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Grundwissen
Grundsatz Selbstbeschreibungsfähigkeit

Autor: Wolfgang Schneider


Definition:
"Ein Dialog ist in dem Maße selbstbeschreibungsfähig, in dem für den Benutzer zu jeder Zeit offensichtlich ist, in welchem Dialog, an welcher Stelle im Dialog er sich befindet, welche Handlungen unternommen werden können und wie diese ausgeführt werden können."


Erklärung

Selbstbeschreibungsfähigkeit wird erzielt, wenn der Benutzer durch die Gestaltung der Informationen auf dem Bildschirm in der Lage ist, sich im Programm zurechtzufinden und dieses zu verstehen. Im Wesentlichen geschieht dies über Text. Er sollte sich stets darüber im klaren sein können, wo er sich gerade im System befindet, wie er dorthin gekommen ist und was er als nächstes tun muss, um sein Arbeitsziel zu erreichen.

Beispiel 1: Systemmeldungen

Für den Vorgang "Durchsuchen nach einer bestimmten Datei" wird eine Meldung angezeigt:

Bild 1: Systemmeldung (Quelle: Microsoft) 
  • Statt einer simplen Sanduhr erscheint ein Meldungsfenster mit Text, der den gerade stattfindenden Prozess erläutert.
  • Schaltflächen mit Funktionen erhalten Verben (statt Ja/Nein, oder OK/Abbrechen)

Bei länger andauernden Programmvorgängen ist es sinnvoll, statt einer Sanduhr eine Meldung mit einem erklärenden Text anzuzeigen. Zudem sollten nicht standardmäßige Systemaktivitäten, wie hier das "Durchsuchen" des Systems nach einer Datei, dem Benutzer mit Text erläutert werden.

Dies trifft nicht auf das normale Speichern einer Datei zu. Hier reicht eine Sanduhr und/oder eine Kurzmeldung in der Statuszeile aus. Durch den Schaltflächentext wird dem Benutzer auf Anhieb klar, was er jetzt unternehmen kann.

Nicht selbstbeschreibend wäre es, wenn die Funktion "Durchsuchen" nur über eine Schaltfläche mit "OK" angeboten würde (und die Funktion im Meldungstext erklärt würde).

Beispiel 2: Selbstbeschreibender Text auf Anfrage

 
Über die rechte Maustaste oder die Schaltfläche mit dem Fragezeichen des Mauszeigers können verschiedene Hilfetexte bereit gehalten werden, die zur Selbstbeschreibungsfähigkeit des Fensters beitragen:

Bild 2: Selbsterklärender Text

Beispiel 3: Fensterschaltflächen

Schaltflächen mit Fensterfunktionen sind eine wichtige selbstbeschreibende Information über die Aktionsmöglichkeiten, die zur Verfügung stehen und was damit zu erreichen ist. So kann der Benutzer oder die Benutzerin im Beispiel das Fenster nur Schließen, statt Minimieren. Dies signalisiert, dass es sich in der Regel um einen Dialog handelt, der erst bearbeitet und geschlossen werden muss, um wieder an das Ausgangsfenster zurückzukommen. Eine Minimieren-Schaltfläche einzubauen, würde fälschlicherweise signalisieren, dass der Dialog nicht geschlossen werden muss.

Durch die Anzeige von Fensterelementen ist es also in selbstbeschreibender Form möglich zu wissen, wohin man kommt und was man mit dem Fenster tun muss:

Bild 3: Fensterschaltflächen dienen der Selbstbeschreibungsfähigkeit

 

HINWEIS:
Dieser Artikel soll beispielhaft darstellen, welche ergonomischen Maßnahmen in einer bestimmten Gestaltungskategorie berücksichtigt werden können. Natürlich gibt es noch viel mehr ergonomische Aspekte! Häufig werden diese aber vom Hersteller oder Arbeitgeber nicht richtig eingestuft oder erkannt. Deswegen ist es unbedingt erforderlich, bei einzelnen ergonomischen Problemen einen Usability-Experten hinzuzuziehen, um die Benutzbarkeit insgesamt einschätzen zu lassen. Zusätzlich sollte auf die Qualität ergonomischer Maßnahmen und auf eine fachliche Ausbildung (z. B. ein Psychologiestudium mit Schwerpunkt Ergonomie) derjenigen Personen geachtet werden, die ergonomisch aktiv sind. So reicht es z. B. nicht aus, als Entwickler ein Seminar zu besuchen oder ein Buch mit ergonomischem Zusatzwissen zu kaufen.

 

Der Servicebereich

Rechtsquellen und Normen  

Gesetze und Verordnungen
  • Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV)
    • Anhang, Nr. 20 - 22
Normen
  • DIN EN ISO 9241: Ergonomie der Mensch-System-Interaktion
    • Teil 110: Grundsätze der Dialoggestaltung (früher Teil 10)

Literatur   

Zum Vertiefen:

Schneider, W.:
Ergonomische Gestaltung von Benutzungsschnittstellen - Kommentar zur Grundsatznorm DIN EN ISO 9241-110.
Hg.: DIN Deutsches Institut für Normung e.V., 2. vollständig überarbeitete Auflage, Berlin Wien Zürich (Beuth Verlag) 2008

Weitere Bücher und Broschüren zum Thema Software-Ergonomie

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Letzte Änderung: 29.4.2010

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Rechtsquellen
  • DIN EN ISO 9241 Mensch-System-Interaktion
    Teil 110 Grundsätze der Dialoggestaltung


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