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Arbeit im Büro gesund gestalten

Expertenwissen
Berufsgenossenschaftliche Information BGI 650 - Bildschirm- und Büroarbeitsplätze. Leitfaden für die Gestaltung.

Autorin: Jutta Weber-Bensch

Übersicht

  • Berufsgenossenschaftliche Informationen (BGI) erläutern die Arbeitsschutzvorschriften und sind Hilfen für die betriebliche Praxis.
  • Sie geben konkrete Empfehlungen und zeigen beispielhafte Lösungen auf.
  • Betriebe können die in den BGI enthaltenen Empfehlungen und technischen Lösungen durch andere Lösungen ersetzen, sofern diese mindestens den gleichen Schutz bieten. Bei Beachtung aller enthaltenen Informationen und Empfehlungen sind die Unternehmen jedoch auf der sicheren Seite.
  • Büro- und Bildschirmarbeitsplätze müssen nach den Anforderungen des Arbeitsschutzgesetzes, der Bildschirmarbeitsverordnung, den gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen und den anerkannten Regeln der Technik gestaltet sein. Die Berufsgenossenschaftliche Information BGI 650 ist ein Leitfaden für diesen Tätigkeitsbereich.
  • Die BGI 650 enthält außer den Anforderungen an die Gestaltung der Bildschirmarbeitsplätze auch Informationen zum Angebot der regelmäßigen Untersuchung des Sehvermögens sowie die Inhalte des berufsgenossenschaftlichen Grundsatzes G 37 für die arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung.
  • Auch die Pflicht des Arbeitgebers zur ordnungsgemäßen Einweisung und Unterweisung der Beschäftigten bezüglich der Tätigkeit, Anordnung und ergonomischen Einstellung der Arbeitsmittel erläutert die BGI 650.
  • Zur ergonomischen Gestaltung des mobilen Arbeitens mit Bildschirmgerät gibt es Hinweise im Anhang.

Konkrete Hilfe bei der Umsetzung

Der Leitfaden zu Bildschirm- und Büroarbeit dient in erster Linie den betrieblichen Praktikern. Er zeigt, wie Bildschirm- und Büroarbeit nach anerkannten Regeln, sicher, ergonomisch und gesundheitsgerecht gestaltet werden können. Dies hilft beispielsweise, wenn ein Unternehmen Standards für den Einkauf von Arbeitsmitteln oder für die Gestaltung von Arbeitsräumen und Arbeitsplätzen festlegt.

Die Berufsgenossenschaftliche Information beinhält Konkretisierungen des Arbeitsschutzgesetzes, der Arbeitsstättenverordnung und der Bildschirmarbeitsverordnung, der arbeitsmedizinischen Vorsorgeverordnung und auch der Betriebssicherheitsverordnung sowie der dort enthaltenen allgemein formulierten Schutzziele. Sie zeigt auf, wie man die Schutzziele erreicht. Mit der BGI 650 werden der Stand der Technik und die gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse zur Bildschirmarbeit dargestellt. Unternehmen können mit der Umsetzung sicher sein, dass Unfälle und arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren vermieden werden.

Wer verfasst die Berufsgenossenschaftlichen Informationen?

Berufsgenossenschaftliche Informationen werden von den Sachgebieten innerhalb eines Fachbereichs des Dachverbandes der DGVU - Deutsche gesetzliche Unfallversicherung - erarbeitet bzw. vorhandene überarbeitet. Für das Sschgebiet Büro innerhalb des Fachbereichs Verwaltung ist  als Unfallversicherungsträger die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft federführend tätig.

Was beinhalten die Informationen?

Berufsgenossenschaftliche Informationen sind Zusammenstellungen von Inhalten aus

Die Berufsgenossenschaftliche Information zu Bildschirm- und Büroarbeit beinhaltet auf den Tätigkeitsbereich bezogene anerkannte Regeln der Technik, gesicherte arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse und bieten Hilfen und Lösungen für die betriebliche Umsetzung.

Sie beschreiben und erläutern die Grundpflichten im Arbeitsschutz sowie die Anforderungen für die Ausstattung und Gestaltung der jeweiligen Arbeitsplätze, der Arbeitsumgebung und der Arbeitsorganisation entlang der Inhalte der Bildschirmarbeitsverordnung.

Überblick über den Inhalt der BGI 650

  • 1  Anwendungsbereich
  • 2  Begriffsbestimmungen und Erläuterungen
  • 3  Grundpflichten des Arbeitgebers
  • 4  Beurteilung der Arbeitsbedingungen
  • 5  Arbeitsorganisation
  • 6  Untersuchung der Augen und des Sehvermögens 
  • 7  Anforderungen an die Gestaltung von Bildschirm
        und Büroarbeitsplätzen
    • 7.1  Grundsätzliche Anforderungen an die Gestaltung von Bildschirm- und Büroarbeitsplätzen
    • 7.2  Bildschirm, Tastatur und sonstige Eingabemittel

Die berufsgenossenschaftlichen Information zur Bildschirm- und Büroarbeit enthält den Text der Bildschirmarbeitsverordnung , einige Auszüge aus dem Arbeitschutzgesetz, sie erläutert Grundbegriffe und Technik, gibt die jeweils zu einem Gestaltungsbereich zugehörigen vorhandenen Normen an und bietet eine Fülle von Detailinformationen zur direkten Umsetzung am Arbeitsplatz. Sie stellen ein wertvolles Hilfsmittel für den Arbeits- und Gesundheitsschutz in Büro- und Verwaltungsbereichen dar. Nützlich sind sie nicht nur für Verantwortliche, sondern auch für Interessenvertretungen.

Beispiel Kontraste im Sehbereich

Die berufsgenossenschaftliche Information BGI 650 erläutert Anforderungen der Bildschirmarbeitsverordnung, die in Form allgemeiner Schutzziele vorliegen, durch konkrete Richtwerte z.B. folgendermaßen:

Anhang der Bildschirmarbeitsverordnung - Allgemeines Schutzziel

15. Die Beleuchtung muss der Art der Sehaufgabe entsprechen und an das Sehvermögen der Benutzer angepasst sein; dabei ist ein angemessener Kontrast zwischen Bildschirm und Arbeitsumgebung zu gewährleisten. Durch die Gestaltung des Bildschirmarbeitsplatzes sowie Auslegung und Anordnung der Beleuchtung sind störende Blendwirkungen, Reflexionen oder Spiegelungen auf dem Bildschirm und den sonstigen Arbeitsmitteln zu vermeiden.

Erläuterung in BGI 650 - Konkrete Umsetzung Leuchtdichteverteilung (Kontraste) 

"Die Leuchtdichte ist die lichttechnische Kenngröße für die Helligkeit. Neben der Beleuchtungsstärke beeinflusst die Farbgebung den Helligkeitseindruck eines Raumes oder einzelner Flächen. Zur Erreichung einwandfreier Sehbedingungen ist ein ausgewogenes Leuchtdichteverhältnis im Gesichtsfeld erforderlich. Dies liegt vor, wenn z. B. ein Verhältnis der Leuchtdichten

  • zwischen Arbeitsfeld (z. B. Papier) und näherem Umfeld (z. B. Arbeitstisch) von 3 : 1 sowie
  • zwischen ausgedehnten Flächen der Arbeitsumgebung (z. B. Wände) und dem Arbeitsfeld (z. B. Bildschirm) von 10 : 1

erreicht wird. Zu geringe Leuchtdichteunterschiede sind zu vermeiden, da sie einen monotonen Raumeindruck bewirken." (BGI 650, Ausgabe 2012)

Es bedarf fachlicher Kenntnisse, wie z.B. die einer Fachkraft für Arbeitssicherheit oder von Büroraumgestaltern, um diese technischen Anforderungen im Betrieb umzusetzen.

Arbeitsorganisation und Pausen   

Zu § 5 der Bildschirmarbeitsverordnung, in dem gefordert ist, Bildschirmarbeit so zu organisieren, dass sie regelmäßig durch andere Tätigkeiten – oder, falls Mischarbeit nicht möglich ist – durch Pausen unterbrochen wird, verdeutlicht die BGI 650, dass Mischarbeit vergleichsweise weniger belastet und deshalb anzustreben ist.

Sie geben Hinweise, dass das Sitzen z.B. durch Gänge zum Kopierer, zur Aktenablage oder zum Drucker sowie durch kurzes Stehen bei Telefonaten und Besprechungen unterbrochen werden kann und liefern Tipps für eine gegebenenfalls erforderliche Pausengestaltung. Mehrere Kurzpausen haben einen deutlich höheren Erholungseffekt. Die Pausen sollten möglichst nicht zusammengezogen werden. Ein Aufsparen von Pausen, um früher zu gehen, ist ungeeignet.

Die BGI 650 nennt ebenfalls eine Reihe von Gestaltungsbereichen der Arbeitsorganisation und jeweils beispielhafte Ansatzpunkte zur Vermeidung von psychischer Fehlbelastungen und Stress. Dazu gehören

  • Organisationsstruktur und Projektorganisation
  • Verantwortung und Teamstruktur
  • Arbeitsverteilung und Aufgabenzuschnitt
  • Informationsmanagement
  • soziale und finanzielle Gratifikationen
  • Erweiterung von Tätigkeitsspielräumen
  • Aufgabenvielfalt und Aufgabenwechsel
  • interne Kommunikationsmöglichkeiten
  • Rückmeldung zur Tätigkeitsausführung und den Arbeitsergebnissen
  • Erweiterung von Entscheidungskompetenzen und Veranwortungsinhalten
  • Leistungs- und Zeitvorgaben
  • Entwicklungs- und Lernchancen bei der Arbeit 

Regelmäßige Augenuntersuchungen und Sehhilfen

Die Pflicht zum Angebot der regelmäßigen arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchung wird in der BGI 650 anhand der arbeitsmedizinischen Vorsorgeverordnung dargestellt und erläutert. Dazu gibt die Information einen Überblick über den Berufsgenossenschaftlichen Grundsatz G 37 zur arbeitsmedizinischen Vorsorge bei Bildschirmarbeit (Augenuntersuchung) und informiert über Umfang, Anlässe und altersabhängige Abstände der Wiederholungsuntersuchungen.

Information und Unterweisung der Beschäftigten

Die Berufsgenossenschaftliche Information schildert die Verpflichtung des Arbeitgebers, die Beschäftigten angemessen zu unterweisen anhand des Arbeitsschutzgesetzes. Sie erläutert, dass eine Unterweisung der Beschäftigten beispielsweise hinsichtlich der richtigen Einstellung des Bürostuhls, der ergonomischen Anordnung der Arbeitsmittel und hinsichtlich des Umgangs mit der Software erforderlich ist und regelmäßig wiederholt werden sollte.

Sind die Informationen der Unfallversicherungsträger verbindlich?

Die berufsgenossenschaftlichen Informationen konkretisieren gesetzliche Vorschriften, insbesondere die im Anhang der Bildschirmarbeitsverordnung aufgeführten Anforderungen an die Gestaltung der Bildschirmarbeitsplätze und enthalten auf den Arbeitsplatztyp bezogen themenspezifische Lösungen.

Die Unfallversicherungsträger verstehen die Informationen als Hilfen für die betriebliche Umsetzung, die enthaltenen Empfehlungen und Lösungsvorschläge sind allerdings rechtlich nicht unmittelbar bindend und bieten Spielraum für betriebliche Flexibilität.

Die Unfallversicherungsträger schließen andere technische Lösungen, insbesondere Lösungen, die in technischen Regeln anderer EU-Mitgliedsstaaten Niederschlag gefunden haben, wenn sie das Ziel Sicherheit und Gesundheitsschutz mindestens ebenso sicher erreichen, nicht aus.

Arbeitgeber, die die Empfehlungen der Berufsgenossenschaftlichen Informationen berücksichtigen, sind auf der rechtlich sicheren Seite, da die vorgeschlagenen Lösungen von Fachleuten anerkannt sind. Denn es sind bei der Gestaltung von Arbeit und von Maßnahmen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes neben den Berufsgenossenschaftlichen Informationen die einschlägigen Gesetze, Verordnungen, Vorschriften sowie  auch die gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse und der Stand der Technik zu beachten. Dies schreiben die allgemeinen Grundsätze im § 4 des Arbeitsschutzgesetzes vor.

Relevante Vorschriften und Regelungen für Bildschirmarbeit

Grundsätzlich sind als rechtlich verbindliche Vorschriften und Regelungen bei der Gestaltung von Bildschirm- und Büroarbeit anzuwenden:

Als Empfehlungen für die konkrete Ausgestaltung  gibt es eine Reihe weiterer Informationen der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft und des Bundesverbands der Unfallkassen zur Raumplanung, Beleuchtung, Klima oder Software-Ergonomie.

 

Der Servicebereich

Rechtsquellen und Normen 

Gesetze und Verordnungen
  • Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)
    • § 3 Grundpflichten des Arbeitgebers
    • § 4 Allgemeine Grundsätze
  • Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV)
  • Arbeitsstättenverordnung (ArbstättV) und -richtlinien
Weitere Berufsgenossenschaftliche Vorschriften, Regeln und Informationen zur Bildschirmarbeitsgestaltung
  • VBG-Fachwissen - Berufsgenossenschaftliche Information BGI 650: Bildschirm- und Büroarbeitsplätze. Leitfaden für die Gestaltung. hg. von Verwaltungs-Berufsgenossenschaft 2012, download unter www.vbg.de
  • Berufsgenossenschaftliche Information BGI 774: Arbeitssystem Büro. Hilfen für das systematische Planen und Einrichten von Büros , Verwaltungs-Berufsgenossenschaft
  • Berufsgenossenschaftliche Information BGI 785: Berufsgenossenschaftlicher Grundsatz für arbeitsmedizinsche Vorsorgeuntersuchungen Bildschirm-Arbeitsplätze (G 37) (mit Kommentar), Verwaltungs-Berufsgenossenschaft    
  • Übersicht berufsgenossenschaftliches Regelwerk
Normen
  • DIN EN ISO 9241: Ergonomische Anforderungen für Bürotätigkeiten an Bildschirmarbeitsplätzen (neu Ergonomie der Mensch-System-Interaktion)
  • Übersicht über Normen

Verwandte Themen   

Letzte Änderung: 11.10.2012

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Rechtsquellen
  • Bildschirmarbeits-
    verordnung 


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