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Grundwissen
Grundsatz Steuerbarkeit

Autor: Wolfgang Schneider

Definition:
"Ein Dialog ist steuerbar, wenn der Benutzer in der Lage ist, den Dialogablauf zu starten sowie seine Richtung und Geschwindigkeit zu beeinflussen, bis das Ziel erreicht ist." 
 

Erklärung

Dieser Grundsatz befasst sich mit den Möglichkeiten des Benutzers/der Benutzerin, ein Programm zu beeinflussen. Die Beeinflussbarkeit innerhalb eines Programms bezieht sich dabei auf einzelne Dialogelemente, die die Richtung eines Dialogs bestimmen und auf die freie Gestaltung von Arbeitsabläufen.

Beispiel 1: Wechselmöglichkeiten zwischen Fenstern

Ein Beispiel zur Erhöhung der Steuerbarkeit ist die Möglichkeit zum Wechseln zwischen Fenstern. Stellvertretend dafür ist das Fenster zum Suchen von Wörtern im Internet Explorer. Es erlaubt aufgrund seiner Gestaltung, zwischen der eigentlichen Seite bzw. Browser-Hauptfenster und diesem Subfenster frei hin- und herzuwechseln (Anm.: Obwohl das Fenster eigentlich nicht minimierbar ist und das Fensterhandling sich auf die Schließenschaltfläche beschränkt).



Bild 1: Suchen-Dialog im Internet Explorer, bei dem auch das Hauptfenster im Hintergrund "steuerbar" bleibt (Quelle: Microsoft)

Der Benutzer kann - wenn er will - mit der Maus das Fenster verlassen und die Internetseite direkt bedienen, wenn der gesuchte Begriff nicht gefunden wurde, ohne das Fenster schließen zu müssen.

Häufig stimmen die gesuchten Wörter oder Wortbestandteile nicht ganz genau überein. Dann muss vielleicht eine andere Aktivität dazwischen geschoben werden, die im Browserfenster stattfindet. Also kann man das Suchen-Fenster geöffnet lassen, um den Suchbegriff angezeigt zu lassen, bis man eine erneute Suche starten möchte.

Im Fenster fehlt eine Liste der Suchbegriffe, oder eine Zurück-Funktion, um an die Stelle zurück zu springen, die zuletzt gefunden wurde. So muss man erst die Suchrichtung ändern und dann erneut suchen.

Schlecht zu steuern wäre ein Suchen-Fenster, das man erst schließen und erneut öffnen müsste, um im Hauptfenster etwas zu unternehmen.

Beispiel 2: Wechselmöglichkeiten zwischen Fenstern

Ein weiteres Beispiel der Wechselmöglichkeit zwischen Fernstern zur Erhöhung der Steuerbarkeit bietet MS Outlook (oder andere vergleichbare Mailprogramme). Dort ist die Steuerbarkeit/ Zugänglichkeit von Fenstern meistens so gelöst, dass man zu seinem Hauptfenster unabhängige Subfenster öffnen kann, die die Mails getrennt anzeigen:



Bild 2: Unabhängige Mailfenster in MS Outlook plus kontrollierendes Fenster "Namen auswählen" (kontrollierend zum Mailfenster)  (Quelle: Microsoft)

Die Vorteile für die Steuerbarkeit liegen klar auf der Hand:

  • So können mehrere Mails unabhängig voneinander bearbeitet werden.
  • Es kann im Hauptfenster nachgeschaut werden, ob Mails eingegangen sind, ohne die Fenster zum Bearbeiten neuer oder geöffneter Mails schließen und abspeichern zu müssen.

Einzig das kontrollierende (= modal oder in Beziehung stehende) Fenster "Namen auswählen" kann nicht verlassen werden, ohne dass es ordnungsgemäß geschlossen wurde. Das Fenster könnte zum Problem werden, wenn viele Mailunterfenster geöffnet wurden: Zu welchen Subfenster gehört dann das kontrollierende Fenster "Namen auswählen"? Eine solche Situation könnte die Steuerbarkeit reduzieren.

Trotzdem ist durch die weitestgehend unabhängige Beziehung zwischen den Fenstern das System besser zu steuern und bei wechselnden Aufgabenstellungen weniger aufwendig zu bedienen.

Sehr umständlich wäre dagegen die "Steuerung", wenn geöffnete Mail-Fenster erst geschlossen werden müssten, um weitere Informationen im Hauptfenster anzeigen oder andere Mails öffnen zu können.

 

HINWEIS:
Dieser Artikel soll beispielhaft darstellen, welche ergonomischen Maßnahmen in einer bestimmten Gestaltungskategorie berücksichtigt werden können. Natürlich gibt es noch viel mehr ergonomische Aspekte! Häufig werden diese aber vom Hersteller oder Arbeitgeber nicht richtig eingestuft oder erkannt. Deswegen ist es unbedingt erforderlich, bei einzelnen ergonomischen Problemen einen Usability-Experten hinzuzuziehen, um die Benutzbarkeit insgesamt einschätzen zu lassen. Zusätzlich sollte auf die Qualität ergonomischer Maßnahmen und auf eine fachliche Ausbildung (z. B. ein Psychologiestudium mit Schwerpukt Ergonomie) derjenigen Personen geachtet werden, die ergonomisch aktiv sind. So reicht es z. B. nicht aus, als Entwickler ein Seminar zu besuchen oder ein Buch mit ergonomischem Zusatzwissen zu kaufen.

 

Der Servicebereich

Rechtsquellen und Normen  

Gesetze und Verordnungen
  • Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV)
    • Anhang, Nr. 20 - 22
Normen
  • DIN EN ISO 9241: Ergonomie der Mensch-System-Interaktion 
    • Teil 110: Grundsätze der Dialoggestaltung 

Literatur   

Zum Vertiefen:

Schneider, W.:
Ergonomische Gestaltung von Benutzungsschnittstellen - Kommentar zur Grundsatznorm DIN EN ISO 9241-110.
Hg.: DIN Deutsches Institut für Normung e.V., 2. vollständig überarbeitete Auflage, Berlin Wien Zürich (Beuth Verlag) 2008

Weitere Bücher und Broschüren zum Thema Software-Ergonomie


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Letzte Änderung: 24.1.2010

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Rechtsquellen
  • DIN EN ISO 9241 Mensch-System-Interaktion
    Teil 110 Grundsätze der Dialoggestaltung


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