen den Buchstaben und das Verhältnis Höhe mal Breite optimal sind.

Beispiel: Kleine Schriften (vor allem Serifen-Schriften) führen zum Zusammenlaufen von Buchstaben und zu kleinen Abständen:

Schrift Abb. 12
Schrift Abb. 13

Times New Roman

Arial (nicht zusammenlaufend)

 
Die links dargestellten Serifen sehen bei kleinerer Schriftgröße so aus (vergrößert):
 
Es wird zunehmend schwerer, "fi" von "ft" zu unterscheiden - hier die Originalgröße:
 

Schriftart

  • Möglichst eine Systemschriftart MS Sans Serif verwenden.
(Arial ist keine speziell für die Bildschirmdarstellung ergonomisch optimierte Systemschriftart, kommt aber dem MS Sans Serif sehr nahe; trotzdem sollte es gerade bei Eingabemasken eher nicht eingesetzt werden, weil das Verhältnis Höhe mal Breite in Bezug auf den Zeichenabstand bei kleiner Schrift etwas ungünstiger ausfällt).

Auflösung

  • Bei einer Auflösung von 1024x768 Pixel (als werkseitig definierte Standardauflösung für eine bestimmte Bildschirmgröße) sollte man auf keinen Fall eine kleinere Schrift als 8 pt nehmen (und TimesNewRoman erst ab 9 pt).  

Je nach Bildschirm ist die Schrift möglicherweise größer (!) einzustellen, weil die Bildpunkte absolut gesehen kleiner sind. Das gilt auch für Handys, PDAs (Blackberrys) oder sogar für größere Bildschirme (19 Zoll) mit einer höheren Auflösung (z. B. 1280x1024). Anmerkung: Hier hilft in vielen Fällen auch eine Veränderung der Einstellung des "DPI-Wertes" auf 125 % (bei Windows unter Systemsteuerung/ Anzeige/ Einstellungen/ Erweitert).

  • Die Schriftgrößen in Handys oder PDAs sind häufig in der Grundeinstellung nicht ergonomisch bzw. bei weitem nicht groß genug.

Anmerkung: Diese Geräte für SMS/ Mails oder Internet machen teilweise alle Bemühungen der vergangenen Jahre zunichte, ergonomische Schriftgrößen durchzusetzen!

Geglättete Schriften

Ein besonderes ergonomisches Thema sind geglättete Schriften. Sie sind häufig in solchen Situationen anzutreffen:

1. pdf-Dateien, die in einem anderen Zoomwert dargestellt werden, als original abgespeichert (oder bereits anders abgespeichert wurden)

2. Schriften in Internetseiten, die als Bilddateien nicht in der Originalgröße gespeichert wurden

3. Verändert eingestellte Bildschirmauflösungen, die nicht dem Werksstandard des Bildschirms entsprechen (bei LCD und TFT Bildschirmen).

Gerade letzter Punkt schafft eine äußerst unergonomische Situation, weil dann praktisch alle Schriften geglättet dargestellt werden.

Wie sieht eine Glättung aus?


 
Man sieht, dass bei einer starken Vergrößerung oder Verkleinerung die Schrift (als Bild) einen grauen Hof erhält. Dieser Effekt dient nur dazu, gezackte Linien und ungleiche Buchstabenabstände visuell zu kaschieren. Dadurch wird jedoch der Eindruck gestiftet, als ob man sie unscharf sieht. Das Auge meldet, scharf gestellt. Das Gehirn meldet jedoch: Eigentlich unscharfer Eindruck. Häufig sind die Buchstaben so "verschmiert", dass sie deutlich schlechter lesbar sind. Dies ist vor allem bei kleineren Schriften ein Problem.

  • Längeres Arbeiten mit solchen geglätteten Schriften sollte unbedingt vermieden werden!
 
HINWEIS:
Dieser Artikel richtet sich an Benutzer/-innen und an diejenigen, die Software entwickeln und gestalten. Er soll beispielhaft darstellen, welche ergonomischen Maßnahmen in einer bestimmten Gestaltungskategorie - hier der Schrift - berücksichtigt werden können. Natürlich gibt es noch viel mehr ergonomische Aspekte! Leider werden Fragen der Ergonomie aber häufig vom Hersteller oder den für Softwaregestaltung Verantwortlichen im Unternehmen nicht richtig eingestuft oder erkannt. Deswegen ist es unbedingt erforderlich, bei einzelnen ergonomischen Problemen einen Usability-Experten hinzuzuziehen, um die Benutzbarkeit insgesamt einschätzen zu lassen.

Zusätzlich sollte auf die Qualität ergonomischer Maßnahmen und auf eine fachliche Ausbildung (z. B. ein Psychologiestudium mit Schwerpukt Ergonomie) derjenigen Personen geachtet werden, die ergonomisch aktiv sind. So reicht es z. B. nicht aus, als Entwickler ein Seminar zu besuchen oder ein Buch mit ergonomischem Zusatzwissen zu kaufen.

Normanforderungen zur Schrift 

 
Die Bildschirmarbeitsverordnung fordert: " Die auf dem Bildschirm dargestellten Zeichen müssen scharf, deutlich und ausreichend groß sein sowie einen angemessenen Zeichen- und Zeilenabstand haben." Konkrete Angaben machen hierzu Normen und Informationen der Arbeitsschutzinstitutionen, wie die Berufsgenossenschaftliche Information Bildschirm- und Büroarbeit BGI 650.  Das allgemeine Schutzziel des Gesetzestextes hat den Zweck, Nutzer/Nutzerinnen vor Überanstrengung der Augen und vorzeitiger Ermüdung bei der Bildschirmarbeit zu schützen. l
 
Richtwerte der Normen zur Zeichengestaltung
Zeichenmindesthöhe und Sehabstand
  • Mindesthöhe 16 Bogenminuten, das Gerät muss das Lesen unter 20-22 Bogenminuten ermöglichen
  • bei einem Sehwinkel von 22 Bogenminuten:  Zeichenhöhe (mm) = Sehabstand (mm)/155
  • maximale Zeichenhöhe bei Anforderung an Leserlichkeit 30 Bogenminuten
  • Fußnoten und Indizes Mindesthöhe 10 Bogenminuten
  • Sehabstand mindestens 300 mm, bei Älteren mehr und für Büroanwendungen mindestens 400 mm
  • Sehabstand bei 19 - 21 Zoll LCD-Bildschirmen 700-800 mm
Zeichenproportionen  
  • Breite-zu-Höhe-Zeichenmatrix mindestens 7 × 9 Bildelemente
  • je zwei Bildelemente für Ober- und Unterlängen
  • Kleinbuchstaben mindestens 70 % der Höhe der Großbuchstaben, Zahlenhöhe gleich Zeichenhöhe
  • Verhältnis Zeichenbreite zu Zeichenhöhe mindestens 0,5 : 1 bis 1 : 1, für optimale Lesbarkeit: 0,7 : 1 bis 0,9 : 1  bei Proportionalschrift
  • Zeichenbreite der Großbuchstaben 70-100 % der Zeichenhöhe
  • Strichbreite 10 % bis 17 % der Zeichenhöhe
  • Zeichenabstand und Zeilenabstand mindestens ein Bildelement oder Zeichen-Strichbreite
  • Wortabstand in der Größe eines H

     

    Der Servicebereich

    Rechtsquellen und Normen

    Gesetze und Verordnungen
    • Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharV),  Anhang, Nr. 20 - 22
    Berufsgenossenschaftliche Vorschriften, Regeln und Informationen
    • Berufsgenossenschaftliche Information BGI 650 /GUV-I650:: Bildschirm- und Büroarbeitsplätze. Leitfaden für die Gestaltung. Verwaltungs-Berufsgenossenschaft 2007, Bundesverband der Unfallkassen

    Normen:
    • DIN EN ISO 9241:  Ergonomische Anforderungen für Bürotätigkeiten mit Bildschirmgeräten (neu: Ergonomie der Mensch-System-Interaktion )
      • Teil 12: Informationsdarstellung 
      • Teil 13: Benutzerführung
    • DIN EN ISO 9241-303:2008: Ergonomie der Mensch-System-Interaktion – Teil 303: Anforderungen an elektronische optische Anzeigen

    Literatur

    Verwandte Themen

     

    Letzte Änderung: 10.2.2012

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    Rechtsquellen
    • DIN EN ISO 9241 


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