Planungshilfe Unterweisung

Autor: Enrico Frei, Regine Rundnagel
Die Unterweisung ist ein sehr wichtiges Mittel, um Unfälle und gesundheitliche Beeinträchtigungen zu vermeiden, vor Gefahren zu warnen, über Sicherheitsvorschriften und Arbeitsbedingungen im Betrieb aufzuklären und die Beschäftigten zu motivieren, damit sie aktiv am Arbeits- und Gesundheitsschutz mitwirken.
Die folgende Checkliste bietet dem Verantwortlichen für die Durchführung von Unterweisungen Hilfestellungen bei der Planung.Elemente der Planung einer Unterweisung

Bild 1: Übersicht über die Planungsfragen bei Unterweisung. (Quelle: Enrico Frei)
Wie oft:
Erstunterweisung
- einmalig bei Neueinstellungen und Wiedereinsteigern
Wiederholungsunterweisung
- mindestens 1x jährlich
- bei Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahren halbjährlich
weitere Anlässe für Unterweisungen
- immer, wenn sich Arbeitsbedingungen und der Arbeitsplatz verändert haben oder der Arbeitsplatz gewechselt wurde und Gefährdungen und Belastungen sich verändern
Wodurch:
- Schulungen
- Dienstunterrichte und betriebliche Weiterbildungen
- Meetings
- Bürobesprechungen
- Mitarbeitergespräche (auch am Arbeitsplatz)
- Sicherheitsgespräche, Lehrgespräche
- Zirkel (Sicherheits-, Gesundheits-, Brandschutzzirkel)
- integriert im Arbeitsprozess und ergänzend zur persönlichen Unterweisung:
kurze Gespräche am Arbeitsplatz zwischen Vorgesetzten und Mitarbeiter/innen
Informationen im Internet/Intranet/Betriebszeitung/Plakate
Selbstlernprogramme
Broschüren
Gesundheitstage
Arbeitsschutzprogramme und Aktionen mit Unterstützung der Krankenkassen und Unfallversicherungsträger
Wo:
- in geeigneten Räumen:
mit ausreichend Platz
mit optimalen Licht- und Klimaverhältnissen
ohne störende Einflüsse von Draußen - direkt am Arbeitsplatz
- an einem Beispielarbeitsplatz
Wie lange:
- gut sind 60 bis 90 Minuten
- möglich sind längere Unterweisungen mit Problemlösung in Form von Zirkelarbeit für z.B. 3-4 Stunden
Teilnehmerzahl:
- nicht mehr als 10 Personen
Wie viel, Was:
- das Wesentliche und das Erforderliche
- was den Mitarbeiter/-innen noch nicht bekannt ist
- Gefahren, die zu Unfällen führen können
- Gefahren, die zur Beeinträchtigung des Wohlbefindens und zu Erkrankungen führen können
- die Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung und die vorhandenen Schutzmaßnahmen
- das Erkennen von Gefährdungen und ihren Ursachen
- die Verhaltensanforderungen im Arbeitsalltag
- der rechtliche Rahmen – Rechte und Pflichten
Unterweisungsthemen im Büro
- ergonomisches Sitzen
- Einstellung Bildschirmoberfläche (Kontraste, Helligkeit, Farben, Auflösung, Schriftgröße)
- Beleuchtung und Sehen am Bildschirm
- Vorsorgeuntersuchung Augen und Bildschirmbrille
- Ursachen und Vermeidung von Stress
- Raumklima
- Pausen und Arbeitszeit
- Pausenübungen zur Entspannung
- Unfallverhütung im Büro
- Betrieb von Elektrogeräten
- Verkehrssicherheit – bei Außendienst
- Gebrauch der Stimme – im Call Center
- Verhalten bei Überfällen – in Banken
Allgemeine Erstunterweisung
- Arbeits- und Gesundheitsschutzphilosophie des Unternehmens
- Erste Hilfe
- Information über die Flucht- und Rettungswege
- Verhalten bei Bränden, Unfällen und drohenden Gefahren
- Unfall- und Erkrankungsschwerpunkte
- Verkehrswege
- Warnsignale
- betriebliche Vorschriften
- Ansprechpartner: Personalabteilung, Fachkraft für Arbeitssicherheit, Betriebsarzt, Betriebsrat
Arbeitsplatzbezogene Erstunterweisung
- Zuständige Sicherheitsbeauftragte, Ersthelfer, Brandschutzbeauftragte
- Ergonomie am Bildschirmarbeitsplatz
- Bedienung und Einrichtung der Arbeitsplatzgegenstände, Bildschirm-, Stuhl- und Tischeinstellung
- Einflüsse und Beeinflussung von Lärm, Luft, Temperatur und Licht
- spezielle Gefahren und Belastungen am Arbeitsplatz und mögliche Folgen
- Lage der Not- und Hauptschalter
Wie:
- mündlich und dialogorientiert
- tätigkeitsbezogen
- kurz und prägnant
- systematisch gegliedert, strukturiert
- anregend und ansprechend
- verständlich, entsprechend:
der Sprachkenntnisse
der Qualifikation und Bildung
der Erfahrung im Beruf
der Lernfähigkeit
des Alters - Gefährdungsschwerpunkte, Zielgruppen und Arbeitsplätze berücksichtigen
- Visualisierung durch Grafiken, Bilder und Videos
- Zusammenhang zwischen Theorie und Praxis darstellen
- praxisnah:
Vorgehen nach dem Vier-Stufen-Modell: vorbereiten durch Informationen – vorführen – ausführen und üben lassen – korrigieren und kontrollieren - didaktisch aufgebaut z.B. in den Schritten:
Begrüßung, entspannte Atmosphäre
Hinführung und Begründung Thema, Bezug zum Arbeitsplatz herstellen
gezieltes Informieren bzw. vormachen
aktivieren, diskutieren und üben
klare Absprachen treffen - ohne Belehrungen und Bevormundungen
- sensibilisierend und zur Umsetzung motivierend
- Qualitätssicherung durch Feedback, Bewertungsbogen, Einzelbefragung oder Prüfung der Umsetzung
Warum:
- Anlässe:
Neueinstellung
Wiedereinstieg
Arbeitsplatzwechsel
Arbeitsunfall
Beinaheunfall
Veränderung der Arbeitsbedingungen
sicherheits- und gesundheitswidriges Verhalten
Erkrankungsschwerpunkte
gehäufte Gesundheitsbeschwerden
Hinweise von Sicherheitsbeauftragten, Fragen von Beschäftigten, Ergebnisse von Mitarbeiterbefragungen und Gefährdungsanalysen
Geänderte Vorschriften - Ziele:
Vermeidung von Gefährdungen der Gesundheit und Beeinträchtigung des Wohlbefindens und der Leistungsmotivation
Unfallvermeidungen
Verhalten der Mitarbeiter/-innen verändern durchMotivation, Förderung der Eigenverantwortung undInformation
Arbeitsbedingungen verbessern
Wer:
- Arbeitgeber oder Vorgesetzte (hauptsächlich; wegen ihrer Anweisungskompetenz)
- vom Arbeitgeber beauftragter Mitarbeiter
- Sicherheitsbeauftragte
- Unterstützung durch Betriebsarzt, Fachkraft für Arbeitssicherheit, Unfallversicherungsträger, Krankenkassen und Betriebsrat
- Fachkraft für Arbeitsicherheit oder Betriebsarzt außerhalb der Einsatzzeiten
Wen:
- alle Mitarbeiter/-innen, Auszubildende, Leiharbeitnehmer/-innen, auch Telearbeitnehmer/-innen und Fremdbeschäftigte
Der Servicebereich
Literatur
Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (Hrsg.):
Praxis Unterweisung und Kommunikation. Erfolgreich, sicher und gesund arbeiten. Infos und Tipps für die Unterweisung.
Hamburg 2012, download unter www.vbg.de (Kurzbroschüre)
Birgit Ganz:
Unterweisung. Erfolgreich unterweisen im Dienstleistungsbereich,
2. Auflage, Mit Checklisten und CD-ROM,
Wiesbaden (Universum Verlagsanstalt) 2006
Verwandte Themen
Letzte Änderung: 21.9.2006





