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Grundwissen
Gruppierung von Informationen - Informationsdarstellung und fachliche Gestaltung Teil I

Autor: Wolfgang Schneider

Übersicht

  • Wichtig für schnelles Erkennen ist die optimale Gruppierung und Anordnung von Informationen nach fachlichen Kriterien.
  • Zusammengehörige Informationen auf der Maske sollten nach visuellen Gestaltungsprinzipien angeordnet sein.

Visuelle Anordnung von Information

Die visuelle Anordnung und Gruppierung von Information ist wichtig, um dem Benutzer/der Benutzerin die Bedeutung der Felder und Schaltflächen zu vermitteln. In diesem Zusammenhang spricht man von "intuitiven" Oberflächen.

  • Die Bedeutung von Feldern und Schaltflächen wird durch Gruppierung und auch über die Optimierung der Abstände zwischen den Bildschirmelementen vermittelt.

    Beispiel für eine schlechte Anordnung von Elementen im Standard-Drucken-Dialog von MS Windows:

    Bild 1: Schlechte Gruppierung von Informationen am Beispiel des Drucken-Dialogs bei MS Windows. (Quelle: MS Windows)
    Warum ist die Anordnung visuell schlecht?

    Das erklärt der nächste Screenshot:

     
    Bild 2: Erklärung der Gründe für visuell schlechte Gruppierung am Beispiel des Drucken-Dialogs.  (Quelle MS Windows)
     
    Insgesamt wird viel Platz vergeudet. Dadurch entstehen freie Bereiche zwischen den Informationen.

    Die Zuordnung der Informationen fällt schwer, weil die visuellen Abstände zwischen den Informationseinheiten wie Drucker und Status (und dessen Feldlabel) größer sind, als andere Abstände.

    Die Symbole sind überdimensioniert und deren Bedeutung unklar (warum gibt es zweimal dieselbe Anordnung, fragt man sich).

    Die Radiobuttonanordnung ist unklar. Gehört der Button "Aktuelle Seite" noch dazu? Warum steht er abseits?

    Fachliche Gestaltung

    Zur grafischen Gestaltung kommt natürlich die fachliche Gestaltung. Die fachliche Gestaltung gemäß der Arbeitsaufgabe drückt sich ebenfalls in der Anordnung bzw. Platzierung der Bildschirmelemente aus.

    • Fachlich zusammengehörige Elemente sollten auch auf dem Bildschirm zusammen dargestellt werden.
    • Häufig genutzte Elemente sollten an erster Stelle stehen.

          Warum ist die Anordnung im Drucken-Dialog von oben fachlich schlecht?

          Das erklärt der nächste Screenshot:

          Bild 3: Erklärung der fachlich schlechten Gruppierung am Beispiel des Drucken-Dialogs. (Quelle: MS Windows)
          Häufig genutzte Info bzw. Einstellungen sind in diesem Dialog unten platziert, wohingegen z. B. die Druckereinstellungen oder die Druckerauswahl nebst dem Status eher seltener von Interesse ist. Dies ist unergonomisch bzw. nicht aufgabenangemessen (s. DIN EN ISO 9241-110).
          Beispiel für eine fachlich und visuell verbesserte Anordnung

          Bild 4: Verbesserte Anordnung.

          Hier einige der Maßnahmen zur fachlichen und visuellen Verbesserung im einzelnen:

          1. Die Liste der Drucker ist jetzt immer vertikal angeordnet.
          2. Der Standarddrucker ist an erster Stelle aufgeführt.
          3. Die Druckerliste wurde verkleinert.
          4. Die Statusinformationen stehen rechts daneben und dichter zusammen in einer getrennten Liste.
          5. Die Schaltflächen sind direkt neben die Liste.
          6. Druckeinstellungen sind neu angeordnet und aligniert.
          7. Symbole wurden durch erklärenden Text ersetzt.
          8. Die Anzahl der Exemplare und der Druckbereich stehen jetzt oben.
          9. Die zwei am häufigsten genutzten Radiobuttons stehen jetzt an erster Stelle.

          Man sieht, dass selbst bei einem so "unscheinbaren" Dialog einige Abwägungen getroffen und Verbesserungen umgesetzt werden können, gemäß der häufigsten Nutzung der Funktionen (unter Berücksichtigung des Nutzungskontexts oder "Context-of-use").

          HINWEIS:
          Dieser Artikel soll beispielhaft darstellen, welche ergonomischen Maßnahmen in einer bestimmten Gestaltungskategorie berücksichtigt werden können. Natürlich gibt es noch viel mehr ergonomische Aspekte! Häufig werden diese aber vom Hersteller oder Arbeitgeber nicht richtig eingestuft oder erkannt. Deswegen ist es unbedingt erforderlich, bei einzelnen ergonomischen Problemen einen Usability-Experten hinzuzuziehen, um die Benutzbarkeit insgesamt einschätzen zu lassen. Zusätzlich sollte auf die Qualität ergonomischer Maßnahmen und auf eine fachliche Ausbildung (z. B. ein Psychologiestudium mit Schwerpunkt Ergonomie) derjenigen Personen geachtet werden, die ergonomisch aktiv sind. So reicht es z. B. nicht aus, als Entwickler ein Seminar zu besuchen oder ein Buch mit ergonomischem Zusatzwissen zu kaufen. 
           

          Der Servicebereich

          Rechtsquellen und Normen

          Gesetze und Verordnungen
          • Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharV),  Anhang, Nr. 20 - 22

          Normen:
          • DIN EN ISO 9241:  Ergonomie der Mensch-System-Interaktion (früher: Ergonomische Anforderungen für Bürotätigkeiten mit Bildschirmgeräten)
            • Teil 12: Informationsdarstellung 
            • Teil 13: Benutzerführung

          Literatur

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          Letzte Änderung: 29.4.2010

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          • DIN EN ISO 9241


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