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Grundwissen
Farbgestaltung

Autor: Wolfgang Schneider

Übersicht

  • Farben sollen dezent verwendet werden.
  • Farben sollten nicht als einziges Mittel verwendet werden, Informationen zu kodieren.

Farbe transportiert Informationen

 
Farbe trägt erheblich dazu bei, die Bedeutung von Informationen schnell zu erkennen. Farbe ermöglicht die Hervorhebung von Elementen. Sie gestattet die psychologische Wirkung als zusätzliche Information zu transportieren.

Farbe dezent verwenden

Farbe dient dazu, bestimmte Informationen hervorzuheben, um sie von anderen Informationen unterscheidbarer zu machen. Farbe nutzt bei der Gestaltung von Symbolen zum Beispiel auf Symbolschaltflächen (Icons). 

Für den Einsatz von Farbe gelten folgende Grundregeln:

  • Nie alleine Farbe als Codierung verwenden, nur als unterstützendes Mittel Informationen hervorzuheben.
  • Farbe sparsam eingesetzen.
  • Es sollten bestimmte Kombinationen von extremen (gesättigten) Farben strikt vermieden werden.

Farbkombinationen

Beispiel für zu vermeidende Farbkombinationen: 

Farbe 01

Bild 1: Zu vermeidende Farbkombinationen.

Auf Grund der gesättigten Farben und der Physiologie des Sehprozesses hat das Auge Probleme, die Schrift zu fokussieren (Chromostereopsis-Effekt).

Vordergrundfarben, Kontraste

Vordergrundfarben sollten sich vom Hintergrund abheben (bzw. der Kontrast zwischen Hintergrund und Vordergrund sollte möglichst groß sein): 

Farbe 02 

Bild 2: Geringe Kontraste. 

(Es hängt natürlich auch davon ab, wie man seinen Bildschirm eingestellt hat.) 

Farbe 03 

Bild 3: Verbesserte Kontraste.

Keine gesättigten Farben verwenden

Es sollten möglichst keine gesättigten Farben verwendet werden. Darunter fallen eine ganze Reihe von Farben, die standardmäßig in den Programmen angeboten werden. Sie sollten weder für Schriften, noch für Hintergründe/ Hervorhebungen, noch für Symbole verwendet werden. Es sei denn, man will bewusst Aufmerksamkeit erzeugen...

Beispiel für einen typischen Satz an Farben (hier von MS Paint genommen) und das zur Verfügung stehende Farbspektrum:

Bild 4: Farbensatz und Farbspektrum in einem Dialog aus MS Paint. 

Im Prinzip kann folgende Regel gelten:

Alle Farben, die einen hohen Sättigungswert haben (siehe Feld im Beispieldialog oben), sollten vermieden werden. Die Farben sind alle in einem mittleren Helligkeitsbereich und im oberen Drittel des Farbspektrums zu finden. Wichtig ist: Sobald der Helligkeitswert nach oben oder unten verändert wird, können auch Farben mit einer hohen Sättigung "abgemildert" werden. Kombinationen von gesättigten Farben im mittleren Helligkeitsbereich sind ebenfalls in den meisten Fällen kritisch (s. weiter oben Bild 1).

Alternativ heißt das für "R"ot/"G"rün/"B"lau-Werte: Farben, die einen oder zwei hohe RGB-Werte (z. B. 255 als maximaler Wert) im Verhältnis zum zweiten und/oder dritten Wert aufweisen, sind zu vermeiden. Bis auf das Blau (Rot: 0, Grün: 0, Blau: 255) sind diese Farben für das Lesen von Informationen ungünstig. Auch hier ist wieder der mittlere Helligkeitsbereich zu berücksichtigen (siehe rechte Skala im Beispieldialog). Subjektiv nimmt das Blau wohl eher eine Sonderstellung ein, weil es dunkler "empfunden" wird.

Kombinationen von hohen RGB-Werten, wie das Pink (Rot: 255, Grün: 0, Blau: 255) sind ungünstig. Diese Farben sind im Beispieldialog unter "Benutzerdefinierte Farben" links beispielhaft in der eingestellt.

Farben mit mittelmäßigen bis geringen Sättigungswerten (etwa < 160 je nach Farbe) sind ergonomisch günstiger, das heißt in etwa alle Farben "unterhalb" des oberen Drittels des Farbschemas bis hinein ins Graue. Wohlgemerkt, alles im mittleren Helligkeitsbereich. Farben jenseits des mittleren Helligkeitsbereichs sind durchaus verwendbar, auch wenn der Sättigungswert hoch ist. Leider lassen sich hierzu keine konkreten Werte definieren. Bei der Bestimmung einer Farbe zählt der subjekte Eindruck (und der Bildschirm).

Psychologische Wirkung

Farben wirken psychologisch. Damit lassen sich Informationen hervorheben.

  •  Bei Farbcodierungen muss die konventionelle Wirkung berücksichtigt werden.  

Farbe 07

Bild 5: Konventionelle Wirkung von Rot, Gelb und Grün. Die gesättigten Farben dienen nur der Verdeutlichung und sollten natürlich nicht so verwendet werden.

Sehwinkel und Farbdarstellung

Eine gute Bildschirmqualität ist wichtig, um eine brillante und farbgetreue Darstellung zu garantieren. Bei den üblichen LCD- bzw. TFT-Bildschirmen kann die Farbqualität jedoch je nach Blickwinkel stark variieren!

Schon eine geringe Neigung des Bildschirms kann zu anderen Farbwahrnehmungen führen. Auch durch Veränderungen des Kontrasts oder der Helligkeit kann man Farben unterschiedliche wahrnehmen.

Bei größeren Bildschirmen nimmt man die oberen und unteren Bereiche bereits dunkler/ heller wahr, auch wenn man den Blickwinkel oder die Neigung des Bildschirms nicht verändert, sondern nur die Augen bewegt (bei geringem Sehabstand). Dies kann den Kontrast Schrift/ Hintergrund beeinflussen, anders als im mittleren Bereich.

Deswegen ist es gerade bei modernen LCD-Monitoren wichtig, auf einen optimalen Sehwinkel und Sehabstand zu achten, da sie konstruktionsbedingt einen eingeschränkten Sehwinkel zulassen.

HINWEIS:
Dieser Artikel soll beispielhaft darstellen, welche ergonomischen Maßnahmen in einer bestimmten Gestaltungskategorie berücksichtigt werden können. Natürlich gibt es noch viel mehr ergonomische Aspekte! Häufig werden diese aber vom Hersteller oder Arbeitgeber nicht richtig eingestuft oder erkannt. Deswegen ist es unbedingt erforderlich, bei einzelnen ergonomischen Problemen einen Usability-Experten hinzuzuziehen, um die Benutzbarkeit insgesamt einschätzen zu lassen.
Zusätzlich sollte auf die Qualität ergonomischer Maßnahmen und auf eine fachliche Ausbildung (z. B. ein Psychologiestudium mit Schwerpukt Ergonomie) derjenigen Personen geachtet werden, die ergonomisch aktiv sind. So reicht es z. B. nicht aus, als Entwickler ein Seminar zu besuchen oder ein Buch mit ergonomischem Zusatzwissen zu kaufen.
 
 
 

Der Servicebereich

Rechtsquellen und Normen

Gesetze und Verordnungen
  • Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV),  Anhang, Nr. 20 - 22

Normen:
  • DIN EN ISO 9241-303:2008: Ergonomie der Mensch-System-Interaktion – Teil 303: Anforderungen an elektronische optische Anzeigen 

Literatur

F. Holl, Fachhochschule Brandenburg:
Software-Gestaltung: Farbe auf dem Bildschirm
in: Computer und Arbeit 8-9/2007 AIB-Verlag, www.aib-verlag.de
verfügbar als   download   (216 kB)

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Letzte Änderung: 24.1.2009

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