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Arbeit im Büro gesund gestalten

Grundwissen
Grundsatz Aufgabenangemessenheit

Autor: Wolfgang Schneider


Definition:  
"Ein interaktives System ist aufgabenangemessen, wenn es den Benutzer unterstützt, seine Arbeitsaufgabe zu erledigen, d. h., wenn Funktionalität und Dialog auf den charakteristischen Eigenschaften der Arbeitsaufgabe basieren, anstatt auf der zur Aufgabenerledigung eingesetzten Technologie. "

 

Erklärung

Dialoge und Bedienabläufe sollten so auf die Aufgabe zugeschnitten sein, dass das Arbeitsziel möglichst gut erreicht werden kann, wobei der Zeitaufwand und die mentale Anstrengung so gering wie möglich und die Anzahl benötigter Arbeitsschritte so klein wie möglich sein sollten.

Ein gutes Beispiel stellt einmal mehr der Standard-Drucken-Dialog dar (hier vom Internetexplorer). Die dortige Anordnung der Elemente entspricht zwar einer Logik (erst den Drucker auswählen, dann die Druckeinstellungen vornehmen). Doch die wird in der Regel so nicht verwendet:


Bild 1: Drucken-Dialog

Im Fenster sind die Elemente nicht nach der Häufigkeit der Benutzung angeordnet, obwohl die Anordnung einer gewissen Logik folgt. So wird man als normalsterblicher Benutzer den Drucker sicherlich nicht auswählen, weil man nur einen hat! Aufgabenangemessenheit würde hier besser eingehalten, wenn die Elemente anders angeordnet wären, nämlich die am häufigsten benutzten zuerst:


Bild 2: Abgeänderter Druckendialog entsprechend der Häufigkeit der Nutzung

Aufgabenangemessenheit der Anordnung

Die Druckeinstellungen sind nun an die erste Stelle gerückt.

Die am häufigsten genutzte Einstellung "Alles" steht an erster Stelle, der Fokus (rechteckiger Rahmen, hier nicht zu sehen) und die Selektion (der grüne Punkt) stehen natürlich ebenfalls auf dieser ersten Auswahl.

Aktuelle Seite und Markierung sind hier deaktiv dargestellt, weil sie nicht wählbar sind (ist dem angezeigten Objekt im Hauptfenster geschuldet); die kontextabhängige Deaktivierung stellt natürlich eine weitere Aufgabenangemessenheit dar.

Die Liste der Drucker ist jetzt weiter unten platziert, zusammen mit der Information zum Status in Lesrichtung rechts daneben inkl. der Schaltflächen dazu, und damit aus dem häufigsten Nutzungsbereich.

Aufgabenangemessenheit des Tabwegs

Die Tabtaste führt einen vom ersten Radiobutton gleich zur Anzahl der Exemplare. Dadurch können die ersten beiden Schritte ohne zusätzlichen Aufwand mit der Tastatur bedient werden. Innerhalb der Radiobuttons wird mit den Pfeiltasten navigiert, die Anzahl der Exemplare wird ebenfalls mit den Pfeiltasten verändert.

Default auf Schaltfläche (Return-Taste)

In den Druckeinstellungen kann der Druck sofort über die Returntaste angestoßen werden, da der blaue Rahmen (der Default) auf Drucken steht. Das ändert sich, wenn man in die Liste der Drucker hineinkommt, dann geht der Default auf die Schaltfläche Einstellungen (weil dies noch vor der Auswahl des Druckers an zweithäufigster Stelle stehen dürfte).

Wenn man den Subdialog Einstellungen mit OK geschlossen hat, wird der Default dann wieder auf Drucken gesetzt, da dies die logische/ häufigste Reihenfolge sein dürfte. So kann man jeden Schritt sofort mit der Returntaste abschließen, ohne erst auf die Schaltfläche mit Tab zu navigieren.

Vernachlässigt wird das Suchen nach einem Drucker,weil das die unwahrscheinlichste Option überhaupt sein dürfte.

 

HINWEIS:
Dieser Artikel soll beispielhaft darstellen, welche ergonomischen Maßnahmen in einer bestimmten Gestaltungskategorie berücksichtigt werden können. Natürlich gibt es noch viel mehr ergonomische Aspekte! Häufig werden diese aber vom Hersteller oder Arbeitgeber nicht richtig eingestuft oder erkannt. Deswegen ist es unbedingt erforderlich, bei einzelnen ergonomischen Problemen einen Usability-Experten hinzuzuziehen, um die Benutzbarkeit insgesamt einschätzen zu lassen. Zusätzlich sollte auf die Qualität ergonomischer Maßnahmen und auf eine fachliche Ausbildung (z. B. ein Psychologiestudium mit Schwerpunkt Ergonomie) derjenigen Personen geachtet werden, die ergonomisch aktiv sind. So reicht es z. B. nicht aus, als Entwickler ein Seminar zu besuchen oder ein Buch mit ergonomischem Zusatzwissen zu kaufen.
 

Der Servicebereich

Rechtsquellen und Normen  

Gesetze und Verordnungen
  • Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV)
    • Anhang, Nr. 20 - 22
Normen
  • DIN EN ISO 9241: Ergonomie der Mensch-System-Interaktion 
    • Teil 110: Grundsätze der Dialoggestaltung 

Literatur   

Zum Vertiefen:

Schneider, W.:
Ergonomische Gestaltung von Benutzungsschnittstellen - Kommentar zur Grundsatznorm DIN EN ISO 9241-110.
Hg.: DIN Deutsches Institut für Normung e.V., 2. vollständig überarbeitete Auflage, Berlin Wien Zürich (Beuth Verlag) 2008

Weitere Bücher und Broschüren zum Thema Software-Ergonomie


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Letzte Änderung: 22.1.2010

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Rechtsquellen
  • DIN EN ISO 9241 Mensch-System-Interaktion
    Teil 110 Grundsätze der Dialoggestaltung


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