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Grundwissen
Grundsatz Individualisierbarkeit

Autor: Wolfgang Schneider

Definition:
"Ein Dialog ist individualisierbar, wenn Benutzer die Mensch-System-Interaktion und die Darstellung von Informationen ändern können, um diese an ihre individuellen Fähigkeiten und Bedürfnisse anzupassen."

Erklärung   

Dieser Grundsatz bezieht sich auf die im System vorhandenen Möglichkeiten, den Dialog bzw. die Oberfläche nach eigenen Bedürfnissen abzuändern. Hierbei kommen sowohl bedienungs- als auch aufgabenbezogene Einstell- bzw. Anpassungsmöglichkeiten in Frage.

Beispiel 1: Symbol- und Menüleiste des Internetexplorers individuell gestalten

Aus ergonomischer Sicht sind beim Internetexplorer eine ganze Reihe von Individualisierungen vornehmbar, hierzu gehören u. a. die Position der Symbolleiste, das Wegnehmen und Hinzufügen von Symbolen, die Anordnung bzw. Gruppierung der Symbole, und die Separatoren.

Eine Symbolleiste kann z. B. waagerecht in einer Zeile mit der Menüleiste positioniert werden. Dabei sind die darauf vorhandenen Symbole sowie ihre Anordnung und die Anzahl der Separatoren (Trenngraphiken) frei wählbar:

Bild 1: Angepasste Symbolleiste des Internetexplorers
  • Diese individuell eingerichtete Symbolleiste enthält ausschließlich Symbole, die der Benutzer häufig benötigt, und zwar die am häufigsten links angeordnet. Dabei wurden für die individuelle Erledigung der Arbeitsaufgaben auch solche gewählt, die normalerweise nicht zu einer Standardsymbolleiste gehören (z. B. das Symbol "Vollbild" direkt neben dem Favoriten-Symbol).
  • Alle nicht erforderlichen Symbole sind aussortiert worden, denn sie beanspruchen Platz auf dem Bildschirm bzw. erschweren das schnelle Auffinden der notwendigen Symbole.
  • Um die Zusammengehörigkeit visuell darzustellen, wurden Symbole, die in ihrer Funktionsweise logisch zusammengehören, gruppiert und durch einen Separator (Graphik) getrennt.
  • Häufig nacheinander ausgeführte Befehle, wie in diesem individuellen Fall Email und Drucken, sind nebeneinander angeordnet worden.
  • Um vertikalen Platz zu sparen, ist die Symbolleiste in die selbe Zeile gestellt worden, wie die Menüleiste.
  • Darüber hinaus ist die Menüleiste verkürzt worden, die anderen Menüpunkte sind jetzt über eine zusätzliche Pfeilschaltfläche anzeigbar, da sie eher selten verwendet werden.

Durch die richtige Wahl der Symbole und ihre Anordnung lässt sich auf dem Bildschirm sehr viel Platz sparen, da überflüssige Symbole wegfallen. Auch die Navigationswege werden kürzer. Was hier am Beispiel des Internetexplorers verdeutlicht werden kann, gilt für alle Programme, in denen Symbolleisten eine größere Rolle spielen, und die standardmäßig bereits eine Vielzahl an Symbolleisten anzeigen (z. B. MS Word). Im Prinzip gilt nur eines: Symbolleisten auf das notwendige Minimum reduzieren.

Beispiel 2: Windows Aufgabenleiste

Was für die Internetexplorer-Symbolleiste gilt, gilt auch für die Aufgabenleiste von Windows (Taskleiste). So können häufig benutzte Anwendungen (oder jegliche andere Verknüpfung z. B. Dateien) in individuell unterschiedlich zusammengesetzten Symbolleisten eingesetzt werden. Diese sind dann an den Rändern des Bildschirms frei positionierbar. So lassen sich auch die Verknüpfungen auf dem Desktop darstellen, was u. U. praktisch sein kann, wenn man nicht immer die Fenster erst schließen oder bewegen möchte:

Bild 2: Beispiele für individualisierte Symbolleisten in der MS Aufgabenleiste

Die von diesem Benutzer am häufigsten benutzten Anwendungen sind in zwei individuelle Symbolleisten eingesetzt - der Schnellstartleiste und der Desktopleiste, obwohl sie auf dem Desktop und unter dem Menüpunkt "Programme" ebenfalls zur Verfügung stehen. Außerdem erfolgte die Positionierung platzsparend auf der rechten Seite in vertikaler Ausrichtung.

Dieser Maßnahme zur individuellen Gestaltung der Oberfläche liegen folgende Überlegungen zugrunde:

Bei Symbolen auf dem Desktop

  • müssen evtl. geöffnete Fenster erst minimiert werden, um auf den Desktop zugreifen zu können, da sie die Symbole verdecken,
  • es ist ein Doppelklick notwendig, um Anwendungen oder Dateien zu öffnen.

Bei Einträgen in einer Symbolleiste in der Aufgabenleiste

  • ist eine direkte Ansteuerung von jedem Programm aus möglich, auch dann, wenn geöffnete Fenster die Symbole auf dem Desktop verdecken,
  • ein Einfachklick genügt, eine einfachere Aktivierung über die Tastatur (Menütaste und dann Tab-Taste) ist ebenfalls möglich.

Anmerkung 1

Dokumente in den Symbolleisten der Aufgabenleiste (Taskleiste) sollte man nur einrichten, wenn diese wirklich sehr häufig benötigt werden (z. B. bestimmte Vorlagen).

Nicht ergonomisch wäre es bzw. Individualisierbarkeit würde fehlen, wenn immer nur dieselben Standard-Programme in einer Symbolleiste verfügbar und diese nicht individuell einrichtbar wären, unabhängig davon, ob man sie benutzt oder nicht. Dadurch müsste man immer über das Programmmenü gehen, was natürlich viel umständlicher ist. Ein individuell einrichtbares Start- bzw. Programmemenü entspricht dem Grundsatz Individualisierbarkeit.

Anmerkung 2

Leider lässt sich die Taskleiste nicht frei über dem Desktop platzieren. Und es gibt keine übergreifende Symbolleiste über verschiedene Programme hinweg in der Taskleiste einrichtbar, in der Funktionen unterschiedlicher Programme eingestellt würden. So würde man immer nur ein und dieselbe Leiste benötigen, und nicht von jedem Programm eine nutzen und einrichten müssen. Dies könnte eine Vereinfachung und eine noch effektivere Platznutzung darstellen.

HINWEIS:
Dieser Artikel soll beispielhaft darstellen, welche ergonomischen Maßnahmen in einer bestimmten Gestaltungskategorie berücksichtigt werden können. Natürlich gibt es noch viel mehr ergonomische Aspekte! Häufig werden diese aber vom Hersteller oder Arbeitgeber nicht richtig eingestuft oder erkannt. Deswegen ist es unbedingt erforderlich, bei einzelnen ergonomischen Problemen einen Usability-Experten hinzuzuziehen, um die Benutzbarkeit insgesamt einschätzen zu lassen. Zusätzlich sollte auf die Qualität ergonomischer Maßnahmen und auf eine fachliche Ausbildung (z. B. ein Psychologiestudium mit Schwerpunkt Ergonomie) derjenigen Personen geachtet werden, die ergonomisch aktiv sind. So reicht es z. B. nicht aus, als Entwickler ein Seminar zu besuchen oder ein Buch mit ergonomischem Zusatzwissen zu kaufen.
 

Der Servicebereich

Rechtsquellen und Normen

Gesetze und Verordnungen
  • Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV)
    • Anhang, Nr. 20 - 22
Normen
  • DIN EN ISO 9241: Ergonomie der Mensch-System-Interaktion 
    • Teil 110: Grundsätze der Dialoggestaltung 

Literatur   

Zum Vertiefen:

Schneider, W.:
Ergonomische Gestaltung von Benutzungsschnittstellen - Kommentar zur Grundsatznorm DIN EN ISO 9241-110.
Hg.: DIN Deutsches Institut für Normung e.V., 2. vollständig überarbeitete Auflage, Berlin Wien Zürich (Beuth Verlag) 2008

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Letzte Änderung: 23.2.2010

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Rechtsquellen
  • DIN EN ISO 9241 Mensch-System-Interaktion
    Teil 110 Grundsätze der Dialoggestaltung


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