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Grundwissen
Grundsatz Lernförderlichkeit

Autor: Wolfgang Schneider


Definition
"Ein Dialog ist lernförderlich, wenn er den Benutzer beim Erlernen der Nutzung des interaktiven Systems unterstützt und anleitet."

 

Erklärung

Dieser Grundsatz zielt darauf ab, den Umgang mit dem Programm und das Erlernen des Programms mittels inhaltlicher und struktureller Gestaltung der Oberfläche bzw. der Bedienabläufe zu erleichtern.

Beispiel Zuordnungsregeln bei der Verwendung von Shortcuts

Ein Shortcut ist eine Tastenkombination, mit der man direkt Befehle ausführen oder Dialogfenster aufrufen kann: z. B. Strg + p, um etwas zu drucken (P für "Print"), oder Strg + o, um das Fenster "Datei Öffnen" aufzurufen (O für "Open").

Bild 1: Menü des Adobe Readers 

Leider wird der deutsche Benutzer hier mit einem ausgesprochen lernunförderlichen Konzept konfrontiert, nämlich den ungetrübt übernommenen englischen Anfangsbuchstaben, die nicht zu deutschen Sprache passen. Außerdem entsprechen die Zugriffstasten (die unterstrichenen Buchstaben des Menüs) leider nicht den Buchstaben der Shortcuts, was noch hilfreicher wäre. Im Menü sind außerdem bei den Shortcuts die Großbuchstaben angegeben, was einen zum Drücken der Umschalttaste verleiten könnte. Hier eine Version, in der alles und vor allem die deutsche Sprache berücksichtigt ist:

Bild 2: Neue lernförderliche Belegung von Zugriffstasten und Shortcuts des Adobe-Readers

Die Doppelbelegung des "d"s ist nicht besonders tragisch. Man muss lediglich zweimal das d betätigen, um zu dem Menüeintrag zu kommen. Im Deutschen ist es generell sehr schwierig, Doppelbelegungen bei längeren Menüs zu vermeiden.

Eine weitere Regel könnte die Anfangsbuchstaben-Regel sein, bei der immer nur der Anfangsbuchstabe belegt ist. Das ist aber bei den Shortcuts nicht durchzuhalten, so dass es immer wieder zu Abweichungen zwischen Zugriffstasten und Shortcuts kommen würde. Dies muss bei der Belegung der Zugriffstasten (oder "Mnemonics") berücksichtigt werden, die sich eben als unterstrichene Buchstaben z. B. in Menüs oder auf Schaltflächen und Labels befinden.

Der Benutzer merkt sich durch eine solche Regel viel leichter (und erinnert sich besser), welche Tastenkombinationen eine bestimmte Funktion auslösen. Darüber hinaus kann er sich Belegungen selbst herleiten, wenn er sie mal vergessen haben sollte.

Dem Benutzer hilft es , dass in Menüeinträgen und QuickInfo Shortcuts angezeigt werden.

Nicht lernförderlich wäre eine variable Tastaturbelegung ohne Regel und ohne Merkhilfe. Auch wenn die Shortcuts erst über die Online-Hilfe entschlüsselt werden müssten, wäre das recht kompliziert.

Wenn sich der Benutzer oder die Benutzerin die entsprechenden Bedeutungen überhaupt nicht merken oder erschließen können, hilft ihm, dass in Menüeinträgen und QuickInfo Shortcuts angezeigt werden.

Nicht lernförderlich wäre eine Tastaturbelegung ohne Regel und Merkhilfe. Auch wenn die Shortcuts erst über die Online-Hilfe entschlüsselt werden müssten, wäre das recht kompliziert.

HINWEIS:
Dieser Artikel soll beispielhaft darstellen, welche ergonomischen Maßnahmen in einer bestimmten Gestaltungskategorie berücksichtigt werden können. Natürlich gibt es noch viel mehr ergonomische Aspekte! Häufig werden diese aber vom Hersteller oder Arbeitgeber nicht richtig eingestuft oder erkannt. Deswegen ist es unbedingt erforderlich, bei einzelnen ergonomischen Problemen einen Usability-Experten hinzuzuziehen, um die Benutzbarkeit insgesamt einschätzen zu lassen. Zusätzlich sollte auf die Qualität ergonomischer Maßnahmen und auf eine fachliche Ausbildung (z. B. ein Psychologiestudium mit Schwerpunkt Ergonomie) derjenigen Personen geachtet werden, die ergonomisch aktiv sind. So reicht es z. B. nicht aus, als Entwickler ein Seminar zu besuchen oder ein Buch mit ergonomischem Zusatzwissen zu kaufen.
 
 

Der Servicebereich

Rechtsquellen und Normen  

Gesetze und Verordnungen
  • Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV)
    • Anhang, Nr. 20 - 22
Normen
  • DIN EN ISO 9241: Ergonomie der Mensch-System-Interaktion 
    • Teil 110: Grundsätze der Dialoggestaltung 

Literatur   

Zum Vertiefen:

Schneider, W.:
Ergonomische Gestaltung von Benutzungsschnittstellen - Kommentar zur Grundsatznorm DIN EN ISO 9241-110.
Hg.: DIN Deutsches Institut für Normung e.V., 2. vollständig überarbeitete Auflage, Berlin Wien Zürich (Beuth Verlag) 2008

Weitere Bücher und Broschüren zum Thema Software-Ergonomie

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Letzte Änderung: 24.2.2010

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Rechtsquellen
  • DIN EN ISO 9241 Mensch-System-Interaktion
    Teil 110 Grundsätze der Dialoggestaltung


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