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Arbeit im Büro gesund gestalten

Expertenwissen
DGUV Information 215-410 - Bildschirm- und Büroarbeitsplätze. Leitfaden für die Gestaltung.

Autorin: Jutta Weber-Bensch

Übersicht

  • DGUV Informationen (DGUV-I) erläutern die Arbeitsschutzvorschriften und sind Hilfen für die betriebliche Praxis.
  • Sie geben konkrete Empfehlungen und zeigen beispielhafte Lösungen auf.
  • Betriebe können die in den DGUV Informationen enthaltenen Empfehlungen und technischen Lösungen durch andere Lösungen ersetzen, sofern diese mindestens den gleichen Schutz bieten. Bei Beachtung aller enthaltenen Informationen und Empfehlungen sind die Unternehmen jedoch rechtlich auf der sicheren Seite.
  • Büro- und Bildschirmarbeitsplätze müssen nach den Anforderungen der gesetzlichen Arbeitsschutzverordnungen, den gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen und den anerkannten Regeln der Technik gestaltet sein. Die DGUV Information 215-410 ist ein Leitfaden für diesen Tätigkeitsbereich.
  • Die DGUV Information 215-410 enthält außer den Anforderungen an die Gestaltung der Bildschirmarbeitsplätze ebenso Informationen zum Angebot der regelmäßigen Untersuchung des Sehvermögens sowie die Inhalte des berufsgenossenschaftlichen Grundsatzes G 37 für die arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung.
  • Auch die Pflicht des Arbeitgebers zur ordnungsgemäßen Einweisung und Unterweisung der Beschäftigten bezüglich der Tätigkeit, Anordnung und ergonomischen Einstellung der Arbeitsmittel wird hier erläutert.
  • Zur ergonomischen Gestaltung des mobilen Arbeitens mit Bildschirmgerät gibt es Hinweise im Anhang.

Konkrete Hilfe bei der Umsetzung

Der Leitfaden zu Bildschirm- und Büroarbeit dient in erster Linie den betrieblichen Praktikern. Er zeigt, wie Bildschirm- und Büroarbeit nach anerkannten Regeln, sicher, ergonomisch und gesundheitsgerecht gestaltet werden können. 

Die DGUV Information 215-410 beinhält Konkretisierungen des Arbeitsschutzgesetzes, der Arbeitsstättenverordnung und der Bildschirmarbeitsverordnung, der arbeitsmedizinischen Vorsorgeverordnung und auch der Betriebssicherheitsverordnung, und zwar der dort enthaltenen allgemein formulierten und verbindlich vorgeschriebenen Schutzziele. Sie zeigt auf, wie man diese Schutzziele erreicht. Mit der DGUV 215-410 werden der Stand der Technik und die gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse zur Bildschirm- und Büroarbeit dargestellt, die nach Arbeitsschutzgesetz bei der Arbeitsgestaltung zu berücksichtigen sind. Unternehmen können mit der Umsetzung sicher sein, dass Unfälle und arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren weitgehend vermieden werden.

Wer verfasst die DGUV Informationen?

DGUV Informationen werden von den Sachgebieten innerhalb eines Fachbereichs des Dachverbandes der DGVU - Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung - erarbeitet bzw. vorhandene überarbeitet. Für das Sachgebiet Büro innerhalb des Fachbereichs Verwaltung ist als Unfallversicherungsträger die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft federführend tätig.

Die neue systematik der Bezeichnungen und Nummerierungen der Regelwerke der gesetzlichen Unfallversicherung wurden 2014 eingeführt, die alte Bezeichnung war BGI 650.

Was beinhalten die Informationen?

DGUV Informationen sind Zusammenstellungen von Inhalten aus

Die DGUV Information zu Bildschirm- und Büroarbeit bietet Hilfen und Lösungen für die betriebliche Umsetzung und wendet sich an die im Betrieb Verantwortlichen und an Fachleute, wie die Fachkraft für Arbeitssicherheit. Dies hilft beispielsweise, wenn ein Unternehmen Standards für den Einkauf von Arbeitsmitteln oder für die Gestaltung von Arbeitsräumen und Arbeitsplätzen festlegt und wenn Planungen von Büros anstehen. Nützlich ist sie nicht nur für Verantwortliche, sondern auch für betriebliche Interessenvertretungen.

Die Grundpflichten im Arbeitsschutz werden beschrieben und erläutert und entlang der Inhalte der Bildschirmarbeitsverordnung die Anforderungen für die Ausstattung und Gestaltung der von Bildschirmgerät, Tastatur, Arbeitstisch und Stuhl, der Arbeitsumgebung und der Arbeitsorganisation dargelegt. Es geht dabei um sicherheitstechnische, ergonomische, arbeitspsychologische und arbeitsmedizinische Anforderungen.

Überblick über den Inhalt der DGUV-I 215-410

 

  • 1  Anwendungsbereich
  • 2  Begriffsbestimmungen und Erläuterungen
  • 3  Grundpflichten des Arbeitgebers
  • 4  Beurteilung der Arbeitsbedingungen
  • 5  Arbeitsorganisation
  • Vorsorge bei Tätigkeiten an Bildschirmgeräten 
  • 7  Anforderungen an die Gestaltung von Bildschirm
        und Büroarbeitsplätzen
    • 7.1  Grundsätzliche Anforderungen an die Gestaltung von Bildschirm- und Büroarbeitsplätzen
    • 7.2  Bildschirm, Tastatur und sonstige Eingabemittel

Die DGUV-I 215-410 enthält den Text der Bildschirmarbeitsverordnung, einige Auszüge aus dem Arbeitsschutzgesetz, sie erläutert Grundbegriffe und Technik, gibt die jeweils zu einem Gestaltungsbereich zugehörigen vorhandenen Normen an und bietet Detailinformationen zur direkten Umsetzung am Arbeitsplatz.

Beispiel zur Konkretisierung: Kontraste im Sehbereich

Die DGUV-I 215-410 erläutert Anforderungen der Bildschirmarbeitsverordnung, die in Form allgemeiner Schutzziele vorliegen, durch konkrete Richtwerte, etwa folgendermaßen:

Anhang der Bildschirmarbeitsverordnung - Allgemeines Schutzziel

Nr. 15. "Die Beleuchtung muss der Art der Sehaufgabe entsprechen und an das Sehvermögen der Benutzer angepasst sein; dabei ist ein angemessener Kontrast zwischen Bildschirm und Arbeitsumgebung zu gewährleisten. Durch die Gestaltung des Bildschirmarbeitsplatzes sowie Auslegung und Anordnung der Beleuchtung sind störende Blendwirkungen, Reflexionen oder Spiegelungen auf dem Bildschirm und den sonstigen Arbeitsmitteln zu vermeiden."

Erläuterung in DGUV-I 215-410 - konkrete Umsetzung Leuchtdichteverteilung (Kontraste) 

"Die Leuchtdichte ist die lichttechnische Kenngröße für die Helligkeit. Neben der Beleuchtungsstärke beeinflusst die Farbgebung den Helligkeitseindruck eines Raumes oder einzelner Flächen. Zur Erreichung einwandfreier Sehbedingungen ist ein ausgewogenes Leuchtdichteverhältnis im Gesichtsfeld erforderlich. Dies liegt vor, wenn z. B. ein Verhältnis der Leuchtdichten

  • zwischen Arbeitsfeld (z. B. Papier) und näherem Umfeld (z. B. Arbeitstisch) von 3 : 1 sowie
  • zwischen ausgedehnten Flächen der Arbeitsumgebung (z. B. Wände) und dem Arbeitsfeld (z. B. Bildschirm) von 10:1

erreicht wird. Zu geringe Leuchtdichteunterschiede sind zu vermeiden, da sie einen monotonen Raumeindruck bewirken." (DGUV-I 215-410, Ausgabe 2015, Seite 68)

Es bedarf fachlicher Kenntnisse, wie z.B. die einer Fachkraft für Arbeitssicherheit oder von Büroraumgestaltern, um diese technischen Anforderungen im Betrieb umzusetzen.

Arbeitsorganisation und Pausen   

Zu § 5 der Bildschirmarbeitsverordnung, in dem gefordert ist, Bildschirmarbeit so zu organisieren, dass sie regelmäßig durch Tätigkeiten mit unterschiedlichen Anforderungen – oder falls Mischarbeit nicht möglich ist – durch kurrzeitige Erholzeiten (Pausen) unterbrochen wird, verdeutlicht die DGUV-I 215-410, dass Mischarbeit vergleichsweise weniger belastet und die Leistungsfähigkeit besser erhält. Es werden Hinweise auf die Gestaltung der Pausen gegeben.

Die DGUV-I 215-410 nennt ebenfalls eine Reihe von Gestaltungsbereichen der Arbeitsorganisation und jeweils beispielhafte Ansatzpunkte zur Vermeidung von psychischer Fehlbelastung und Stress. Dazu gehören
  • Organisationsstruktur und Projektorganisation
  • Ablauforganisation
  • Verantwortung und Teamstruktur
  • Arbeitsverteilung und Aufgabenzuschnitt
  • Informationsmanagement
  • soziale und finanzielle Gratifikationen
  • Erweiterung von Tätigkeitsspielräumen
  • Aufgabenvielfalt und Aufgabenwechsel
  • interne Kommunikationsmöglichkeiten
  • Rückmeldung zur Tätigkeitsausführung und den Arbeitsergebnissen
  • Erweiterung von Entscheidungskompetenzen und Veranwortungsinhalten
  • Leistungs- und Zeitvorgaben
  • Entwicklungs- und Lernchancen bei der Arbeit

Es sind die Kriterien einer persönlichkeitsförderlichen, menschengerechten Gestaltung der Arbeit, die das Arbeitsschutzgesetz fordert, und die, bestätigt durch die arbeitspsychologische Forschung, gesundheitsförderlich wirken.

Regelmäßige Vorsorgesuchung des Sehvermögens und Sehhilfen

Die Pflicht zum Angebot der regelmäßigen arbeitsmedizinischen Vorsorge wird in der DGUV-I 215-410 anhand der arbeitsmedizinischen Vorsorgeverordnung dargestellt und erläutert. Dazu gibt die Information einen Überblick über den DGUV Grundsatz G 37 zur arbeitsmedizinischen Vorsorge bei Bildschirmarbeit (Augenuntersuchung) und informiert über Umfang, Anlässe und altersabhängige Abstände der Wiederholungsuntersuchungen.

Information und Unterweisung der Beschäftigten

Die DGUV Information schildert die Verpflichtung des Arbeitgebers, die Beschäftigten angemessen zu unterweisen anhand des Arbeitsschutzgesetzes. Sie erläutert, dass eine Unterweisung der Beschäftigten beispielsweise hinsichtlich der richtigen Einstellung des Bürostuhls, der ergonomischen Anordnung der Arbeitsmittel und hinsichtlich des Umgangs mit der Software erforderlich ist und regelmäßig wiederholt werden sollte.

Sind die Informationen der Unfallversicherungsträger verbindlich?

Die DGUV Informationen konkretisieren gesetzliche Vorschriften, insbesondere die im Anhang der Bildschirmarbeitsverordnung aufgeführten Anforderungen an die Gestaltung der Bildschirmarbeitsplätze.

Die Unfallversicherungsträger verstehen die Informationen als Hilfen für die betriebliche Umsetzung, die enthaltenen Empfehlungen und Lösungsvorschläge sind allerdings rechtlich nicht unmittelbar bindend und bieten Spielraum für betriebliche Flexibilität.

Die Unfallversicherungsträger schließen andere technische Lösungen, insbesondere Lösungen, die in technischen Regeln anderer EU-Mitgliedsstaaten Niederschlag gefunden haben, wenn sie das Ziel Sicherheit und Gesundheitsschutz mindestens ebenso sicher erreichen, nicht aus.

Arbeitgeber, die die DGUV Informationen berücksichtigen, sind auf der rechtlich sicheren Seite, da die vorgeschlagenen Lösungen von Fachleuten anerkannt sind. Denn es sind bei der Gestaltung von Arbeit und von Maßnahmen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes neben den DGUV Informationen die einschlägigen Gesetze, Verordnungen, Vorschriften sowie die gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse und der Stand der Technik zu beachten. Dies schreiben die allgemeinen Grundsätze im § 4 des Arbeitsschutzgesetzes vor.

Als Empfehlungen für die konkrete Ausgestaltung gibt es eine Reihe weiterer Informationen der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft und des Bundesverbands der Unfallkassen zur Raumplanung, Beleuchtung, Klima oder Software-Ergonomie.

 

Der Servicebereich

Rechtsquellen und Normen 

Gesetze und Verordnungen
  • Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)
    • § 3 Grundpflichten des Arbeitgebers
    • § 4 Allgemeine Grundsätze
  • Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV)
  • Arbeitsstättenverordnung (ArbstättV) und Technische Regeln für Arbeitsstätten
  • Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) und Technische Regeln für Betriebssicherheit
Weitere DGUV Vorschriften, Regeln und Informationen zur Bildschirmarbeitsgestaltung
  • DGUV-Information 215-410: Bildschirm- und Büroarbeitsplätze. Leitfaden für die Gestaltung. hg. von Verwaltungs-Berufsgenossenschaft 2015, Download unter www.vbg.de
  • DGUV Information 215-441: Büroraumplanung. Hilfen für das systematische Planen und Gestalten von Büros. VBG-Fachwissen (bisher BGI 5050)
  • DGUV Information 250-007: DGUV Grundsatz für arbeitsmedizinische Untersuchungen "Bildschirmarbeitsplätze" G37 (mit Kommentar) (bisher BGI 785) Verwaltungs-Berufsgenossenschaft    
  • Übersicht berufsgenossenschaftliches Regelwerk
Normen
  • DIN EN ISO 9241: Ergonomische Anforderungen für Bürotätigkeiten an Bildschirmarbeitsplätzen (neu Ergonomie der Mensch-System-Interaktion)
  • Übersicht über Normen

Verwandte Themen   

Letzte Änderung: 12.02.2016

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Rechtsquellen
  • Bildschirmarbeits-
    verordnung 


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